Juli 2023

Zu-Hause-Urlaub Tag 1

Jaja, der Urlaub geht noch weiter. Wir haben einen zweiten Sessel ins Wohnzimmer geholt, aus Ms Zimmer, damit wir alle gemeinsam die 2. Staffel von Good Omens schauen können. Zwar haben wir auch ein Sofa. Aber wir sind ja 5. Neben Herrn N. auf dem Sofa sitzt auf jeder Seite eine Katze. Und M und ich sitzen dann jetzt jeweils in einem Sesse.

Wegen verschiedener Verpflichtungen haben wir heute aber nur zwei Folgen geschafft. Dabei war ich schon um 7 Uhr aus dem Haus, um das Auto umzuparken. Als der Wecker klingelte, dachte ich, ich müsse sterben, aber schon nach 15 Minuten fand ich es ganz schön, früh wach zu sein und viel vom Tag zu haben. Ich habe ja unglaublich gerne einen langen, vollen Tag. Gleichzeitig schlafe ich aber auch unglaublich gerne. Ich kann mich da nie so richtig entscheiden, was aber ja nicht schlimm ist, denn ich finde ja beides gut.

Heute Nacht werde ich dann auch noch in einem frisch bezogenen Bett schlafen, das aber – man kennt diese Vorgänge aus dem Internet – leider zum jetzigen Zeitpunkt zwar abgezogen, aber noch nicht wieder neu bezogen ist. Ich schwöre, es handelt sich hierbei nicht um einen Fall von Prokrastination, ich bin ja überhaupt kein Mensch, der prokrastiniert, im Gegenteil, ich bin eine Person, die man ausbremsen muss. Beim Bettenbeziehen ist das so: ich ziehe die alten Laken ab und habe – wirklich! – unbändige Lust, sofort die neuen Laken aufzuziehen, damit alles schön und frisch ist. Aber es gehört ja zum guten Stil beim Bettenbeziehen, die Bettwäsche bei weit geöffnetem Fenster auslüften zu lassen. Während das geschieht werde ich vom Strudel des Tages hinweggerissen und erinnere mich zwar immer mal kurz wieder an das Bett, mache dann aber immer gerade etwas anderes, so wie ich mich beispielsweise gerade jetzt erinnert habe, aber jetzt blogge ich ja.

Ansonsten habe ich heute den Tag über sehr viel Wäsche gewaschen und die Wohnung ausgeräumt, also: das ganze Gepäck wieder verräumt. Ich liebe das, wenn die Bedingungen stimmen. Urlaubsgepäck verräumen ist dabei eine besonders dankbare Aufgabe, es besteht in der Regel hauptsächlich aus Dingen, die schon vorher im Haushalt waren und einen festen Platz haben. Einkäufe oder gar Geburtstagsgeschenke sind schwieriger. Am besten ist es aber, wenn niemand sonst in der Wohnung ist, weil mir sonst immer wer im Weg steht oder mich am Ende auch noch anspricht, was ich nicht will, denn mein Ordnungsverfahren ist hochgradig komplex, ich trage Dinge in wilden Kombinationen hin und Herr und es sieht über längere Zeitdauer aus, wie das Chaos des Jahrhunderts und dann, plötzlich, löst sich mit ein paar Handgriffen, die einem Taschenspieltrick gleichen, ganz plötzlich alles auf. Ein magischer Moment!

Urlaub – Tag 8

Wir sind zurück. Heute morgen sind wir aufgestanden, haben uns fertig gemacht, sind ins Auto gestiegen und damit gefahren und nun sind wir eben wieder ausgestiegen, machen uns jetzt wieder fertig und gehen ins Bett. So betrachtet wirkt das regelrecht grotesk. Andererseits, mit einer Kutsche früher wäre es auch nicht besser gewesen, nur weniger komfortabel. Und alle anderen Verkehrsmittel (Pferd, Rad, Wandern etc.) kommen nur in Frage, wenn der Weg schon das Ziel ist.

Die Katzen sind wohlauf und wirken gar nicht beleidigt. Wir haben schon drei Plätze in der Wohnung identifiziert, an denen sie sich bevorzugt aufgehalten haben: auf Ms Bett, auf Herrn Ns Bettseite und im Sessel. Da werden wir morgen mal mit dem Fellhandschuh und Fusselrolle tätig werden.

Im Briefkasten erfreulich wenig Post, aber die Post kommt hier ja auch nur ein- oder zweimal pro Woche. Und einen Parkplatz auf der Straße gab es nicht, ich werde also morgen früh um halb 8 unter großem Gejammer umparken. Und dann Brötchen mitbringen und so Dinge wie Käse, Müsli, Obst, Gemüse – das hatte ich nicht bedacht, als wir vor Abreise alle Vorräte aufgegessen haben: dass dann bei Rückkehr halt auch wirklich rein gar nichts da ist. Frau Herzbruch hat uns aber noch ein Überraschungspäckchen für die Weg gepackt, unterwegs brauchten wir nichts, so dass wir jetzt noch Müsliriegel, Chips und Pralinen knabbern können und das mit Cola Zero aus Minifläschchen (noch nie vorher so klein gesehen) hinunterspülen.

