WmdedgT 3/2026

Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen.

Ich wachte morgens ausgeschlafen und erholt nach 7h45min ununterbrochenem Schlaf auf. Gestern war ich nämlich abends schwimmen und erst gegen 22 Uhr zu Hause, danach kippte ich ins Bett und dann war schon der nächste Tag. An Träume kann ich mich nicht erinnern. Ich trödelte im Morgenablauf ein wenig herum, denn zum ersten Mal in dieser Woche hatte ich keine frühen Termine, vielleicht trödelte ich aber auch gar nicht, denn ich kam früher als an allen anderen Tagen im Büro an, obwohl ich mich gar nicht beeilt hatte, im Gegenteil. Vielleicht läuft bei mir einfach immer alles am besten, wenn ich es im eigenen Tempo mache und nicht nach der Uhr.

Heute war der Chef vor seiner nächsten längeren Abwesenheit noch für einen guten halben Tag da, also versuchte ich auf alles, was noch anstand oder zu antizipieren war eine Unterschrift zu bekommen und das gelang auch. Irritierenderweise begegneten wir uns dabei aber nicht. Ich lief ständig mit Papier in sein Büro und er war nicht darin, später war ich dann irgendwo anders und bei meiner Rückkehr lagen die unterschriebenen Papiere auf meinem Tisch, er hatte sie vorbeigebracht, das lief vier Mal so. Und sogar bei einem Meeting, an dem wir beide teilnahmen, trafen wir nicht aufeinander. Ich war anfangs da, musste dann aber wegen einer dringlichen anderen Problematik den Raum verlassen. Er hingegen kam nicht wie geplant aus einem anderen Termin, so dass er erst eintraf, als ich schon wieder gegangen war.

Obwohl ich das Meeting früher verließ, konnte ich noch Essen abgreifen: ein halber Wrap mit Krabben oder sowas und eine Bowl mit diversem Gemüse und Hühnchen, außerdem ein hübsch verziertes kleines Dessert (mit Schokoblatt, roten Beeren und grünen Pistazienkrümeln). Verzehr in der Mittagspause, währenddessen Telefonate in Sachen Papa N. mit Krankenkasse, Pflegekasse, Pflegeheim, Hausverwaltung und Vermieter. Die Zeit verging rasch.

Am Nachmittag ein Team-Meeting, das ich jetzt wöchentlich für 15 Minuten mache, um Fragen zu bündeln. Immer mal wieder rutschen wir in eine Situation, in der sämtliche Fragen des gesamten Standortes an mich gerichtet werden, auch, wenn es andere gäbe, die sie beantworten könnten. Meine Theorie ist, dass dieses Phänomen vermehrt in Zeiten emotionaler Unsicherheit auftritt. Aktuell ist eine solche Phase und ich muss gegensteuern, denn sonst drehe ich vollends durch.

Meine zeitintensiven Projekte entwickeln sich derweil munter weiter. Die ASA-Prüfung ist überstanden, vom Steuerprüfer habe ich lange nicht gehört, zwei von drei Stellen sind besetzt, zwei Mietvertragsangebote liegen vor. Es wird sich demnächst alles sortieren, was gut ist, denn ich möchte jetzt wirklich, wirklich den Urlaub nehmen, den ich seit Weihnachten jetzt schon dreimal verschoben habe.

Damit mir auch privat – neben den Angelegenheiten, die eine Heimunterbringung und Wohnungsauflösung so mit sich bringen – nicht langweilig wird, habe ich am Sonntag aus einer spontanen (enorm schlechten) Laune heraus meine Google-Infrastruktur aufgelöst, also: die Mailkonten und Kalender zu Proton verlegt, die Cloud zu Jottacloud. Natürlich gibt es nachlaufend jetzt noch einiges aufzuräumen, doch ich muss sagen: es waren nach der (ca. 90-minütigen) Entscheidungsfindung nur ein paar Klicks. Das hatte ich mir wirklich aufwändiger vorgestellt, immerhin hatte ich alles, mein ganzes Leben, bei Google und sogar mal einen Alias namens „Google-Girl“. Am Ende war es dann eine toxische Beziehung. Sie ist vorbei. Und seitdem ist in meinen Mailkonten eine wunderbare Ruhe eingekehrt, es ist ja alles noch frisch und frei von sämtlichem Spam. Fühlt sich wirklich gut an. Vielleicht gehe ich bald zum Friseur und mache mir eine neue Frisur.

Jedenfalls habe ich jetzt unterwegs immer eine gute Beschäftigung – ich prüfe in den alten Konten eingehende Mails und ändere bei den Anbietern entweder Mailadresse und Passwort oder lösche das Account.

Irgendwann – es war bereits dunkel doch der Himmel leuchtet jetzt abends immer schon ein wenig – verließ ich das Büro und fuhr nach Hause, nicht ohne vorher noch einen Stop in der Drogerie zu machen und Creme für „reife Haut“ zu kaufen.

Die ersten 30 Jahre meines Lebens verwendete ich ja für alles die Niveacreme in der blauen Dose, dann wurde sie mir zu „okklusiv“ (ein Wort, das ich im Zusammenhang mit Creme ganz neu gelernt habe) und ich wechselte zu einem anderen Drogerieprodukt, das als „leichte Basispflege“ ausgewiesen war. Und nun plötzlich juckt und spannt meine Haut immer mal, das erwähnte ich am Wochenende in einem Gespräch mit Schanuf und sie sagte – in der Essenz, ihre Worte waren ganz anders – „Du hast jetzt alte Haut und musst halt eine Creme dafür kaufen“.

Also tat ich das gleich am Montag. Um das Problem für immer zu lösen nahm ich gleich die Creme für ganz alte, sorry, reife Haut, also das Maximalprodukt, was auch sofort jedes Jucken und Spannen beseitigte und nach dem Schwimmen und nachts durchaus okay ist, tagsüber aber jetzt doch noch ein bisschen zu viel des Guten. Deshalb ging ich heute noch einmal zurück und kaufte die Variante für mittelalte (=anspruchsvolle) Haut, eine Stufe drunter, vielleicht muss ich dann mit 70 nochmal neu überlegen. Naja da habe ich hoffentlich mehr Zeit als jetzt gerade.

