17. April 2026 – 5. Arbeitstag vor Urlaub

Am Vormittag 4 Stunden Mietvertragsverhandlungen. Wir sind ein Stück weiter, aber auch erst maximal auf der Hälfte des Weges würde ich sagen.

Mittags kündigte ich den bevorstehenden Urlaub büroweit an und begann, ein paar Abläufe in die richtigen Bahnen für meine Abwesenheit zu lenken.

Nachmittags war Zeugs. Zwei Verträge machen, ein paar Leute anrufen und Dinge besprechen, Fragen stellen und Fragen beantworten, was man so macht.

Dann eine Idee, die das eine große Projekt einfach mal 1,5 Jahre vorziehen würde. Finde ich super, mal sehen, ob das klappt. Wenn ja werde ich eine Zeit lang unendlich genervt sein, weil alle, die ich dazu brauche, über die Änderung des Zeitplans jammern. Da muss ich mir vorher was ausdenken, entweder wegen des Jammerns oder wegen des Genervtseins, mal sehen, wozu mir eher etwas einfällt.

Sehr schön war der Heimweg per Rad. Ich fahre momentan nämlich immer mal andere Wege, das begann, weil auf dem kürzesten Weg eine sehr unangenehme Kurve ist. Da fährt man erst längere Zeit ein wenig bergauf und muss dann mit dem Radweg an einer großen und sehr belebten Kreuzung eine Rechtskurve nehmen, die aber so eng ist, dass man eigentlich absteigen muss, das Rad hochheben und um 90 Grad drehen und dann weiterfahren. Das machte man natürlich in der Regel nicht, man fährt einen weiteren Bogen. Das ist, wenn die Ampel grün ist, wegen der Leute, die zu Fuß gehen, nicht möglich. Und wenn die Ampel rot ist, ist es ja erstens verboten und geht zweitens auch wegen der Autos nicht. Man macht es also „irgendwie, wie es gerade passt“ und meistens passt es nicht so ganz. Und danach geht es nochmal ein Stück eine Brücke hoch.

Weil kürzlich Eichensprozessionsspinnermaßnahmen (glaube ich) zu einer Sperrung eines Uferabschnitts führten, fuhr ich über eine andere Brücke und das war viel besser. Bei der nächsten Fahrt wollte ich das wieder tun, nahm aber eine Brücke zu früh und das war wieder schlecht, wegen Trambahnschienen. Heute nahm ich absichtlich noch eine frühere Brücke, um mal zu schauen. Das war erst sehr gut und dann sehr schlecht, der Weg führte mich nämlich direkt über die Zeil und da sind morgens unendlich viele Lieferfahrzeuge.

Auf dem Rückweg fuhr ich heute auch anders, weil im Sommer so viele Leute sinnlos am Flussufer herumlatschen und mir im Weg sind. Der neue Weg war erst ganz wunderbar, dann traf ich eine falsche Entscheidung und er wurde etwas blöd. Ich werde das weiter austüfteln, der Sommer beginnt ja erst und sowieso werde ich im Sommer neu austüfteln müssen, denn dann ist natürlich Schatten unterwegs besonders wichtig.

Übrigens stießen heute vor mir ein Rollerfahrer und ein E-Bike-Rennfahrer zusammen. Es sah wild aus. Beide standen auf und posteten als erstes ihre Verletzungen auf Instagram. Daher fuhr ich weiter in der Annahme, dass sie ohne meine Hilfe zurechtkommen. Mit Instagram kenne ich mich sowieso auch nicht so richtig aus, ich habe heute da Nachrichten von vor 4 Wochen entdeckt.

16. April 2026 – 6. Arbeitstag vor Urlaub

Am sechstletzten Arbeitstag vor dem Urlaub sah es für einen kleinen Moment so aus, als würde ich doch noch die Contenance verlieren. Aber ich konnte den kleinen Moment zwischen Reiz und Reaktion, der uns Freiheit gibt – im Wesentlichen natürlich Freiheit von uns selbst – noch ein wenig ausdehnen und dann noch ein bisschen und dann hatte ich den Impuls wieder unter Kontrolle.