Eine Sache ist vor dem Schlafengehen noch zu tun: die erste Folge der neuen Staffel von Good Omens anschauen. Morgen und die nächsten Tage schauen wir dann weiter und lassen nebenher die Waschmaschine laufen, packen die Taschen aus und was man halt so macht, wenn man von einer Reise zurückkehrt.

Das war ein schöner Urlaub!

Urlaub – Tag 7

Im Wesentlichen befassten wir uns heute mit der Suche nach einem Anwesen für den nächsten Urlaub. Wenn man einmal so residiert hat, wie wir es aktuell tun, gibt es kein zurück mehr. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig: ehemalige Kirchen mit einem Bett direkt vor dem Altar, Landhäuser mit hoher Aktivität an paranormalen Phänomenen, Säle mit 50 Betten darin. Um nur ein paar zu nennen. Wir sind noch unentschlossen.

Kurz zwischendrin heute dachte ich auch, dass sich alles, also: ALLES nochmal ganz anders entwickelt als bisher gedacht. Wir hatten nämlich Pizza bestellt und dann kam die Pizza und dann war Herr Herzbruch verschwunden. Es war alles unerklärlich, Frau H vermutete aber, dass es Herrn Herzbruch unangenehm gewesen war, kein Trinkgeld zu haben (Sie wissen ja: Fremdwährung) und er daher in Aufwühlung das Haus verlassen hatte, um zu einem Geldautomaten zu gehen und dann den Pizzaboten nochmal abzufangen und es ihm auszuhändigen. Das hielt ich für möglich, genauso möglich aber, dass der Pizzabote schon längst mit einer neuen Bestellung unterwegs ist, wenn Herr H in der Pizzeria eintrifft. Dann hätte man ihm dort ein Getränk angeboten, er wäre mit den EInheimischen ins Gespräch gekommen. Das eine hätte das andere ergeben, Sie kennen solche Geschichten, es hätte in einem fulminanten Fest gemündet, man hätte das Fest nach Herrn H benannt, vielleicht einen Nationalfeiertag eingerichtet, wenn wir in ein paar Jahren zufällig wiederkämen, wäre sein Vorname Platz 1 der Jungsnamen in Dänemark geworden. Ich sah alles ganz genau vor mir.

Das ist nun der letzte Abend, wir haben gepackt, dann haben Frau H und ich im Doppelkopf gewonnen, was gut ist, weil sie angekündigt hatte, dass der Urlaub nicht endet, bis wir ganz vorne stehen. Ich bin ja gar nicht gerne lang im Urlaub. So kommt alles gut aus. Okay, 1 oder 2 Tage hätte ich noch angehängt, mehr aber nur sehr ungern. Mir liegen Kurzurlaube sehr gut, danach fange ich an, Dinge nicht mehr zu finden, weil sie nicht ihren gewohnten Platz haben und ich möchte andere Sachen nutzen, als ich eingepackt habe, ich kann ganz gut vorhersehen, was und wie ich eine Woche lang sein möchte, für länger aber nicht. So ähnlich wie Wetterbericht, das geht ja auch nicht mehr als eine Woche im Voraus wirklich gut.

Morgen steigen wir also wieder in den Tourbus. Meine Aufgaben neben Brillenservice und Tischreinigung werden noch Spülen und Müll wegbringen sein, außerdem mache ich um 8 den Weckdienst, werde dann hart pushen damit allerspätestens um 9:55 Uhr alle im Auto sitzen.

Urlaub – Tag 6

Ich war heute nicht schwimmen, weil ich keine Lust hatte. Eine völlig ungewohnte Erfahrung für mich, ich werfe mich aber ja immer gern in neue Situationen, also tat ich zur Abwechslung mal etwas nicht. Ich ging nicht schwimmen.