Morgen probiere ich also die Creme für anspruchsvolle Haut, wobei ich meine Haut nie als anspruchsvoll wahrgenommen habe, sie hat mich eigentlich nie sonderlich beschäftigt außer bei Sonne. Ich hätte lieber eine Creme für anspruchslose Haut gekauft oder vielleicht für fröhliche Haut. Kosmetik ist immer allzu problemorientiert, finde ich. Lange gab es ja auch nur Shampoo für Problemhaare – für splissiges, brüchiges, trockenes, fettiges, dünnes Haar und so weiter. Also nur Shampoo für Leute, die ihre Körperteile dissen. Das muss man sich mal vorstellen, was für ein Fuck-up! Ich fand mein Haar immer super und wechselte daher sofort zur „Prachtvoll“-Serie von Guhl, als ich sie entdeckte.

Zurück zum Thema, das ja der Tagesablauf ist. Zu Hause bereitete ich Nudeln mit einer Tomaten-Zucchini-Bohnensoße zu, als alles fertig war, hatte ich Appetit auf Nudeln pur, also aß ich das. Die Soße hält sich ja. Und dann saß ich im Sessel und klärte ein Rätsel auf, das mich seit morgens beschäftigt hatte, als ich im Kalender sah, dass ich Sonntag eine Verabredung zum Buchclub habe. Nämlich lesen wir gerade ein Buch, das mir sehr gut gefällt und es taten sich für mich gleich zwei Probleme auf: zum einen werde ich am Sonntag zur geplanten Buchclubzeit noch auf der Autobahn sein und zum anderen konnte ich mich partout nicht mehr daran erinnern, wie das Buch zu Ende ging. Also an gar nichts, meine Erinnerung bricht mittendrin ab.

Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ich ja wirklich aktuell viel um die Ohren habe und das Ende vom Buch deshalb vergessen habe. So war es aber, wie ich vorhin feststellte nicht. Sondern ich habe das Buch gar nicht beendet, eine Stunde Lesezeit liegt noch vor mir. Was mich freut, denn so ein nicht erinnerliches Ende wäre bei einem guten Buch doch sehr schade gewesen! Jetzt habe ich nur noch das Probem, dass ich am Sonntag gar keine Zeit habe für den Buchclub, aber vielleicht kann ich telefonisch aus dme Auto teilnehmen.

22. Februar 2026

Jemand hat meine Tägliche Unverbindliche Contentvorschlagliste in „nervige Datei die nicht weggeht“ umbenannt. Das amüsiert mich seit gestern Abend und ich fühle mich verschwestert. Ich habe auch ein paar solcher Dinge, die immer wieder irgendwo auftauchen und immer wieder klicke ich drauf, was dazu führt, dass sie noch häufiger auftauchen. Anfangs benannte ich sie um in „nicht klicken“, vergaß dann aber oft, dass ich selbst das geschrieben hatte und dachte mir hey, wer sagt, ich soll da nicht klicken? (etc). So wechselte auch ich zu Formulierungen, die mehr nach mir klingen und nun tatsächlich verhindern, dass ich draufklicke.

Ich habe die Liste in diesem Zuge abgeändert. Sie ist nicht mehr mit Daten versehen, weil ich ja sowieso nicht täglich schreibe. Und es erspart viel Herumscrollen, unsere Finger werden alle nicht jünger. Ich denke, das neue Verfahren ist unmittelbar verständlich und auch von anderswo bewährt.

Weitere Neuerung bei mir: Ich habe ein neues Spaßprojekt, nämlich möchte ich ein Jahr lang alles fotografieren, das ich esse. Weil ich gleichzeitig keinesfalls möchte, dass mein Handyspeicher voller Fotos von Essen ist, habe ich zu diesem Behufe mein Instagram-Konto aktiviert und erst einmal alle Follower*innen entfernt und das Konto auf privat gesetzt. Ich habe dort überhaupt noch nie ein Bild gepostet, dennoch folgten mir über 300 Accounts, die mich offenbar als Ruhepol schätzen, als Leerstelle in der Timeline – die es besonders goutierten, einer Person zu folgen, die halt einfach rein gar nichts postet. Damit ist es jetzt vorbei und da ich ungern enttäusche, habe ich einfach alle entfernt.

Und noch etwas Neues reckt ganz zart den Kopf aus einem tiefen Loch hervor: Ich habe die vorsichtige Hoffnung, dass „meine Angelegenheiten“, die mich in ihrer Gesamtheit seit Jahresende kein Land mehr sehen lassen, sich langsam ein wenig zurechtsortieren. Sollte sich das nachhaltig manifestieren, gibt es hier vielleicht bald wieder mehr Content.

7. Februar 2026

Heute also gearbeitet. Das ist das praktische an meinem Job: ich kann zu jeder beliebigen Zeit an jedem beliebigen Tag arbeiten, es ist immer irgendwas los und es sind immer irgendwelche anderen auch gerade da. Es waren sogar ein paar Telefonate möglich. Die nächste Woche ist jetzt vorsortiert, alles, was am Montag verfügbar sein muss, habe ich heute zur Verfügung gestellt und ansonsten viel „Housekeeping“ erledigt, was mir von Dienstag bis Freitag dann wieder Kapazitäten freimacht. Ich bin guter Dinge.

Zwischendrin ging ich einkaufen und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass der nächstgelegene Supermarkt verschwunden war. Ich seufzte tief, drehte um mit dem Plan, in die andere Richtung zum zweitnächstgelegenen Supermarkt zu fahren. Einen halben Häuserblock weiter fand ich den eigentlich gesuchten Markt wieder. Er war noch da, ich lediglich daran vorbeigefahren. Ein typisches Stressymptom bei mir: räumliche Desorientierung. Das Fahrrad abends nicht wiederfinden, von der anderen Seite also sonst in die eigene Straße einbiegen und denken „wo bin ich hier dieses Haus da vorne habe ich noch nie gesehen!“, in der Bahn nicht mehr auseinanderhalten können, ob ich in oder gegen die Fahrtrichtung sitze. Ich muss weiter wachsam sein und immer gut ausschlafen, damit die Situation nicht kippt.