Morgens war der Architekt da und dann der Vermieter und alles dauerte viel länger als geplant, dadurch verpasste ich den verabredeten Anruf vom Möbelhändler, der mir skizzieren wollte (bzw. sollte), wie die Logistik funktioniert je nachdem, ob die Rechnungsstellung für eine Möbellieferung aus der Schweiz in die USA an eine deutsche oder an eine amerikanische Rechnungsadresse erfolgt bzw. wie es bei einer Zwischenvariante mit Weiterverkauf von D nach USA aussieht, also die Knackpunkte EU-Umsatzsteuer und unsere Rolle im Importprozess.

Und dann waren noch drei Verträge zu unterzeichnen, die ich vorher lesen musste, weil ich leider noch mit keiner Person zusammenarbeite, bei der ich blind unterzeichnen kann. Im Gegensatz zu meinem Chef, der Glückliche.

Dann war Mittag und ein Willkommenslunch. Ich hätte mich gerne unterhalten lassen doch so ging es sich nicht aus und ich musste für den Gesprächsfluss sorgen. Ächz.

Am Nachmittag ein kleines Pasta-Tief, das ich mit der Beschäftigung mit Zahlen (Gehaltsabrechnung) überwand. Und damit, mittlerweile routiniert Unterstützung abzulehnen, bei Fragen nämlich, die auch jemand anders beantworten kann. Das gehört zur Urlaubsvorbereitung. Es muss (wieder) eingeübt werden, andere Personen als mich zu fragen, denn es handelte sich sämtlich um Themen, mit denen ich gar nichts zu tun habe, bei denen zwischen zwei Personen keine ordentliche Absprache stattfand und nun eine von beiden erhoffte, diese Absprache statt dessen mit mir treffen zu können. Alles keine dramatischen Themen, nichts wird wirklich schief gehen, es ist nur (möglicherweise) unangenehm für die Fragenden, dass sie die Aufgabe nicht erledigen können, ohne nochmal zurück ins Gespräch zu gehen. Vielleicht auch erst morgen, weil die betreffende Person nicht mehr erreichbar ist. Ich will die Unannehmlichkeit nicht ersparen, denn ich halte sie für wichtig.

Auf dem Heimweg kurzer Stopp zum Tulpenkauf, dann zunächst einmal im Sessel eine Runde eingeschlafen. Die kleien Katze und Herr N schliefen auch, es war sehr harmonisch.

15. April 2026 – 7. Arbeitstag vor Urlaub

Alle Pläne für heute scheiterten, denn ein ganzes Team wurde von „Magendarm“ dahingerafft. Fast ein ganzes Team. Last Woman Standing ist „Neue Mitarbeiterin 2“. Da sie ja am Anfang des Monats krank war, war heute gerade erst ihre erste Arbeitswoche um, so dass ich etwas Hemmungen hatte, sie gleich ein ganzes Team vertreten zu lassen. Ich setzte mich also zu ihr – nachdem ich alle Türklinken und sonstige Touchpoints desinfiziert hatte.

Wir hatten dann viel Spaß und einen recht wilden, aber auch zufriedenstellenden Tag. Ich war bei vielen ihrer Fragen zu Arbeitsabläufen überrascht, dass ihre dazu noch niemand eine unkomplizierte Lösung verraten hatte. Sie war überrascht, wie viel ich telefoniere.

Am Vormittag hatte ich noch zwei Termine, der erste war mit einem Versicherungsmakler, den ich einbestellt hatte, weil mir die Versicherung an einem einzigen Tag über 60 Briefumschläge mit insgesamt mehr als 20 cm Post zugestellt hatte. Das möchte ich nicht und hatte keinerlei Absicht, das alles durchzulesen und zu sortieren, das hatte ich dem Makler – telefonisch natürlich! – mitgeteilt und dass er dafür eine Lösung finden möge. Seine Lösung war, dass er vorbeikommt und das alles durchsieht und sortiert und eine Zusammenstellung macht. Was ich für eine hervorragende Idee halte, denn niemand hier wird 60 Rechnungen/Gutschriften für einen einzigen Sachverhalt bearbeiten.

