24. Februar 2025

Aufgewacht mit einem dezenten Gefühl der Verkaterung – nein, kein Alkohol gestern. Und auch für mich kein unerwartetes Wahlergebnis, wenn auch ein unschönes. Diejeinigen, die AfD wählen, verstehe ich nicht. Ich kenne ein paar, ich habe sie danach gefragt und versucht, sie zu verstehen aber nichts, was sie sagten, ergab für mich Sinn. Vielleicht liegt das auch an mir, an einer ganz anderen Lebenswirklichkeit. Ich verstehe ja auch nicht, wo die massenhaften Stimmen für die Faschos im Osten herkommen, verstehe aber zugegebenerweise auch nichts vom Osten Deutschlands, ich komme aus dem Westen des Westens und hatte zur damaligen DDR nie irgendeine Emotion und es ist da auch mit der Wiedervereinigung keine nachgewachsen, das Gebiet ist mir fremder als die Niederlande oder Großbritannien und für Deutschland an sich habe ich ja auch keine Emotion. Wohl aber für Europa. Wie soll ich da irgendwas verstehen.

Dann schauen wir mal, ob es Herrn Merz gelingt, eine handlungsfähige Regierungskoalition zu bilden. Das Land zu einen, so viel kann ich schon prognostizieren, wird ihm sicherlich nicht gelingen, ich denke auch nicht, dass er Wert darauf legt oder falls doch ist er einfach noch unbeholfener, als er auf mich sowieso schon wirkt. Seine Sprache insgesamt befremdet mich, die aus der Zeit gefallenen Ausdrücke, die holprig-ungeschickte Wortwahl, wenn er emotional angefasst ist, all das wirkt nicht besonders staatsmännisch auf mich, zumal ich ihn immer schütteln will und sagen „jetzt steh endlich mal gerade wenn du unter die Leute gehst meine Güte!“ Und – das ist aber wirklich einer meiner eigenen Ticks – seine leicht verkürzten Vokale stoßen mich ab.

Der Arbeitstag war heute von entsprechend viel Gesprächsbedarf von allen Seiten geprägt, dann gab es noch einen übers Wochenende aufgetretenen Mangel auf der am Freitag nach über einem Jahr endlich abgeschlossenen Baustelle und ich war wirklich sehr, sehr genervt.

Andere waren auch schlechter Stimmung, nun handeln Personen ja sehr unterschiedlich, wenn sie schlecht drauf sind und mein Ansatz ist es in der Regel, dann etwas Unterhaltsam-Ablenkendes zu tun. Wir hatten heute einen großen Tisch beim Pub-Quiz gebucht, wegen schlechter Stimmung sagten recht viele ab aber wir verbliebenen drei entschlossen uns, gerade wegen schlechter Stimmung hinzugehen, weil bei uns schlechte Stimmung zu Hause auf dem Sofa bislang in den seltensten Fällen irgendwie besser geworden ist. Wir können, so kamen wir überein, auch in guter Stimmung das Wahlergebnis scheiße finden und so stießen wir auf gute Stimmung an und warfen uns ins Geschehen. Bei den Fragen waren wir grauenhaft schlecht, es ging viel um Filme und über Filme weiß ich ja schlicht gar nichts, kenne weder Filmtiteln noch Mitwirkende, also wirklich ein Totalausfall. Wir werden beim nächsten Mal gezielt eine filmversierte Begleitung suchen. Ein weiterer Part behandelte Katzen im weitesten Sinne, da brillierte ich und dann gab es noch historische Dinge, die wir recht okay beantworten konnten und aktuelle und geographische Fragen, ebenfalls ganz okay. Lustig war auch der Activity-Teil, mit Ente suchen, Dartpfeile werfen, noch irgendwas und dann sollte noch gemalt werden, nämlich „a picture of a sexy Musk with a sexy Trump in his arms“. Ich sage gleich erstmal spontan „no way!“, die anderen stimmten mir zu und so schrieb ich „there is no such thing as a sexy Musk or a sexy Trump“ groß in Pink über die Karte, die eine Kollegin ergänzte „spread love not hate“ und die dritte malte Herzchen dazu. Man muss ja nicht über jedes Stöckchen springen. Und ja, das war natürlich alles satirisch und kritisch gemeint, ich halte trotzdem nichts davon, diesen Leuten immer mehr wie auch immer gearteten Fame einzuräumen. Sie existieren, das ist schon mehr als genug, es ist nicht notwendig, sie in allen möglichen Zusammenhängen präsent zu halten.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass viele Teams diese Aufgabe verweigern würden, alle außer denen, die wirklich besonders gut zeichnen können vielleicht, aber wir waren die einzigen. Dafür bekamen wir dann Fame – eine große Projektion auf alle Bildschirme und einen Sonderpunkt (und nochmal Getränke).

Ja, ich denke, das war besser, als auf dem Sofa zu sitzen.

2 Kommentare zu „24. Februar 2025“

  1. Wenn Sie dieGedankenwelt/das Mindset des Ostens ein wenig verstehen oder zumindest kennen lernen wollen, lesen Sie Zwischen Welten und Über Menschen von Juli Zeh. Mir hat es ein bisschen geholfen, obwohl mich diese Bücher sehr aufgeregt haben.

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