Damit ich es besonders schön habe kaufte ich mir Blumen und Zutaten für einen Kuchen, der alle in der Küche befindlichen Birnen verwertet. Das macht es mir gleich in zweierlei Hinsicht schön, erstens weil ich dann Kuchen habe und zweitens weil ich dann keine überreifen Birnen mehr in der Küche herumliegen habe. Der Kuchen war eine Improvisation aus eben Birne, gemahlenen Haselnüssen und dunkler Schokolade, sehr lecker, er würde von ungesüßter Schlagsahne noch profitieren, doch habe ich keine Sahne im Haus und dass der Kuchen den Montagabend noch erlebt ist höchst unwahrscheinlich. Nicht schlimm. Birnen sind hier immer mal wieder plötzlich überreif, es wird weitere Chancen geben.

Korrespondenz mit Schwester N zu Papa N, mit Herrn Herzbruch zu Frau Herzbruch, mit Schanuf zum Dackel. Keines dieser Themen ist heute in eine eklatant falsche Richtung gelaufen. Bis sie alle aufgelöst sind, wird es noch ein wenig dauern.

Fast fehlte es mir heute auch, dass irgendwelche Leute mir über sieben Stunden lang ins Ohr labern und ihren Blick auf die Welt schildern, ohne, dass ich ihnen antworten und Einwände erheben kann (was ich nach wie vor für ein überaus seltsames Format der Erbauung halte). Aber gleich morgen werde ich wieder viele Stunden Autofahren und mich überraschen lassen, wessen Gedanken mir dieses Mal dargeboten werden.

6. Februar 2026

Heute war Tag der Medizin. Und der Pflege.

Morgens hatte ich einen Termin bei der Hausärztin für Blutabnahme und Impfung (Pneumokokken). Anschließend fuhr ich drei Stunden Auto, zwei Stunden davon telefonierte ich immer wieder für Papa N. mit der Klinikärztin, dem Sozialdienst der Klinik, dem Pflegedienst und einem Pflegeheim. Und mit Schwester N. Denn Papa N, das ist schön, hat sich stabilisiert und kann entlassen werden, jedoch nicht mehr nach Hause sondern nun in ein Pflegeheim. Um 11 Uhr vormittags waren sich alle Beteiligten einig, dass „sofort jetzt“ doch etwas überstürzt ist und die Angelegenheit wurde auf Montag vertagt.

Ankunft in Krankenhaus 1 – Papa N. war der Ruhepol im Chaos. Auf meine Mitteilung, dass seine medizinischen Probleme unerklärlicherweise, aber dennoch nachweislich, verschwunden wären, reagierte er konsterniert mit „Aber ich kann doch nicht ewig leben!“ „Geburtstag feiern können wir aber schon noch, oder?“ antwortete ich. Es ging noch etwas hin und her, wann der Geburstag sei und wie lange es bis dahin noch ist, dann stimmt er zu, nur müsse er vorher noch zum Friseur. Das lässt sich gut einrichten, der Friseur kommt im Pflegeheim immer dienstags.

Im Anschluss besichtigte ich eben dieses Pflegeheim mit dem Dienstagsfriseur, aber nur von außen, von innen hatte Schwester N es bereits besichtigt.

Dann fuhr ich weiter in die Wohnung von Papa N., um dort nach dem Rechten zu sehen. Er ist ja seit Ende Dezember mit wenigen Tagen Pause in Krankenhäusern unterwegs, da muss in der Wohnung mal wer gucken. Es war alles in Ordnung dort. Und sehr ruhig und angenehm, ich legte mich nur eine kleine Sekunde in das Pflegebett und schlief sofort ein.

Als ich wieder aufwachte, schmerzte der Impfarm. Doch nun war es Zeit für Krankenhaus 2 – Frau Herzbruch besuchen. Ich hielt den Besuch kurz, gab im wesentlichen nur Genesungs-Cherry-Coke-und-Chipsfrisch-ungarisch ab.

Schon fuhr ich wieder Auto, dieses Mal vier Stunden. Ich hörte einen Podcast mit Benni und Dennis (von denen ich zuvor noch nie gehört hatte). Irritierenderweise verbrachte ich ungefähr die Hälfte des Podcasts damit, mich zu fragen, welche merkwürdige regionale Sprachfärbung die beiden wohl sprechen um dann zu erfahren, dass sie aus Düsseldorf kommen, wie ich selbst. Ich hatte auf irgendwas weiter nördlich getippt, Münster oder so.

Dann hörte ich noch einen Podcast mit Peter Vajkoczy – sieht er Drosten ein bisschen ähnlich? Vielleicht werde ich sein Buch noch lesen.

Als nächstes wäre eine Folge mit Psychoanalytiker*innen gelaufen, doch ich konnte jetzt wirklich nicht noch weiter anderen Menschen zuhören sondern wollte unbedingt selbst sprechen, nicht als Monolog vor mich hin sondern mit einer Person. Dieses Bedürfnis könnte man mal psychoanalysieren. Jedenfalls rief ich Schanuf an und bin nun auch in Bezug auf das Dackelchen auf dem aktuellen Stand.

Morgen werde ich arbeiten und Wäsche waschen. Ich freue mich darauf.

WmdedgT 2/2026

(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)

Man behauptet, es sei der 5. Februar. Für mich ist es ungefähr der tausendsiebenhundertneunungvierzigste Januar. Ich stecke in einer Endlosschleife aus Krankenhausthemen und beruflichen Herausforderungen. Meine Stimmung ist den Umständen entsprechend hervorragend, allein das ist verdächtig.