Das Treffen war mittelmäßig erfolgreich, was nicht am Makler lag und nicht an meiner Unterstützung durch zur Verfügung stellen von Textmarkern, Büroklammern und Kaffee. Es lag daran, dass noch ungefähr ein Drittel der zugehörigen Unterlagen fehlte, also nochmal 20 Briefe. Der Makler wird sich kümmern, dass ich nicht weiter behelligt werde.

Der zweite Termin war ein Vortrag zu Transaktionen im Verteidigungssektor, das war sehr, sehr interessant.

Am Abend ging ich schwimmen. Es war ein hervorragendes Schwimmerlebnis. Zunächst schwamm ich ohne die Kurzflossen, das war schon supergeschmeidig und als ich dann nicht mehr so viel Lust hatte, nahm ich die Flossen dazu und hatte das Gefühl, durch das Becken zu fliegen.

14. April 2026 – 8. Arbeitstag vor dem Urlaub

Ein sehr ruhiger Tag. Wir mussten uns alle noch von gestern erholen.

Bei mir kam nichts so richtig in Fluss. Die erste Tageshälfte ging, dann war mir zu warm, ich war hungrig und würde sehr, sehr müde. Also brach ich am späteren MIttag zu einem Spaziergang auf, der jedoch auch nichts besser machte. Ab 16 Uhr war ich damit befasst, „gleich zu gehen“. Es ist gar nicht so einfach, die Sachen zusammenzuräumen und alle Programme zuschließen, wenn man unkonzentriert ist, ständig beginnt man doch wieder etwas, verfranst sic hier und verzettelt sich dort, dann ruft wieder jemand an oder es kommt eine Mail und man kann ja nochmal kurz. Und so weiter. Gegen 18 Uhr schaffte ich es, das Büro zu verlassen.

Der Heimweg weckte mich auch nicht auf. Die erste Hälfte legte ich mit der Bahn zurück, die zweite mit dem Rad, dabei suchte ich noch drei Geschäfte auf für dringend benötigte Sachen, nämlich zum einen Bargeld (für Papa N), zum zweiten Leckerli (für die Katze) und drittens Tulpen, für mich, die gab es aber nicht mehr bzw. nur noch in einem Entwicklungsstatium, in dem der Kauf nicht mehr lohnend ist.

Neben immer noch viel Müdigkeit stellten sich auf dem Rückweg Ganzkörperschmerzen ein. Dieses Symptomatik habe ich auf meinem Notizzettel unter „Migräne!“ vermerkt. Es fühlt sich aber kein bisschen nach Migräne an. Es fühlt sich auch nicht nach Magendarm an, das im Büro umgeht (4 Betroffene) und auch nicht nach grippalem Infekt, der ebenfalls im Büro umgeht (3 Betroffene). Es fühlt sich an wie Müdigkeit und Schmerzen nach einem körperlich sehr anstrengenden Tag. Den hatte ich aber keineswegs, ich hatte einen reinen Rumsitztag. Und immer, wenn ich überlege, was mir jetzt wirklich gut tun würde, dann ist das nicht etwa Bett oder heiße Dusche oder sowas, sondern: schwimmem.

Ich bin gespannt, was daraus wird. Schwimmen gehen werde ich morgen.

13. April 2026 – 9. Arbeitstag vor Urlaub

Am 9. Arbeitstag vor dem Urlaub dachte ich morgens, achja, es löst sich alles gut auf, ich werde in den nächsten Tagen alle mittleren Themen abschließen und alle großen Themen in die richtige Richtung schubsen und alle kleinen Themen umleiten, alles sehr entspannt. Und ging mit Fragmente zum Lunch.