Ansonsten nahm ich an allen Aktivitäten teil. Zunächst waren wir an einer alten Mühle und dort verkaufte uns der Vater des Programmierers von Subway Surfers kleine, dicke, gedrechselte Vögel, was unerwartet kompliziert war, denn die Bezahlung war per MobilePay vorgesehen, das funktioniert aber nur mit einer dänischen Telefonnummer. Wir bekamen schon angeboten, die Vögel einfach mitzunehmen und „irgendwie von Deutschland aus“ zu zahlen, fanden dann aber noch ausreichend Euros in unseren Taschen. Und weil sich ein Gespräch ergab, konnten wir endlich mal jemanden fragen, welcher Arbeit, die Personen in diesem Teil Dänemarks eigentlich nachgehen. Wie erwartet: dort vor Ort eher keiner, sie arbeiten alle in Odense oder sogar Kopenhagen, außer sie arbeiten in der Landwirtschaft. Viel Spaß hatte ich auch daran, ein Huhn zu streicheln, so superweich! Es war ein außerordentlich hübsches Huhn. Und Schafe waren da und schrien ab und an „MÄH“ – Schafe sind meiner Ansicht ja die einzigen Tiere, deren Laute wir wirklich so schreiben, wie sie auch klingen. Kein Hund macht Wau, kein Vogel Piep aber Schafe machen MÄH. Wie Karrikaturen ihrer selbst. Ich könnte mich jedes Mal schlapplachen.

Danach waren wir im Hans Christian Andersen-Museum. Ich mag keine Märchen und ich kann nicht gut in Museen, dennoch hat es mir ausgezeichnet gefallen. Es gab einen schön gestalteten Audio-Guide, der sich je nach Position, an der man stand, mit dem passenden Text, Musik etc. einschaltete. Irritierenderweise gelang es Herrn Herzbruch, etwa eine Stunde länger für den Rundgang zu brauchen, obwohl er natürlich denselben Audio-Guide hatte wie wir anderen und wir nichts übersprungen haben. Ich habe mich zwar nach etwa einem Drittel geistig entfernt, nicht aus Desinteresse, sondern weil mir das alles zu viel war, aber Herr N, neben dem ich ging, hörte alles an. Und ich fügte sogar noch einen Sonderprogrammpunkt ein, nämlich „Handy am Desinfektionsmittelspender liegen lassen und über die Kasse am Eingang zurückerhalten“ – dieser Punkt versetzte mich übrigens kein bisschen in Aufregung, weil ich nämlich vor einer Woche schon einmal glaubte, ich hätte mein Handy verloren und, als das nicht so war, nochmal alles so einstellte, dass eine vollständige Sicherung immer in der Cloud ist und alle sensiblen Inhalte gut geschützt sind. Es wäre also nur eine finanzielle Unannehmlichkeit gewesen. Die Ausstellung, also das erste Drittel, an dem ich mental noch teilnahm, war super, es ging nämlich gar nicht um Märchen sondern um das Leben von H. C. Andersen.

Abendessen gab es in einem Foodcourt, der Essen aus zig Nationen bot uns uns mehrfach empfohlen wurde. War auch gut, aber nichts allzu besonderes im Vergleich mit der Offenbacher Innenstadt. Der Teil von Dänemark, in dem wir uns aufhalten, ist aber unglaublich weiß, für hier ist es vermutlich etwas besonderes.

Und der Tag wurde abgerundet durch die abendliche Doppelkopf-Runde.

Morgen machen wir Gesichtsmasken und Haarkur und finden heraus, wobei es sich bei dem auf GoogleMaps unbeschrifteten großen gelben Gebäude mit Schornstein hier in der Nähe handelt. Ich tippe auf Krematorium.

Urlaub – Tag 5

Frau Herzbruch ist schon im Bett, entweder, um die Nahtoderfahrung zu verarbeiten, die wir hatten, als uns heute auf der Landstraße auf einer kurvigen Anhöhe auf unserer Spur ein LKW entgegenkam, der in einem Überholversuch neben einem Traktor fuhr, oder um das Doppelkopfdebakel zu verarbeiten, wir haben heute nämlich nicht gewonnen.

Der Tag begann an sich schon etwas holprig mit notwendigen Abläufen, die weitere Entscheidungen blockierten, gegen Mittag saßen wir aber alle gemeinsam im Tourbus, danach hatte es eine Stunde vorher noch nicht ausgesehen. Ich war sehr zufrieden. Wir wären im Zweifel glücklich gestorben, noch besser ist aber, am Leben zu sein. So konnten wir ein Schloss besuchen bzw. hauptsächlich die Gärten drum herum mit unendlich vielen Blumen. Und natürlich schien die ganze Zeit die Sonne, ich habe schon wieder juckende Arme und fühle mich komplett gedörrt. Sehr, sehr schön war der Fuchsiengarten. Ich mag Fuchsien und Fuchsien mögen 16 bis 24 Grad und Regen. Ich bin eine Fuchsie.