Ich stand heute irgendwann auf. Seit ich meinen Urlaub zum zweiten Mal abgesagt habe, weigere ich mich, einen Wecker zu stellen. Wenigstens in Bezug auf Schlaf soll der Körper, besonders das Gehirn, bekommen, was es verlangt. Als ich mich – heute passend für einen wichtigen Termin – angekleidet hatte, begab ich mich ins Büro. Ich kann mich offen gesagt nicht erinnern, welches Transportmittel ich benutzte und welchen der möglichen Wege ich einschlug. Irgendwann war ich halt da. So ist das derzeit.

Was ich im Büro bis zum Termin tat, weiß ich nicht mehr. Ich arbeitete mich durch Listen voller kleiner, notwendiger Aufgaben. Sie sind sauber priorisiert, daher gehe ich davon aus, dass alles sinnvoll und zeitgerecht war. Zwischendurch auch kurz Korrespondenz mit Frau Herzbruch, bekanntlich auch in einer Klinik.

Beim Termin selbst war ich komplett innerlich und äußerlich präsent und alert, vermutlich könnte ich das Gesprochene exakt im Wortlaut wiedergeben, vielleicht sogar mit verstellten Stimmen. Die ganzen dreieinhalb Stunden. Das wird mir noch nützlich sein, dieser Termin war zentral für eins der sieben großen Themen, die meinen Urlaub verhindern und die ich daher eins nach dem anderen erledigen muss, nicht zwingend auf einen Streich, sieben Streiche sind auch okay.

Anschließend ging ich mit einigen aus der Terminrunde zum Mittagessen, wobei es für mich Frühstück war, und aß Wagyu Katsu Sando. Das war sehr lecker!

Den Nachmittag verbrachte ich mit einem weiteren der großen Themen. Wenn alles gut läuft, wird das nächste Woche einen Abschluss finden, dann sind es nur noch sechs.

Ich machte relativ früh (18 Uhr) Feierabend, denn es gab eine gute Nachricht: der kleine Dackel von Schanuf konnte aus der Tierklinik entlassen werden. Das ist schon einmal sehr schön – ob alles gut wird, ist leider noch fraglich, die nächsten Tage werden das zeigen. Momentan ist die Situation fragil, so dass ich benötigte Dinge einkaufte und anlieferte und einen Krankenbesuch machte, der hoffentlich kein Abschiedsbesuch war.

In der S-Bahn schwallartiges Nasenbluten, man reichte mir Taschentücher.

Gegen 20 Uhr kam ich zu Hause an und telefonierte eine Stunde mit meiner Schwester zur Krankenhaussituation von Papa N. Auch die ist sehr fragil.

Jetzt Katze füttern, vielleicht mich selbst noch füttern. Ich bin unsicher, ob das heute Abend noch lohnt.

Gute Wünsche werden für alles entgegengenommen: für Frau Herzbruch, für Papa N., für den Dackel, und nicht zuletzt auch für meine Nerven.

6. Januar 2026

Im Bahnhof heute morgen blinkte vor dem U-Bahn-Eingang rot das Schild, das besagt, man solle bitte nicht weitergehen. So ein Persönchen mit ausgestreckten Armen in einem Kreis. Dennoch strömten wie Lemminge alle die Treppe hinunter zum Bahnsteig. Ich habe es nicht verstanden.

Später eine sehr schöne Situation. Ich muss ja eine Stelle nachbesetzen und heute kam dafür eine recht gut passende Bewerbung von einer Frau, die denselben Nachnamen trägt wie die, die gekündigt hat. Und denselben Anfangsbuchstaben vom Vornamen. Wie superpraktisch ist das denn? Niemand muss sich einen neuen Namen merken, ich muss noch nicht einmal das Türschild ändern lassen und sogar die Netzwerk-ID bleibt gleich! Win-win-win! Außerdem bietet es so viel Raum für beiläufige Scherze. Es erinnert mich an die schönen Zeiten als ich mal drei Florians zusammen in einen Raum setzte und einmal, das war zugegebenerweise nicht so nett, Philip, Phillip und Philipp sowie Frederick, Frederic und Frederik. Mir scheint, heute heißen die jungen Menschen, die ins Praktikum zu uns kommen, wieder unterschiedlicher. Dafür sehen sie ähnlicher aus. Oder vielleicht ist das auch nur meine Perspektive mit ein paar Lebensjahren mehr Abstand.

Bezüglich Frau S, also der alten (die gekündigt hat) Frau S und der neuen (die sich beworben hat) Frau S, kann ich mir auch einen Psychothrillerbeginn vorstellen. Vielleicht ist es dieselbe Person! Wir gingen ja nicht ganz im Guten auseinander, will sie sich rächen? Oder eine Zwillingsschwester? Die Bewerbung ist ohne Bild aber ich habe gelinkedint und man könnte eine Ähnlichkeit in die Bilder interpretieren. „Unsere“ Frau S hatte laut ihren Erzählungen den Kontakt zu ihren Geschwistern abgebrochen. Vielleicht sind die Frauen S wirklich Geschwister aber wissen nicht, dass die eine schon einmal bei uns war. Viel Material für Filme!

Geärgert habe ich mich heute auch, über eine Bekannte, die sich von WhatsApp verabschiedete mit einer recht lapidaren Nachricht, man könne sich ja einen anderen Messenger installieren. Es ist nicht so, dass ich nicht auch andere Messenger installiert hätte. Was mich piekst ist die Beiläufigkeit solcher Verlautbarungen, in meinen Augen immer verbunden mit dem Luxus, sich nicht um jemanden kümmern zu müssen, dem Wechsel von irgendwas nicht leicht fallen; keine Verantwortung für jemanden zu tragen, dessen Angelegenheiten man mitregeln muss. Da spricht es sich leicht lapidar. Und ich frage mich, warum ich überhaupt noch nie eine Nachricht in der Art von „du, ich möchte weg von WhatsApp aber gern den Kontakt zu Dir halten – wie kann das am besten funktionieren, was nutzt Du sonst so?“ bekommen habe.