Als ich zurückkehrte, ging es jemandem nicht gut, die Person wollte sich ein wenig hinlegen und dachte dann – wohl weil es ihr ja nicht gut ging – auch wirklich nicht gut nach, schloss die Tür von innen ab und ließ den Schlüssel stecken. Als die beauftragte Person eine halbe Stunde später die Lage evaluieren wollte, fiel das auf. Auf Anrufe, Rufen und Klopfen (später: gegen die Tür hämmern) keine Reaktion. Also wurde ich involviert und beschloss Dinge, es wurde erst sehr hektisch und dann sehr laut und dann sehr professionell. Dann war alles unter Kontrolle. „So lernt man sich kennen“, sagte die neue Mitarbeiterin, die zum Kreise der unmittelbar Involvierten gehörte. Sie sah nicht abgeschreckt aus.

Viel mehr war dann nicht. Nach so einer Aktion funktioniert mein Gehirn nicht zum Abarbeiten mittlerer und kleiner Themen, das muss ich hinnehmen und habe auch Verständnis dafür. Wir saße also zusammen, tranken Kaffee und freuten uns, als der benachrichtigte Notfallkontakt aus dem Krankenhaus berichtete, dass die Situation stabil ist und nichts dagegen spricht, dass sich alles wieder zum Guten wendet.

So ist es auch hier bei einem kleinen Abenteuer geblieben. Ich schätze das sehr. Wie gesagt, nur kleine Abenteuer dieses Jahr!

Ich fuhr Uber nach Hause, weil ich mir nicht vorstellen konnte, noch mehr Zeit unter vielen Menschen (also in der Bahn) zu verbringen, erwischte allerdings einen Fahrer, der noch bevor ich angeschnallt war „Und, wie geht es dir?“ fragte. Mein Gehirn war überfordert, die Situation einzuordnen, also fragte ich nach ob jetzt einfach eine gesellschaftliche Konvention erwünscht sei oder ein längeres Gespräch, woraufhin der Fahrer anbot, Musik anzumachen. Er schaltete spanischen Rap ein, Morad, das hatte ich neulich schonmal, da hatte ich den Fahrer gefragt, ob er spanisch spricht, worauf er antwortete, er käme aus Afghanistan. Der Fahrer heute kam aus Osnabrück, also frage ich, ob er eventuell Struwen kennt (ok, Osnabrück ist schon Niedersachsen aber ja doch noch recht nah an Münster dran), kannte er aber nicht. Er sei wegen der Arbeit hier, sagte er, man habe ihm das Angebot gemacht und es würde ihm in Frankfurt besser gefallen als in Osnabrück, er würde vermutlich bleiben. Spanisch spricht auch er nicht.

12. April 2026

Die ersten paar Taschen sind ausgepackt. Eine enthielt Haushaltsverbrauchsgegenstände wie Gefrierbeutel, Backpapier, Müllbeutel. Das kann man ja weiterverwenden. Die weiterne beiden enthielten Geschirr, das nun gerade durch die Spülmaschine läuft und Geschirrtücher, die durch die Waschmaschine liefen. Irgendwo zwischendrin bog ich falsch ab und sortierte meinen Kleiderschrank aus, obwohl ich von Papa N gar keine Kleidung übernommen habe. Nein, das stimmt nicht. Ich habe einen Wollmantel in Fischgrät aus den 50ern übernommen. Der wurde aber nur ausgepackt und an eine Kleiderstange gehängt, bei Gelegenheit wird er in die Reinigung gehen. Er ist von Papa N und steht mir hervorragend.