Mein botanisches Interesse an sich ist ja eher gering ausgeprägt. Am Wegesrand sahen wir aber immer wieder eine Pflanze, bei der ich mich schon seit meiner Kindheit oft frage, was das eigentlich ist. Ich hielt es früher für Rhabarber, weiß aber seit einigen Jahren, dass das nicht richtig ist. Ich sehe die Pflanze immer nur im Urlaub, heute auch wieder und ich bat Herrn H, den Tourbus anzuhalten, damit Frau H ihre Pflanzenapp befragen kann. Es handelt sich bei meiner Pflanze um den Gewöhnlichen Pestwurz. Das ist kein schöner Name, das hätte ich lieber nicht gewusst. Ich kann mich jetzt nicht mehr vorbehaltlos über die Pflanze freuen, wenn ich sie sehe, sondern werde immer nebenher „Pestwurz, wie doof“ denken. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll.

Auf der Heimfahrt fragen wir uns, wie es sich auf Fynen wohl lebt. Was arbeitet man dort? Es war Berufsverkehrzeit, die Straßen aber leer, nicht nur leer von Autos sondern auch leer von Menschen. Sowieso sind – außer an den Touristenattraktionen – wenige Menschen zu sehen. Wo sind die alle, wo hängen die Jugendlichen ab? Man müsste in eine Kneipe gehen, dort mit Einheimischen ins Gespräch kommen und sie fragen. Eine Kneipe hatten wir aber auch noch nicht gesehen.

Später schwammen wir wieder im Meer, also nicht alle, nur die Kinder, der Hund und ich. Neben vielen Seesternen und Krabben gab es heute Fische zu sehen, die über die Wellen sprangen, so ähnlich wie man Steine über das Wasser flitscht. Es gelang uns leider nicht, einen zu fangen und näher anzuschauen. Ziemlich kleine Fische waren das, silbrig, ich glaube mit weißem Bauch. Warum springen die da herum, ist es Übermut? Übermütig war auch Fiene. Erst schwamm sie bis zur Erschöpfung und wollte dann immer wieder das neue Quietschie, das wir ihr aus dem Supermarkt mitgebracht haben, geworfen bekommen, wollte es aber gleichzeitig nicht loslassen und ich wollte meine Hand nicht in das Maul eines Hundes stecken, der Zähne so lang wie mein kleiner Finger hat. Ich brauche die Hand ja noch zum Tippen.

Urlaub – Tag 4

Heute war Ruhetag. Wir haben so ein schönes Haus gebucht, das muss auch genossen werden, indem man sich darin oder darum aufhält.

Mir kam das entgegen, ich hatte nämlich nachts eine Migränesituation und stand morgens als letzte und etwas durcheinander auf. In loser Reihenfolge gab es dann die üblichen Elemente des Tagesablaufs wie „jemand holt Brötchen“, „Frühstück“, „Duschen“, „alle setzen sich irgendwo hin“ und ich kam meinen Aufgaben nach. Neben „Glastisch sauberhalten“ und „Sauberkeit des Fahrzeugs (innen) sicherstellen“ gehört dazu auch die tägliche Brillenreinigung. Heute waren die Sonnenbrillen mit dran.

Im Verlauf des Tages stellen wir die Möbel ein bisschen um, es war nämlich vorher so, dass die aller bequemsten Sessel keinen Ausblick auf das Meer boten. Jetzt doch. Wir hätten auch gern den Esstisch, der ja gleichzeitig Kartenspieltisch ist, optimiert, und zwar durch Reduktion des Durchmessers um 10 oder 15 cm. Wenn das ein Profi macht, der die Tischkante wieder genauso hinschleift, fällt das sicher gar nicht auf, zumal der Vermieter des Hauses in Südamerika ist. Wenn der das nächste Mal kommt, weiß der doch gar nicht mehr, wie groß dieser Tisch nun wirklich war und falls er doch was merkt, findet er es sicher gut, dass nicht nur Leute mit Krakenarmen beim Kartenspiel an die Stiche kommen. Allerdings war niemand bereit, einen dänischen Glaser ausfindig zu machen, der das mal kurz übernimmt (oder auch nur auszumessen, ob die Glastischplatte in den Bus passen würde), so müssen wir uns aufgrund von Lethargie wohl bis Urlaubsende behelfen. Vielleicht schnitzen wir uns aus Treibholz kleine Kratzärmchen, mit denen wir die Karten vom Tisch zu uns scharren können.

Das tägliche Bad im Meer fand natürlich ebenfalls statt, ich schaute mir nochmal einen Seestern genauer an, und der war auf der einen Seite braun-lila und auf der anderen Seite ein helles Ocker. Er fühlte sich an, wie nichts anderes, das ich jemals in der Hand hatte. Fester als eine Schnecke, von der Körperspannung her ein bisschen wie Fisch aber in der Bewegung ganz anders. Sehr spannend. Ich warf setze ihn natürlich bald wieder auf den Meeresboden zurück.

Sonst gibt es für heute wenig zu berichten. Ich las zwei Bücher, das Kochen übernahm M, beim Doppelkopf spielte ich mit Frau Herzbruch zusammen, was erstaunlich gut ging, denn wenn sie eine andere Karte ausspielen will als ich, halte ich die Karte einfach ganz fest.