Auf dem Rückweg wollte das Fahrrad vor der Kälte kapitulieren, naja nicht das ganze Rad, nur die Kettenschaltung, die so bedrohlich knackte, dass ich einen Bruch befürchtete und dann doch lieber schob. „Nein, Herr, die Kettenschaltung bricht nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen“. Ich habe jetzt einen Dauerohrwurm vom Eisernen Heinrich. Zum Glück schmerzt mein Herz aber gar nicht, ich bin nur etwas angestrengt und sehne mich nach Urlaub. Noch sieben Arbeitstage bis dahin.

WmdedgT 1/2026

(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)

Ich schlief sehr tief, ohne Unterbrechung und lang. Normalerweise wache ich irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr von selbst auf, das ist für mich ein guter Zeitpunkt passend zum Arbeitsbeginn. Heute wachte ich erst um 8:15 Uhr auf. Das war unerwartet. Mein Köper glaubt wohl, es sei schon Urlaub.

Allein, er irrt. So machte ich mich etwas schneller als sonst fertig, kaufte auf dem Weg ins Büro noch neues Brot, neuen Käse und einen Strauß Tulpen und kam dann mäßig spät an. Zunächst drehte ich eine Runde durch die Stockwerke um allen, die jetzt wieder da waren, ein gutes neues Jahr zu wünschen und ein paar Informationen zu verstreuen. Dann hatte ich ein längeres Telefonat mit einer möglichen neuen Dienstleisterin – das Gespräch verlief für mich interessanter, als ich erwartet hatte und dauerte daher eine gute halbe Stunde.

Im Anschluss standen 6 neue Personen bei mir im Raum, die ihren ersten Arbeitstag hatten und herumgeführt wurden. Ich wurde auch besichtigt und nutzte die Gelegenheit, um mir Gesichter und Namen einzuprägen und zu erinnern, dass ich für 16 Uhr einen gemeinsamen Termin eingestellt hatte.

Plötzlich war schon Mittag und ich wurde zum Essen abgeholt, meine Einwände „keine Zeit, kein Hunger, keine Lust“ wurden schlicht abgewiegelt. Die Kantine ist schon wieder teurer geworden. Ich aß eine Vorsuppe, wurde enorm müde und beschloss, mit einem Espresso gegenzusteuern. An der Kaffeemaschine traf ich den Chef, der fragte, ob wir unser für morgen geplantes Treffen vorziehen könnten auf jetzt sofort. Aber natürlich. Wir saßen eine halbe Stunde zusammen, bemerkten dann, dass die Zeit nicht reicht, doch er hatte einen anderen Termin und danach ich einen, also verabredeten wir uns für 17 Uhr noch einmal.

Mein Termin war, wie schon gesagt, das Begrüßungsgespräch mit den 6 neuen Personen. Ich hatte mir alle Namen gemerkt, auch die passenden Gesichter dazu! Wobei es relativ einfach war, denn die drei Männer sahen sehr unterschiedlich aus. Die Frauen ähnelten sich (alle lange, glatte, eher helle Haare), aber eine trug eine Brille und eine war deutlich älter als die anderen. Easy-peasy. Für das Gespräch habe ich eine Checkliste, es gibt einen recht großen Teil mit Regeln und wenn ich den einleite mit „Sie müssen die Regeln und ihre Hintergründe vollständig verstanden haben, bevor Sie beurteilen können, ob eine begründete Ausnahme zulässig ist“, merken die Schlauen immer kurz auf. So jedenfalls meine eine unwissenschaftliche Beobachtung über die letzten fünf Jahre hinweg. Es sind nicht unbedingt die Netten, nicht unbedingt die, mit denen man es leicht hat, aber es sind die Schlauen.

Heute war im Termin auch eine Mitarbeiterin dabei, die mich bei diesen Gesprächen während meines Urlaubs vertreten soll. Mit der Checkliste wird das gut klappen. Sie würde die Gespräche auch gern komplett und für immer übernehmen, das möchte ich aber nicht, denn sie sind meine beste Gelegenheit, einen Anknüpfpunkt zu den Neuen herzustellen, einen ersten Eindruck zu bekommen und einen Türöffner zu haben, damit sie sich später auch zu mir trauen, wenn es irgendwelche Themen gibt, die auf meiner Ebene liegen. Die Mitarbeiterhin hingegen hat zahlreichen Anknüpfpunkte und war mit allen Neuen am Nachmittag schon per „Du“ – ich nicht, ich bleibe beim „Sie“.

Danach ging es mit dem Chef weiter, wir fanden in allen Punkten eine Einigung und in mehreren auch eine gute.

Als ich wieder an meinem Schreibtisch ankam, hatte ich irrsinnigerweise über 50 neue Mails. Man könnte meinen, die Leute mailen sich irgendwann zu Tode, fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass mein Aufgabengebiet im letzten Jahr einfach nochmal deutlich breiter geworden ist und deshalb noch zig weitere Abteilungen und Teams mich bei allem, was sie für wichtig halten, einkopieren. Auch wurde mir wieder klar: je breiter die Aufgaben gefächert sind, desto weniger tief können sie gehen. Das ist mir sehr recht, ich bin ja das personifizierte Pareto-Prinzip. Und genau deshalb muss ich auch diese neuen zwei Personen einstellen, für die ich jetzt ein Budget bekommen habe und die bestimmte Themen mehr in der Tiefe behandeln.

Dann kam noch eine Mitarbeiterin mit erhöhtem Gesprächsbedarf, schwupps war es sehr spät und ich war zu müde, um mit dem Rad nach Hause zu fahren. Wobei ich mit dem Rad hätte fahren können – am Morgen auf dem Hinweg schmerzte der Arm, den ich mir ja gestern erneut verletzt hatte, noch ziemlich, am Abend quasi gar nicht mehr. Dafür war es stockdunkel und irgendwas um -5 Grad und mein Weg geht an einem unbeleuchteten Flussufer entlang. Ich nahm ein Uber.

Zu Hause weitere Komplikationen: die Zutaten der HelloFresh-Box stimmten nicht mit dem Rezept überein. Herr N und ich wurden kreativ, das Essen – ein Curry – zog schön durch, während ich mich noch mit Fragmente und S. online traf. Eigentlich war es ein Buchclubtreffen, doch keine von uns war vom Buch ausreichend angetan, um es bis zum Ende zu lesen. So unterhielten wir uns ein wenig und suchten das nächste Buch aus.