Jedenfalls, der Kleiderschrank. Es hatten sich ein paar Kleidungsstücke in den unteren Enden der Stapel verstetigt, so, wie es halt passiert, wenn man es jeweils wieder zurücklegt und doch lieber zu einem anderen Kleidungsstück greift. Teilweise hatte sich entweder die Kleidung oder mein Körper verformt, jedenfalls passte es nicht mehr zusammen, insbesondere stellte ich vermehrt unangemessen angewachsene Ausschnitte und bei Hosen Schlackern hinten an den Oberschenkeln fest, beides nicht kleidsam. Die allermeisten Shirts mit Muster mussten auch gehen. Ich bin da irgendwann in den letzten Jahren mal einem Irrtum unterlegen. Und es gab ein Problem mit der Farbe blau: eine Serie an blauen Shirts hatte sich über einige Wäschen hinweg in ein strahlendes royalblau verwandelt, was mir leider gar nicht steht und auch nicht zum Rest der Garderobe passt, ich brauche geämpftes Blau. Ich hatte mich an einer Umfärbung versucht, nur um damit bei einem kalten blaulila zu landen, was ebensowenig geht. Und natürlich der Jeans-Gamechanger: nachdem ich mich mühsam an Skinny-Jeans gewöhnt hatte, gibt es jetzt wieder Bootcut und damit wirklich keinerlei Anlass, die mitterweile recht ausgeblichenen schwarzen Skinny-Jeans nochmal nachzufärben. Halleluja. Kein Clownsfüßealarm mehr!

Mehr geschah nicht, denn einen Mittagsschlaf gab es auch noch, das lag am Gesangslehrer, der mir einen Link zu seinem neuen Podcast geschickt hatte. Der Link führte zu meiner Verwirrung zu einem Video, und während ich darüber nachdachte, wo genau die Linien zwischen Podcast, Interview, Talkshow etc verlaufen, war ich auch schon eingeschlafen. So wie immer bei Podcasts, außer ich sitze im Auto, dann rege ich mich auf, oder außer die Stimmen sind unangenehm. Es ist also eigentlich ein Qualitätsmerkmal, wenn ich beim Podcast einschlafe.

11. April 2026

Heute habe ich mal was ganz anderes gemacht. Man möchte sich schließlich nicht mit repetitiven Tätigkeiten langweilen. Heute habe ich mich daher von 6 Uhr bis 23 im weitesten Sinne damit befasst, dass Dinge aus Papa Ns Wohnung zu M, zu meiner Schwester und zu mir gelangen.

Zu diesem Zweck holte ich morgens zwei Freunde von M ab und fuhr mit ihnen im Auto zu einer Autobahnraststätte, wo wir uns mit M und drei weiteren Personen trafen. Es gab Kaffee und Snacks. Wir wechselten die Autobesetzungen und fuhren 250 km. Es gab mehr Snacks. Dann wurden Dinge in einen der beiden PKW gepackt, während M mit Begleitung einen Transporter bei einem Autovermieter abholte. Dort hinein wurde schließlich alles andere geladen, das mitsollte. Dann gab es erst einmal Pizza.

Anschließend wurde der PKW mit den Sachen drin zu meiner Schwester gefahren, dort Dinge in den Keller und in die Wohnung geräumt und andere Dinge aus dem Keller in den PKW geräumt. Es gab nun Eis.

Wir fuhren nun mit drei Fahrzeugen 250 km zurück, ich musste zwischendrin ein 15-Minuten-Schläfchen an einem Rasthof machen. Bei mir zu Hause trafen wir wieder zusammen, 1/3 der Dinge aus dem Transporter wurden hier in die Wohnung gebracht. Dann fuhren wir nochmal 40 Minuten zu Ms Wohnung, der Rest der Dinge wurde dorthin gebracht.

Der Transporter wurde zurückgebracht, dann noch die beiden PKW ausgeladen, einen davon fuhr ich dann wieder nach Hause. Während ich das aufschreibe, habe ich mich kurz erschreckt, dass ich offensichtlich zwei Personen unterwegs vergessen habe. Doch dann erinnerte ich mich sofort, dass sie morgens gesagt hatten, das sie nicht mit zurückfahren. Ich habe auch nur eine Nachricht bekommen, dass nochmal für alle Essen bestellt wurde.

Jetzt sitze ich im Sessel und bin sehr, sehr, sehr müde. Und freue mich auf morgen, da werde ich die „Beute“ auspacken und in meinen Haushalt integrieren!