Urlaub – Tag 3

Dafür, dass die Wetter-App jeden Tag Regen ansagt, habe ich ganz schön viele Sonnenpickel auf der Haut. Um fair zu sein: es hat heute geregnet. Für ca. 2 Minuten, als wir beim Frühstück saßen.

Danach waren wir unterwegs, um den Ort zu erkunden, erst in echt und dann noch einmal in Miniaturausführung. Die Miniaturausführung war der Hammer, es begann schon damit, dass man nicht mit Karte zahlen konnte und bei der Frage, ob denn wohl mit Euro, tauschten sich zwei hochbetagte Herren aus dem Mundwinkel sprechend aus. Man einigte sich auf einen Preis von 4 Euro pro Person, wir waren 6 Personen, es wurde kurz beratschlagt, ob es einen Gruppenpreis gäbe, es war wohl noch nie vorgekommen, dass eine Gruppe antritt. Ich verlor irgendwann die Geduld, so wie bei ziemlich jeder Kasse in Dänemark bisher, mir ist das alles zu viel hygge. Herr Herzbruch übernahm die weiteren Verhandlungen, am Ende des Urlaubs wird es eine Abrechnung geben, ich werde weiteren Kassen aus dem Weg gehen können und einfach später an Familie Herzbruch zahlen und niemand muss meine Laune fürchten.

Vor dem ersten Haus des Miniaturortes war ein weiterer hochbetagter Mann und rief „Willkommen, Willkommen!“. Eigentlich gab es nichts weiter zu sehen als die kleinen Häuschen, die genauso aussahen, wie die großen Häuschen. Frau H und ich witzelten vor uns hin, dass hier vermutlich ein Hobby außer Kontrolle geraten war, ich stellte mir vor, dass sich Senior*innen wie ein Club zusammengefunden haben und es regelmäßige Meetings zu „Dachziegel an Haus 6 defekt, wer regelt das und bis wann?“ gibt und dann lasen wir in der Broschüre, die uns am Eingang ausgehändigt worden war und sahen: genau so ist es. Treffen immer mittwoch- und donnerstagmorgens, es ist keine Bedingung für die Mitgliedschaft, in Rente zu sein aber de facto sind es alle. Wir als Touristinnen hätten auch einzelne Steine als Andenken kaufen können, aber ich wollte keine weitere Kassenerfahrung machen.

Herr H wird das Projekt besonders im Hinterkopf behalten. Ausländer*innen können in Dänemark nämlich nicht einfach so Häuser kaufen, man muss entweder z.B. seinen Wohnsitz verlegen oder eine „besondere Verbindung“ zum Land nachweisen. Ich stelle mir vor, wer Mitglied im Miniaturbauclub wird und Häuser in 1:10 nachbaut, belegt nicht nur eine besondere Verbindung zum Land sondern gewinnt auch eine Menge senioriger Fürsprecher*innen. Ich sehe Roman und Verfilmung schon sehr deutlich vor meinem inneren Auge, mit Rollatorenversammlung vor dem Rathaus, „Ohne Herrn H können wir den Kirchturm nicht vollenden!“

Es war alles in allem grandios.

Das Schwimmen war auch wieder super. Das Wasser hat weiterhin 19 Grad, heute war ich mit Flossen und Schwimmbrille unterwegs und sah echte lebendige Seesterne. Die habe ich noch nie gesehen bisher (war aber bisher auch noch nie mit Flossen und Schwimmbrille im Meer unterwegs). Zu meinem Erstaunen waren sie nicht, wie im Kinderbuch, gelb sondern hatten Schneckenfarbe. Eine Krabbe sah ich auch, sie war so groß wie mein Fuß (ohne Flosse).

Am Abend kochte Mama Herzbruch alles mögliche aus dem Airfryer. Wir haben ein bisschen zu viel eingekauft, sind aber ja noch ein paar Tage da. Vielleicht sollten wir die Einkaufsaktivitäten langsam einstellen, um noch alles aufessen zu können. Auch 8 Flaschen Sekt sind noch da (vier eklige mit Bitter drin für Frau H, vier gute für mich), Frau H verweigerte aber gerade eben den Mitternachtsdrink und ich bin so froh, endlich Mineralwasser mit Sprudel zu haben, dass ich sowieso nie wieder etwas anderes trinken möchte.

Urlaub – Tag 2

Heute war ein sehr ereignisreicher Tag!