Nun war ich wirklich außerordentlich müde und wollte mich in den Sessel setzen. Dabei kam es zu einem Wärmeflaschenunfall, so dass ich viel dynamischer aus dem Sessel aufstand – ja, aufsprang – als üblich und das natürlich unter abstützender Zuhilfenahme beider Arme. Also auch des kaputten. Das war sehr ungünstig, wobei: Ich habe jetzt beschlossen, das als normale Phase des Heilungsverlaufs zu betrachten. Das kenne ich von Verletzungen so: erst ist alles fürchterlich, ich habe Schonhaltung und verspanne mir alles, dann wird es langsam besser, so dass ich die Verletzung vergesse, also gar kein bisschen mehr vorsichtig bin und mich ein paar Mal erneut ein bisschen verletze, bevor die Heilung das Vergessen irgendwann überholt. Wenn der Schmerz bei der Erstverletzung bei 100% war, war er vorgestern Abend, also 2 Monate später, bei 5%, gestern morgen, nach dem erneuten Unfall dann bei 60 % und heute Nachmittag, nach nur etwa 36 Stunden bei 10 %. Jetzt ist er bei 50 % und sollte sich morgen schön weiter herunterpendeln, ich gehe davon aus, bis zum entgültigen Verschwinden werde ich ihn noch zwei- oder dreimal durch Unbedachtheit wieder hochjagen, aber, wie gesagt: normaler Heilungsverlauf. Es lohnt nicht, sich zu grämen.

Allerdings habe ich, glaube ich, eine Brandblase an der Wade. Das schaue ich mir morgen genauer an, jetzt bin ich müde und gehe schlafen. Noch 8 Arbeitstage bis zum Urlaub!

2026!

2026 schreibt sich gut. Ich rechne damit, mich in den nächsten 362 Tagen selten in der Jahreszahl zu irren. Diese Annahme ist natürlich nicht ohne Hintergrund.

Denn das Jahr 2025 begann – und lief komplett durch! – mit etwas, das eigentlich eine Kleinigkeit sein sollte und dann total eskalierte, wie gesagt noch immer nicht gut ist. Gemeint ist Frau Herzbruchs Operation und ihre Folgen. Die Perspektive von Frau Herzbruch ist bekannt und die relevantere. Für mich ergänzend wichtig ist, dass ich schon durch die vorherigen Jahre – nach fast einem Jahr Krankenhausrealität mit Herrn N und anschließend knapp drei Jahren mit Mama N. – eine ausgeprägte Achillesferse in Bezug auf Krankenhausthemen entwickelt habe, deutlich über ein erwartbares Maß hinaus. Entsprehend dachte ich wirklich: „Die wollen mich doch verarschen!“ Leider nicht.

Daneben war mein persönliches 2025 sehr voll, übervoll.

Beruflich läuft es. Ich habe ein bisschen gebraucht, um zu verstehen, dass es einen riesigen Leerraum, eine Art Machtvakuum, gibt, in dem ich einfach tun kann, was ich für richtig halte (oder natürlich gleichermaßen, was ich für falsch halte, should I be so inclined!). Dennoch war ich damit im Vergleich früh dran, außer mir hat es entweder überhaupt noch niemand bemerkt oder zwar bemerkt doch nicht darauf reagiert. Ich habe ein sehr großes Spielfeld zur Zeit. Manchmal ist es ein wenig einsam.

Ich war unfassbar viel unterwegs. Ich habe eine zweijährige Weiterbildung abgeschlossen. Ich habe das Kraulschwimmen geknackt. Insgesamt habe ich sehr viel gemacht, also eben im wirklich Wortsinn selbst gemacht und so gut wie nichts unternommen, bei dem ich passiv unterhalten werde. Ich war nicht im Kino. Ich war immerhin bei einer Comedy-Veranstaltung und auf einem Konzert – im Gegensatz dazu habe ich aber drei Konzerte selbst gesungen, im Chor natürlich, dennoch finde ich das Verhältnis ungewöhnlich. Vielleicht möchte ich 2026 zu meiner Unterhaltung auch öfter mal andere etwas machen lassen. Während ich dass schreibe, werde ich schon leicht innerlich nervös, denn was, wenn die das nicht so machen, dass ich gut unterhalten bin? Vielleicht unterhalte ich mich doch besser selbst?

Gesundheitlich war das Jahr für mich kein Selbstläufer. Da waren zum einen die unendliche Zahngeschichte, die vermutlich im Februar 2026 nach 10 Monaten und über 20 Terminen endlich ihren Abschluss finden wird. Dazu ein eskalierter Mückenstick, besser gesagt Kriebelmückenbiss, der Antibiotikum erforderte und zum Jahresende noch eine gezerrte Schulter, von der ich noch immer etwas habe. Dafür keine relevante Infektionkrankheit – ein Wochenende lang hatte ich mal eine laufende Nase, aber es gab nichts, das mich aufs Sofa gezwungen hätte. Das finde ich auch bemerkenswert, denn ich war rund 30.000 km in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und habe dabei viel Husten und Niesen gehört.

Im Herbst habe ich bemerkt, dass ich mich ingsgesamt übernommen habe. Genau zu diesem Zeitpunkt, als alles zu viel wurde, hätte ich beinahe noch eine Lebensrettung unterbringen müssen, denn es gab einen Treffer in der DKMS-Datenbank. Doch dann traten zwei Glücksfälle ein: zum einen wurde eine noch besser geeignete Spendeperson gefunden und ich durfte das Erlebnis „Stammzellenspende“ vorüberziehen lassen, zum anderen wurde bei meinen Voruntersuchungen ein wirklich eklatanter Vitamin-D-Mangel festgestellt. Der Mangel ist noch nicht der Glücksfall, die darauf folgende Behandlung desselben hingegen schon, denn nach ein paar Wochen merkte ich einen deutlichen Energieschub, der noch immer anhält.