10. April 2026 – 10. Arbeitstag vor Urlaub

An irgendeiner Stelle habe ich mich verzählt, es waren nämlich nur noch 10 Arbeitstage. Das ist gut, denn ich zerbrösele so langsam.

Mit der neuen Assistentin läuft es gut, ich glaube, sie hat Spaß an ihrem Aufgabentortenstück.

Ich hatte heute auch Spaß an einer Aufgabe. Ich hatte sie länger aufgeschoben, da sie Vertiefung erfordert (also außer, man nimmt sich mehrere Tage halbherzig Zeit, das würde auch gehen, das kann ich aber nicht) und für Vertiefung war bisher keine Zeit. Heute aber. Gegen 11:30 begann ich, und als ich das erste Mal aus dem Tunnel wieder auftauchte, weil ich im Prinzip fertig war, war es kurz vor 17 Uhr. Und ich hatte noch gar nichts gegessen. Superdumm.

Am Liebsten hätte ich gleich noch eine weitere Sache angefangen, für die ebenfalls längere Vertiefung notwendig ist. Das wäre um 17 Uhr noch dümmer gewesen. Aber halt auch so schön! Ich war hin- und hergerissen, letztendlich entschied der Computer für mich, der ausgerechnet in diesem Moment ein Update mit Neustart einforderte.

Ich bereitet mir einen großen Capuccino zu und fühlte mich dann ausreichend gestärkt, um per Rad nach Hause zu fahren. Es ist verblüffend. Ich erinnere mich an Jahre – oder an Zeiten – in denen ich den Weg als milde bis etwas anstrengend empfand. Derzeit ist es, als würde ich fliegen, ich bin bei Ankunft kein bisschen erschöpft und gleichzeitig auch nicht so energetisiert wie bei vielen anderen Tätigkeiten, das kippt bei mir ja schnell mal. Ich bin einfach nur entspannt, so als hätte ich eine Weile geschlafen. Wo im vorletzten Jahr nochmal am Abend die Beine steif wurden oder im letzten Jahr beim Fahren die Handgelenke kribbelten, ist jetzt einfach: nix. Bei gleichem Fahrrad. Ob das alles vom Schwimmen kommt?

Auf dem Heimweg gingen mir Gedanken durch den Kopf. Warum es mir zum Beispiel freitags nochmal besonders leicht fällt, auf Mails, die ich – weil sie nerven – länger liegen gelassen habe, zu reagieren. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Ansprüche sinken. Wo ich zum Anfang der Woche noch denke, dass mir im weiteren Verlauf des Lebesns vielleicht eine harmoniefähigere Formulierung einfallen könnte oder eine grundsätzlich andere, konsensfähigere Idee, glaube ich am Ende der Woche daran nicht mehr und möchte den Vorgang nur um Himmels Willen nicht am Montag immer noch bei mir vorfinden. Also weg damit, so, wie es eben gerade aus den Finger kommt. Freitagnachmittagmails von mir sind also in der Regel eher ungeschönt, was sie – das habe ich auch schon beobachtet – nicht unbedingt weniger wirkungsvoll macht. Ich werde zukünftigt auch ab und an mal dienstags oder mittwochs versuchen, meine Freitagnachmittagpersona hervorzulocken.

Auch fragte ich mich auf dem Heimweg, warum ich mich – also in diesem Moment gefühlt – privat seit 2018 eigentlich immer bei so gut wie allen Themen tendenziell sorge, beruflich hingegen so gut wie nie irgendeine Art von innerem Alarm verspüre. Meine erste spontane innere Antwort ist, dass mir eben die privaten Themen wichtiger sind als die beruflichen und ich gleichzeitig stärker auf inneren Druck als auf äußeren reagiere. Was ich daraus mache, weiß ich noch nicht.

Zu Hause wurden Möhren karamellisiert. Ich liebe karamellisierte Möhren.