Zunächst einmal wurde ich wach, weil ich ausgeschlafen war. Ich glaube, das war gegen 9 Uhr, alle anderen waren schon aufgestanden aber noch nicht in Sprechlaune. Nachdem wir uns bei einem Kaffee jeweils in uns selbst annähernd wiedergefunden hatten, gingen die Kinder zum Bäcker. Jede Person hier hat eine Aufgabe. Die Aufgabe der Kinder ist, morgens zum Bäcker zu gehen und das benutzte Geschirr in die Spülmaschine zu tragen. Frau Herzbruch kocht. Für mich hatte ich gestern schon die Aufgabe gefunden, dass ich dafür sorgen werde, dass kein Müll im Auto zurückgelassen wird. Gestern tat ich das, indem ich selbst den Müll aus dem Auto sammelte. Heute, indem ich bei Einfahrt auf unseren Kiesweg alle anwies, ihren Dreck wegzuschaffen. Eine weitere Aufgabe für mich fand ich heute beim Frühstück, sie ist: den großen Glastisch sauberhalten. Ich kann nicht an einem Tisch mit Fingerabdrücken und Krümeln sitzen, daher werde ich für die Sauberkeit dieses Tisches sorgen. Die Aufgaben der Männer habe ich vergessen, achja, Herr H bekam gerade eben, als er schlief, die Aufgabe des Mülltonnenmanagements. Herr N. ist möglicherweise bisher davongekommen.

Als nächstes möchte ich festhalten, dass es heute bisher (20:47 Uhr) nicht geregnet hat.

Noch vor dem Frühstück entschieden wir, heute nach Odense zu fahren. Dort konnte man eine Bootstour zu einem Wald mit Pfannkuchenhaus unternehmen oder verschiedene Museen besichtigen. Nichts davon taten wir.

Als erstes bemerkenswert war die Parkplatzsuche in Odense. Sie fand nämlich gar nicht statt. Die Zufahrtstraße führt direkt in ein Parkhaus hinein, man kann gar nicht anders, als dort zu parken, sehr praktisch. Es ist unterirdisch und sehr groß, innendrin kann man sich entscheiden, wohin in der Innenstadt man möchte, entsprechend parkt man dann und nimmt den passenden Aufgang. Wir gingen am H. C. Andersen Hus hinauf, vergaßen dann aber, es zu besichtigen und landeten zunächst in einem Geschäft für Wolle. Frau Herzbruch und M. werden nun gemeinsam Socken stricken, sie haben gleiche Wolle (in Bezug auf Sorte, nicht Farbe), gleiche Nadeln und jeweils einen „Projektbeutel“ in der zu der Wolle passenden Farben gekauft. Der Plan ist, dass sie die nächsten Tage hier gemeinsam auf dem Sofa sitzen, stricken und es hygge haben. Ich hoffe, das interferiert nicht mit den Doppelkopfplänen.

Als nächstes waren wir im H&M, Frau Herzbruch hat nämlich nicht für Dänemark sondern für Djerba gepackt und brauchte eine Strickjacke. Anschließend schafften wir noch einen Klostergarten und dann hatten alle schon wieder Hunger. Die Suche nach Essen führte uns in ein vietnamesisches Lokal in der Annahme, dort wäre es einfach, etwas ohne Fleisch zu finden. Nun war dort aber schon mittags der Tofu aus. Bei einem Getränk wollten wir überlegen, wie wir weiter vorgehen, das Getränk dauerte aber länger, als man gebraucht hätte, um in einem naheliegenden Supermarkt Tofu zu kaufen und ihn dem Koch um die Ohren zu hauen. Wir bestellten dann irgendwas, also M einen Glasnudelsalat ohne Fleisch (und ohne Tofu) und ich Minifrühlingsrollen (ich finde Glasnudeln extrem doof), die anderen Bánh mì mit Huhn oder Pulled Pork oder so, das Essen kam nicht vollständig, die Getränke immer noch nicht und danach nicht vollständig, es dauerte insgesamt ungefähr 100 Jahre, weshalb wir den ursprünglichen Plan, noch zu einer Marzipanfabrik zu fahren, aufgeben mussten.

Statt dessen fuhren wir auf dem Rückweg einen großen Supermarkt an. Zum Urlaub gehört es ja auch immer, lokale Einkaufsläden zu besichtigen und besondere Produkte auszuprobieren. In Bezug auf das Marzipan wurden wir fündig, auch schön Verpacktes als Mitbringsel für die Katzensitterin. Und auch freute ich mich, eine abgepackte Smørrebrød-Platte zu sehen. Braunkäse fand ich leider nicht, gut, der ist auch norwegisch, nicht dänisch, aber ich hatte gehofft, ihn zu finden, weil Norwegen ja nicht so arg weit weg ist. Und unerwartet schwierig war es mit Joghurt. Mir war nach ganz normalem Joghurt, idealerweise mit Blaubeeren. Mit „normal“ meine ich, nichts mit EXTRA PROTEIN POWER oder mit 0 % FETT oder mit Soja und so weiter. 5 Personen standen um mich herum und reichten mir immer wieder irgendwelche unpassenden Produkte an, bis ich eine Bannmeile um das Joghurtregal aussprach. Am Ende habe ich Blaubeerkefir genommen, weil die Kriterien für Joghurt einfach nicht zu erfüllen waren. 