Angesichts der Viel-zu-viel-Situation versuchte ich, abzubremsen, doch nun ergab sich eine berufliche Konstellation, in der kein Abbremsen möglich war und bis jetzt nicht ist. Wir werden das gründlich aufräumen, die Vereinbarungen dazu sind getroffen, die Wege benannt und die Mittel bereitgestellt, bis zur Umsetzung wird es aber natürlich noch ein wenig dauern. Und so versuche ich aktuell, bis zu meinem Urlaub in der 2. Januarhälfte (den um Weihnachten herum musste ich absagen) ohne Crash durchzukommen. Momentan sieht es gut aus. Doch um diesem Chaos noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, hat es nun Papa N. ins Krankenhaus verschlagen. Auch da sieht es aber glücklicherweise nach etwas mehr Stabilität aus als zunächst angenommen – sowohl bei Papa N als auch bei meiner Krankenhausthematik, die mittlerweile therapeutisch begleitet wird.

In den letzten sechs Jahren saß ich an vier Silvestern an Krankenhausbetten. Ich möchte das nicht mehr, es reicht. Und gleichzeitig habe ich die letzten sechs Silvesters auch morgens auf der Feier mit Schanuf verbracht und abends auf der Feier mit Herzbruchs. So gerahmt lässt sich sehr vieles aushalten.

Den Urlaub – noch 13 Tage, 9 Arbeitstage bis dahin – möchte ich nutzen, um mich gut für alles, was 2026 bringt, gut aufzustellen. Äußerlich durch Ordnung und Vorbereitung – Unterlagen, Steuern, Reparaturen. Innerlich durch Schlaf und Gutgehenlassen.

5. Dezember 2025 – WmdedgT

Ach, sieh an, ich habe zuletzt am 8. gebloggt. Ich hätte geschworen am 5., dabei ist es gar nicht so lange her!

Heute ist WmdedgT – alles dazu wie immer bei Frau Brüllen.

Ich wachte um kurz nach 6 auf, nochmal weiterschlafen lohnte nicht. Es ist viel zu tun im Büro, die Person, die die Finanzen macht, war drei Wochen ausgefallen und ich habe ihre Abwesenheit kompensiert, dadurch sind meine eigentlichen Tätigkeiten im Wesentlichen liegen geblieben. Ich lief zu Fuß zur Bahn, das Fahrrad steht seit einigen Tagen an einer anderen Station, da an der üblichen wegen Weihnachtsmarkt kein Platz ist. Man kann alles mögliche entdecken, wenn man morgens zu Fuß durch einen geschlossenen Weihnachtsmarkt flaniert. Der Reibekuchenstand reibt die Kartoffeln zwar selbst, kauft sie aber in menschenbeingroßen Plastikhülsen eingeschweißt schon vorgeschält ein.

Im Büro zunächst einmal das Übliche: eine Runde durch die Etagen, dann durch die Mails gehen und alles, das sehr schnell geht, erledigten, den Rest terminieren. Schon war es 10 Uhr. Bis 12 Uhr dann größere Themen, am Mittag hatte ich eine Mitarbeiterin zum Essen eingeladen, es ist Zeit der Jahresendgespräche und ihr Bereich läuft seit Jahren entspannt und störungsfrei vor sich hin, so dass wir wenig Kontakt und auch wenig zu besprechen haben. Da bietet es sich an, die Gelegenheit zu einer gemütlichen Stunde bei gutem Essen zu nutzen.

Zurück im Büro eine weitere größere Sache, dann ein weiteres Jahresgespräch, ich bin damit nun bei 3 von 20. Und liege ganz gut in der Zeit. Die ersten drei hatte ich alle als „einfach“ vorhergesehen und das waren sie auch, sozusagen zum Aufwärmen für die, bei denen ich wirklich gut sortiert sein muss.

Danach ließ meine Konzentration sehr nach, die letzten Wochen fordern ihren Tribut und zusätzlich habe ich mir eine Schulterverletzung zugezogen (Unfall im Haushalt, konkret, an der Waschmaschine), die mich zwar nur noch wenig einschränkt, aber wohl noch eine Fehlhaltung bewirkt, denn ich habe sehr häufig einen verspannten Nacken und Schultergürtel, heute hatte ich zusätzlich noch keinen Schal dabei, das war dumm.

Morgens hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, so rechtzeitig aus dem Büro aufzubrechen, dass ich vor der Chorprobe (19:45 Uhr) noch einen Abstecher nach hause machen kann und um die Zielerreichung wahrscheinlicher zu machen, hatte ich die Chornoten gar nicht mitgenommen. Der Plan ging auf. Als ich aus der Bahn stieg, beschloss ich aber, die Chorprobe ausfallen zu lassen. Ich war in dieser Woche jeden einzelnen Abend unterwegs und am letzten Wochenende habe ich Geburtstag gefeiert, also auch nicht wirklich im Sessel gesessen. Wobei mir gar nicht nach sitzen war, sitzen kann ich auch in der Chorprobe. Mir war nach weiterer Bewegung und ich ging statt nach Hause ein wenig spazieren und genoss dabei den Winter: ein Spaziergang ohne jegliche Gefahr, dass mir zu warm wird, da ich keinen Schal hatte, fröstelte ich sogar ganz angenehm ein wenig. Es war dunkel, alles ein wenig weichgezeichnet mit Lichtern hier und da. Es war für mich exakt die richtige Entspannungsmaßnahme, im Winter im Dunkeln durch Innenstadtstraßen zu spazieren. Wobei formal ja noch Herbst ist.

Zu Hause erwartete mich neben Herrn N und einer hungrigen Katze ein kleines Trocknungsgerät im Bad, das eine Fachfirma dort heute Morgen wegen des Wasserschadens von irgendwann neulich aufgestellt hat. Ich erinnere mich nicht mehr, wann das war, es war eine andere Lebensphase mit anderem Wetter. Das Trocknungsgerät stört nicht, die Geräusche sind zu vernachlässigen, sowieso halte ich mich ja nicht so oft im Bad auf. Ich werde mich bis auf das weisungsgemäß tägliche Ausleeren eines kleinen Behälters nicht damit befassen. Irgenwann wird es wieder abgeholt und dann auch schon sehr schnell vergessen sein.