9. April 2026 – 12. Arbeitstag vor Urlaub

Mein erster ausgehender Anruf des Tages ging gleich morgens an Hausverwaltung und Vermieter des Büroturms. Das war so, weil meine vier letzten Eingehenden Anrufe vom Sicherheitsleitstand kamen um irgendwas mit 0 Uhr, 2 Uhr, 4 Uhr und 5 Uhr. Wir haben alle großes Glück, dass ich einen gesegneten Schlaf habe und nach so einem Anruf in wenigen Minuten wieder tief und fest schlafe. Ansonsten läge die Welt heute in Schutt und Asche. Unfassbar genervt war ich trotzdem, zumal der Anrufer sich noch bizarre Gründe herbeiformulierte.

Es ist so, dass die Türen im Turm seit Monaten nicht korrekt schließen. Meiner Ansicht nach liegt das zum einen an zahlreichen Baustellen in anderen Etagen, in denen Türen aufgekeilt werden (Verstoß gegen die Brandschutzordnung) und zum anderen an versäumter Pflege von Türschließern, Dichtungen etc. Laut Auskunft der Hausverwaltung können das keinesfalls die Gründe für das anhaltende Problem sein, was die wirklichen Gründe sind, ist jedoch unbekannt.

Ich verlangte jedenfalls bei meinem ausgehenden Anruf des Tages, dass das Problem jetzt sofort ohne weitere Verzögerung gelöst werden muss bzw. alternativ vor jeder Tür eine Wachperson stehen muss, die sie immer, wenn jemand durchgegangen ist, fest zuzieht. Das ist für mich auch okay. Wenn ich heute Nacht wieder einen Anruf (oder mehrere) bekommen sollte, ließ ich wissen, würden wir morgen wieder sprechen und dann ganz sicher nicht so freundlich wie heute. Wobei es natürlich nicht die Lösung ist, dass mich einfach niemand mehr anruft bei einem Sicherheitsvorfall. Die Lösung ist, dass keiner passiert.

Ich bin gespannt!

Die neue Mitarbeiterin, die Torte und alkoholfreien Sekt mitbrachte, sagte heute, sie würde gerne mal zum Karaoke gehen. Ob irgendwann die versteckte Kamera um die Ecke kommt?

Eine andere Mitarbeiterin rief mich an, um sich zu beklagen, dass andere so viele Tippfehler machen die sie dann ausräumen muss. Ich empfahl ihr, mit diesen Personen zu sprechen statt mir mir. Das tat sie wohl, denn etwas später riefen mich Personen an, die sich gekränkt fühlten, weil man ihnen gesagt habe, sie sollten auf ihre Orthografie achten. Ächz. Dann gab es noch einen Anruf einer Mitarbeiterin die sagte, der Handwerker (der an den Türen schraubte) würde gar nicht gut riechen, es sei außerordentlich belastend und wie sie damit umgehen solle. Hier konnte ich wieder meinen bewährten Satz „Ich habe darauf keine Antwort“ sagen.

Am Abend war ich ermattet, ließ das Rad stehen und fuhr mit der Bahn nach Hause. Unterwegs wurde ich etwas schüttelfrostig, zu Hause nach einem halben Liter Wasser und mit einer Wärmflasche im Rücken war aber alles wieder bestens, so dass ich mit Herrn N noch den neuen Balkontisch zusammenbaute und am Geländer befestigte. Es fehlten zwei kleine Muttern. Die fand ich aber in der Dose mit Eisenwaren, die Papa N mir zum Auszug geschenkt hatte. Ich war sehr froh und beschloss in diesem Moment, aus Papa Ns Keller, den wir nächstes Wochenende ausräumen werden, entgegen meiner bisherigen Absicht nun doch alle Dosen mit Nägeln, Schrauben, Muttern, Dübeln etc mitzunehmen. Ich werde mein ganzes, hoffentlich noch langes Leben, dann so etwas nicht mehr einkaufen müssen. Und M vermutlich auch nicht.