Im 3. Anlauf, das richtige Wasser zu kaufen, waren wir übrigens erfolgreich. Vielen Dank für die Tipps, es scheiterte nicht an den Googlekenntnissen aber alles Wissen, wie Sprudel heißen könnte, nützt nichts, wenn man daneben greift.

Zurück im Ferienhaus gab es eine unerwartete Situation, nämlich: Trespassers auf dem Grundstück! Allerdings ganz unten im Meer auf dem Steg, sie angelten. Ich ging davon aus, dass die Situation sich unmittelbar klären würde, wenn wir mit dem Hund auf den Steg und schwimmen gehen. Aber noch bevor ich fertig umgezogen war, hatte Frau Herzbruch ihre Autorität walten lassen. Das Meer war heute weniger aufgewühlt, man konnte bis auf den Grund schauen und so sah das Seegras nicht mehr so gruselig aus. Angeblich gab es auf dem Meeresboden „unendlich viele Krabben“, aber das konnte ich nicht verifizieren, weil ich Ona meine Schwimmbrille geliehen hatte. Auch Fiene schwamm mit, erst mit einem dicken Ast im Maul, so dass sie immer wieder Wasser schluckte. Rettungsschwimmerinlich von mir abschleppen lassen wollte sie sich aber nicht (nasser Hund im Wasser im Arm ist sehr niedlich!), später drehte sie noch ohne Stock eine elegante Runde und fand dann, alle hätten genug geschwommen und bellte uns laut und empört vom Steg aus an.

Nach dem Schwimmen war bei Aussicht im Sessel abhängen angesagt und jetzt hat Mama Herzbruch Linsensuppe gekocht und es gibt Abendessen.

Urlaub Tag 1

Es ist so weit! Die Abreise war für 1 Uhr geplant, um 1:30 Uhr saßen wir im Auto. M übernahm die Fahrt bis Düsseldorf und steuerte uns auch souverän durch die dichten Qualmwolken eines Fahrzeugbrandes auf dem Seitenstreifen. Bis etwa 4 Uhr war ich topfit, die letzten 15 Minuten zu Frau Herzbruch waren dann aber fast nicht mehr zu bewältigen. Wir begrüßten uns, ich legte mich auf die Couch und schlief sofort ein. Was nebenher geschah weiß ich nicht. Um kurz nach 6 weckte mich M, weil wir abfahren wollten, ich trank einen Kaffee, setze mich in den Herzregenreisebus und schlief sofort wieder ein. Ganz am Rande nahm ich noch Diskussionen war, dass der Kofferraum doch irgendwie voller sei als gedacht und welche möglichen Lösungen es dafür gäbe, bei Abfahrt thronte der AirFryer ganz oben auf dem Gepäckberg aber irgendwie ging es wohl auf. Wie weiß ich nicht, ich glaube, die Kinder haben es geregelt, auch das eine Auto nochmal umgeparkt, es ist so praktisch, große Kinder zu haben die ohne nennenswerte Ausfallerscheinungen eine Nacht durchmachen können!

Wie gesagt, nach der Abreise schlief ich sofort wieder ein. Ich kann mich noch nicht einmal erinnern, wie wir auf die Autobahn aufgefahren sind. Das nächste Mal erwachte ich gegen 9 Uhr irgendwo in Niedersachsen und ein bisschen später gab es Raststättenfrühstück, danach schlief ich weiter. Richtig war war ich eigentlich erst, als wir um halb 2 an der Fähre ankamen. Nach der Fährfahrt ging alles ganz schnell und schon fuhren wir in unsere eigene Einfahrt mit Kiesweg einfuhren. Ich hoffe sehr, da ist keine Kamera, wir haben so unfassbar viel Gepäck, dass sonst jetzt in Brasilien ein Vermieter nachts wach liegt, weil er nicht weiß, wie er die Squatter wieder rauskriegen soll.

Das Haus ist sehr schön. Ich hatte gedacht, alle Fotos seien mit Weitwinkel aufgenommen. In Wirklichkeit ist aber alles noch größer als auf den Fotos, bis auf den Garten, der ist etwas kleiner und der Weg hinunter zum Meer etwas steiler, die Treppe dafür etwas befestigter, als ich aus den Fotos geschlossen hatte. Gut, dass das Haus so groß war, so konnte es unser ganzes Gepäck mühelos aufnehmen. Und sehr gut ausgestattet ist das Haus auch, so dass ich einige Dinge schon wieder in den Koffer packen konnte, die werden gar nicht benötigt. Als alles ausgepackt war, stießen wir auf unser Glück an.