Herrn N hatte ich als Abendessen Kartoffelpufffer (die aus den vorgeschälten Kartoffeln) mitgebracht, mir selbst eine Tüte gebrannte Mandeln. Mit dieser Tüte setzte ich mich in den Sessel, um den Tag ausklingen zu lassen – in der Hoffnung, so auch einen sanften Einstieg ins Wochenende zu finden, bei Vollbremsung nach einem 3-Wochen-Sprint neige ich zu Migräneanfällen. Vielleicht kann ich die auslassen, wenn ich heute schon ein wenig sitze, dann morgen recht früh aufstehe und Dinge tue, und erst gegen Mittag wieder in den Sessel zurückkehre. Sozusagen ein Einschleichen in die Entspannung, ohne dass die Neuronen gleich durchdrehen.

8. November 2025 – Ein Tag für die Katz

Gestern hatte ich einen schlauen Moment, als ich nämlich abends fertiggearbeitet hatte und mir überlegte, dass ich ein komisches Gefühl im Kopf und eine leichte Unsicherheit in Bezug auf räumliche Verhältnisse habe und daher lieber nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehme. Das Schlausein ging leider nicht den ganzen Weg: zwar ließ ich das Rad stehen und nahm ein Uber, allerdings nicht nach Hause sondern direkt zur Chorprobe, die bis 22:30 Uhr ging. Das wäre anders vermutlich besser gewesen.

Ich hatte erst einen Fahrer zugewiesen bekommen, dessen Ankunftszeit dann von 4 Minuten auf bis zu 17 Minuten hochzählte, bis ich die Reißleine zog und umbuchte. Zum neuen Fahrer sagte ich nebenher, dass wohl um den Bahnhof herum sehr viel los sei und er besser eine andere Strecke nähme, der Fahrer vermutete dann allerdings, der andere Kollege habe die Fahrt nicht machen wollen und daher „Stau gespielt“, das würde man manchmal tun, um Fahrten nicht ausführen zu müssen, ohne dass der Chef denkt man sei faul.

„Auch egal, jetzt sitze ich ja hier und wir fahren, ich wünsche dem Kollegen einfach alles Gute!“, sagte ich und der Fahrer sagte „Man merkt, dass Sie ein gläubiger Mensch sind!“ Kurz war ich irritiert. Dann fiel mir ein, dass mein Fahrziel ja eine Kirche war. Ich beschloss, die Situation unaufgeklärt zu lassen. Ich bin schon schlimmeres genannt worden als „gläubiger Mensch“. Die Fahrt über versuchte ich mich in meine Rolle einzufühlen: ein gläubiger und auch vergebungsvoller Mensch, gegen 19:45 Uhr vom Büro aus unterwegs in eine Kirche, um dort ein Abendgebet zu sprechen. Es fühlte sich ruhig und kontrolliert an, wie eine Person, die weiß was sie tut und warum. Sehr schön. Am Zielort sang ich Arvo Pärt statt zu beten und selbst das war nicht kontrolliert, denn eigentlich hatte ich aufgrund der Stimmsituation nach Schnupfen nur zuhören und passiv lernen wollen, nicht singen. Aber das hatte ich vergessen. Wie gesagt, die Schlauheit reichte nicht den ganzen Weg.

Zu Hause reichte Herr N mir Abendessen an doch ich schlief dabei ein – im Sessel mit Teller auf dem Schoß, so dass er mich wachrüttelte und ins Bett schickte. Heute morgen um 4 wachte ich dann mit einem ausgewachsenen Migräneanfall auf, nahm Schmerzmittel, schlief weiter, wachte zu einer ganz leichten Besserung gegen 10 Uhr wieder auf, nahm Lebensmittel- und Frühstückslieferung entgegen und verbrachte eine Stunde wach im Sessel, bevor ich wieder einschlief, um 14 Uhr erneut aufwachte und dann endlich Triptan einzunehmen.

Dann war mir zwei Stunden schwindlig,also irgendwie ein Tag für die Katz, die es genoss, dass ich so viel im Sessel saß und sie neben mir schlafen konnte. Alles, was ich für heute geplant hatte, blieb liegen: Betten neu beziehen, die ganze Wäsche waschen, Katzenbrunnengrundreinigung, Küchenschränke obendrauf wischen, zwei große Pakete auspacken und verräumen, und diverser Papierkram, den ein Haushalt so abwirft. Weder wollte der Körper sich über Zeitlupentempo hinaus bewegen, noch war der Verstand bereit für irgendeine kognitive Performance.

So beschloss ich, einen ausgedehnten Spaziergang zu machen und das Fahrrad abzuholen. Dabei kam ich an diversen Läden vorbei, die sich für Einkäufe von Adventskalendermaterial für M und meine Schwester eigneten. Für M habe ich jetzt alles für 26 Türchen beisammen (ich habe mich nämlich verzählt, wie gesagt, kognitive Performance schwierig) und für meine Schwester immerhin 9 Türchen.

Woran ich auch vorbeikam: ein Mann, der mich gleich an der ersten Straßenecke – also noch in Offenbach – ansprach: ich sähe so aus, als wüsste ich über alles Bescheid. Ob ich ihm sagen könnte, wie lange in Frankfurt auf der Zeil die Kaufhäuser geöffnet seien, er müsse für eine Feier morgen noch eine Hose kaufen und fragte sich, ob es noch lohne, loszufahren (es war 17 Uhr). Ich konnte ihm sagen, dass er bis mindestens 20 Uhr noch fündig werden kann, erwartete dann eigentlich ein Umschwenken des Gesprächs auf irgendein abseitiges Thema, doch das geschah nicht. Der Mann bedankte sich und ging Richtung S-Bahn.

Jetzt sitze ich schon wieder im Sessel. Die Katze findet es gut.