8. April 2026 – 13. Arbeitstag vor Urlaub

Der Vormittag war von Nasenbluten geprägt, am Mittag kam Migräne hinzu. Die meiste Zeit lag ich im Büro irgendwo herum – also nicht im Gang oder so, auf dem einen oder auf dem anderen Sofa und später, weil mir die ständigen Fragen nach meinem Befinden auf die Nerven gingen, in meinem eigenen Raum auf dem Fußboden, und wartete, dass Mittel wirkten. Ich dachte, ich könne nicht nach Hause fahren weil ich mit dem Auto dort war. Ich war auch wirklich nicht fahrtauglich, doch hätte ich das Auto natürlich stehen lassen können und per Bahn oder Uber nach Hause fahren, auf diese Idee kam ich aber nicht. Das ist das Problem, wenn die zentrale Steuereinheit betroffen ist. Sie kann dann keine Lösungen mehr finden, die zu ihrer zeitnahen Wiederherstellung führen.

Gegen 18 Uhr wirkte endlich alles und ich war wieder fit, also fuhr ich ins Schwimmbad. Erstmalig hatte ich heute beim Kraulschimmen das Gefühl, dass es ohne Kurzflossen doch ein bisschen schöner ist als mit. Zwar ist die Gleitphase mit den Kurzflossen natürlich super, doch es ist halt dann immer was am Fuß und das Wasser gleitet nicht um die Zehen. Ich habe den Bewegungsablauf mittlerweile so verinnerlicht, dass ich auch ohne die Flossen eine gute Wasserlage und Gleitphase habe. Also schwamm ich erst eine halbe Stunde ohne Flossen, dann ein paar Bahnen mit und dann für den Abschluss nochmal ein paar Bahnen ohne.

In der Umkleidekabine war dann eine unfreundliche Frau. Normalerweise sind da alle Frauen immer sehr nett, wir grüßen uns, wünschen schönes Schwimmen oder schönen Abend oder was auch immer, machen uns Platz an den Schränken oder im Vorbeigehen und helfen uns mit Creme, Haarentwirrspray und so weiter aus. Wenn verschiedene Menschen sich auf relativ beengtem Raum mit wenig Abstellfläche halbnackt und häufig nass auf rutschigem Boden begegnen, halte ich die freundliche Haltung generell für eine vorausschauende Wahl.

Die unfreundliche Frau schien das anders zu sehen. Sie machte zu allem Möglichen Geräusche. Einer anderen viel etwas herunter, sie seufzte genervt. Jemand musste vorbei, sie schnalzte angestrengt mit der Zunge. Eine weitere hatte ihre Haarbürste vergessen und fragte, ob jemand ausreichend unempfindlich wäre, ihr mit der eigenen auszuhelfen, sie murmelte „man muss halte seinen Kopf auch mal anstrengen“. Darüber musste ich sehr lachen, verlor dabei (ich zog gerade einen Socken hat) ein wenig das Gleichgewicht und warf ein paar Dinge von der schmalen Bank, was die unfreundliche Frau zu weiterem abschätzigen Grunzen bewog. Dabei beließen wir es.

Vielleicht übte die Frau auch. Es gibt diesen Rat, sich in schwierigen Gesprächen oder Prüfungen vorzustellen, das Gegenüber sei nackt. Ich habe nie verstanden, weshalb das beruhigen sollte; es erzeugt vor allem eine neue Form der Irritation, und zwar bei einem selbst. In meinem Umfeld kursierte eine andere Variante: sich selbst unerwartet nackt denken und prüfen, ob die eigene Rede dann noch sitzt. Wenn ja, ist sie belastbar. Es könnte sein, dass die unfreundliche Frau überprüfte, ob sie in einem Haufen halbnackter freundlicher Frauen unbeirrt bei ihrer Haltung bleiben kann. Für größere Aufgaben. Weltherrschaft oder so.

Morgen werde ich keinerlei Migräne haben, das spüre ich bereits und ich werde heute Nacht sehr gut schlafen, das weiß ich auch schon. Auf beides freue ich mich!