Ich hatte nach dem häppchenweise Schlafen in der Nacht das große Bedürfnis zu duschen, wollte aber auch das Schwimmen im Meer ausprobieren und erst duschen und dann schwimmen ist natürlich Quatsch. Das Ehepaar H und Herr N sind aber Schönwetterschwimmer*innen. So gingen nur die beiden Kinder und ich auf den Steg hinaus und von da ins Wasser, das war wegen sehr vieler Wasserpflanzen aber gruselig und wir kletterten schnell wieder hinaus. Einen zweiten Versucht machten wir dann vom Strand. Erst muss man über altes Seegras waten aber dann kam Sand. Bei jedem Schritt hatte ich Angst, von Krabben gezwickt zu werden, der Vermieter hatte nämlich darauf hingewiesen, man könne Krabben und auch Garnelen fischen. Es geschah aber nichts Unerwartetes. Der Hund kam auch mit ins Wasser.

Es folgte noch ein kurzer Einkauf (zweiter Versuch, Wasser mit Kohlensäure zu kaufen, gescheitert, dieses mal mangels Sprachkenntnissen) und seitdem hängen wir in den Seilen. Ich gehe jetzt schlafen und bin dann morgen komplett ausgeschlafen, das wird schlimm für alle anderen!

Urlaub T-1

„Noch einmal schlafen“, würde man normalerweise jetzt sagen, aber das stimmt nicht, wir schlafen ja nicht. Wir bleiben einfach wach und steigen um 1 Uhr nachts ins Auto. Wenn da noch Platz für uns ist. Ich habe ein bisschen Sorge, Frau Herzbruch scheint, wenn ich ihren Post richtig deute, den halben Hausstand eingepackt zu haben und die ganze Küche. Weil sie plant, jeden Tag zu kochen. Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist und ich hoffe, sie ist dann nicht irgendwann angestrengt. Ich wäre ab Tag 1 angestrengt. Aber sollte sich das abzeichnen, installieren wir halt doch schnell just-eat.dk. An unserem Wohnort kann man Döner oder Pizza bestellen, wobei der Dönerladen auch Pizza hat und die Pizzeria auch Döner, das sind also schon vier Möglichkeiten und wir bleiben nur eine Woche.

Ich habe für die Allgemeinheit ein Schraubglas mit 10 Spülmaschinentabs und ein Schraubglas mit 10 Waschmaschinentabs dabei. Und ein Fläschchen mit 20 ml Spüli. Das brauchen wir nicht, weil Frau Herzbruch ja einen ganzen Putzwagen mitnimmt, aber ich habe dieses Fläschchen immer in meiner Kulturtasche, ich vermisse auf Reisen häufig mal einen Tropfen Spülmittel, auch in Hotels und da ist dieses Fläschchen perfekt. Sonst war ich beim Packen ganz bei mir. Mein DoKo-Spielblatt habe ich dabei, was ebenso unnötig ist, Frau H hat nämlich ein neues gekauft. Aber in meinem ist meine Aufzeichnung der Spielregeln drin, die ich natürlich benötige. Man kann sich nicht alles merken. Außerdem traue ich es 6 Personen im Haushalt zu, bei Unzufriedenheit einzelne Karten verschwinden zu lassen. Mit einem zweiten Deck haben wir Ersatz.

Der Tag verlief weitestgehend nach Plan. Ich schlief nicht so lang, wie ich erwartet hatte, nur bis etwa 9:30 Uhr aber wartete dann noch etwa eine Stunde im Sessel, bis mein Kreislauf nachgekommen war. Dann gab es Reste zum Frühstück, anschließend wurde der Rest Wäsche gemacht und die Kleidung in den Koffer gepackt. Am frühen Nachmittag fuhren M und ich Altglas weg und machten noch einen kurzen Einkauf in Getränkemarkt, beim Bäcker und in der Apotheke, darauf folgte Grundreinigung der Katzenklos, des Trinkbrunnens, Balkon gießen, Kühlschrank aussortieren, was man so macht. Um 20 Uhr trafen Ms Gäste ein und sitzen seitdem um den Küchentisch (und essen weitere Reste auf), ich packte das „Zubehör“ in den Koffer, also Dinge wie die Reiseapotheke, Ladekabel, Mehrfachstecker, Kopfhörer, Kindle, Sonnenschutz, Reisedokumente, Badezimmerzeug und die schon erwähnten Spülitabs und Waschmaschinentabs. Nun ist alles erledigt, nur den Laptop mit seinem Ladekabel muss ich später noch einstecken.

Wenn die Gäste gegen Mitternacht gehen, können sie also Koffer und Müll schon mit runter nehmen, wir machen uns dann alle nochmal frisch, ich mache die Wohnung reisefertig und dann geht es los.

Hurra!