Januar 2026

6. Januar 2026

Im Bahnhof heute morgen blinkte vor dem U-Bahn-Eingang rot das Schild, das besagt, man solle bitte nicht weitergehen. So ein Persönchen mit ausgestreckten Armen in einem Kreis. Dennoch strömten wie Lemminge alle die Treppe hinunter zum Bahnsteig. Ich habe es nicht verstanden.

Später eine sehr schöne Situation. Ich muss ja eine Stelle nachbesetzen und heute kam dafür eine recht gut passende Bewerbung von einer Frau, die denselben Nachnamen trägt wie die, die gekündigt hat. Und denselben Anfangsbuchstaben vom Vornamen. Wie superpraktisch ist das denn? Niemand muss sich einen neuen Namen merken, ich muss noch nicht einmal das Türschild ändern lassen und sogar die Netzwerk-ID bleibt gleich! Win-win-win! Außerdem bietet es so viel Raum für beiläufige Scherze. Es erinnert mich an die schönen Zeiten als ich mal drei Florians zusammen in einen Raum setzte und einmal, das war zugegebenerweise nicht so nett, Philip, Phillip und Philipp sowie Frederick, Frederic und Frederik. Mir scheint, heute heißen die jungen Menschen, die ins Praktikum zu uns kommen, wieder unterschiedlicher. Dafür sehen sie ähnlicher aus. Oder vielleicht ist das auch nur meine Perspektive mit ein paar Lebensjahren mehr Abstand.

Bezüglich Frau S, also der alten (die gekündigt hat) Frau S und der neuen (die sich beworben hat) Frau S, kann ich mir auch einen Psychothrillerbeginn vorstellen. Vielleicht ist es dieselbe Person! Wir gingen ja nicht ganz im Guten auseinander, will sie sich rächen? Oder eine Zwillingsschwester? Die Bewerbung ist ohne Bild aber ich habe gelinkedint und man könnte eine Ähnlichkeit in die Bilder interpretieren. „Unsere“ Frau S hatte laut ihren Erzählungen den Kontakt zu ihren Geschwistern abgebrochen. Vielleicht sind die Frauen S wirklich Geschwister aber wissen nicht, dass die eine schon einmal bei uns war. Viel Material für Filme!

Geärgert habe ich mich heute auch, über eine Bekannte, die sich von WhatsApp verabschiedete mit einer recht lapidaren Nachricht, man könne sich ja einen anderen Messenger installieren. Es ist nicht so, dass ich nicht auch andere Messenger installiert hätte. Was mich piekst ist die Beiläufigkeit solcher Verlautbarungen, in meinen Augen immer verbunden mit dem Luxus, sich nicht um jemanden kümmern zu müssen, dem Wechsel von irgendwas nicht leicht fallen; keine Verantwortung für jemanden zu tragen, dessen Angelegenheiten man mitregeln muss. Da spricht es sich leicht lapidar. Und ich frage mich, warum ich überhaupt noch nie eine Nachricht in der Art von „du, ich möchte weg von WhatsApp aber gern den Kontakt zu Dir halten – wie kann das am besten funktionieren, was nutzt Du sonst so?“ bekommen habe.

Auf dem Rückweg wollte das Fahrrad vor der Kälte kapitulieren, naja nicht das ganze Rad, nur die Kettenschaltung, die so bedrohlich knackte, dass ich einen Bruch befürchtete und dann doch lieber schob. „Nein, Herr, die Kettenschaltung bricht nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen“. Ich habe jetzt einen Dauerohrwurm vom Eisernen Heinrich. Zum Glück schmerzt mein Herz aber gar nicht, ich bin nur etwas angestrengt und sehne mich nach Urlaub. Noch sieben Arbeitstage bis dahin.

WmdedgT 1/2026

(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)

Ich schlief sehr tief, ohne Unterbrechung und lang. Normalerweise wache ich irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr von selbst auf, das ist für mich ein guter Zeitpunkt passend zum Arbeitsbeginn. Heute wachte ich erst um 8:15 Uhr auf. Das war unerwartet. Mein Köper glaubt wohl, es sei schon Urlaub.

Allein, er irrt. So machte ich mich etwas schneller als sonst fertig, kaufte auf dem Weg ins Büro noch neues Brot, neuen Käse und einen Strauß Tulpen und kam dann mäßig spät an. Zunächst drehte ich eine Runde durch die Stockwerke um allen, die jetzt wieder da waren, ein gutes neues Jahr zu wünschen und ein paar Informationen zu verstreuen. Dann hatte ich ein längeres Telefonat mit einer möglichen neuen Dienstleisterin – das Gespräch verlief für mich interessanter, als ich erwartet hatte und dauerte daher eine gute halbe Stunde.

Im Anschluss standen 6 neue Personen bei mir im Raum, die ihren ersten Arbeitstag hatten und herumgeführt wurden. Ich wurde auch besichtigt und nutzte die Gelegenheit, um mir Gesichter und Namen einzuprägen und zu erinnern, dass ich für 16 Uhr einen gemeinsamen Termin eingestellt hatte.

Plötzlich war schon Mittag und ich wurde zum Essen abgeholt, meine Einwände „keine Zeit, kein Hunger, keine Lust“ wurden schlicht abgewiegelt. Die Kantine ist schon wieder teurer geworden. Ich aß eine Vorsuppe, wurde enorm müde und beschloss, mit einem Espresso gegenzusteuern. An der Kaffeemaschine traf ich den Chef, der fragte, ob wir unser für morgen geplantes Treffen vorziehen könnten auf jetzt sofort. Aber natürlich. Wir saßen eine halbe Stunde zusammen, bemerkten dann, dass die Zeit nicht reicht, doch er hatte einen anderen Termin und danach ich einen, also verabredeten wir uns für 17 Uhr noch einmal.

Mein Termin war, wie schon gesagt, das Begrüßungsgespräch mit den 6 neuen Personen. Ich hatte mir alle Namen gemerkt, auch die passenden Gesichter dazu! Wobei es relativ einfach war, denn die drei Männer sahen sehr unterschiedlich aus. Die Frauen ähnelten sich (alle lange, glatte, eher helle Haare), aber eine trug eine Brille und eine war deutlich älter als die anderen. Easy-peasy. Für das Gespräch habe ich eine Checkliste, es gibt einen recht großen Teil mit Regeln und wenn ich den einleite mit „Sie müssen die Regeln und ihre Hintergründe vollständig verstanden haben, bevor Sie beurteilen können, ob eine begründete Ausnahme zulässig ist“, merken die Schlauen immer kurz auf. So jedenfalls meine eine unwissenschaftliche Beobachtung über die letzten fünf Jahre hinweg. Es sind nicht unbedingt die Netten, nicht unbedingt die, mit denen man es leicht hat, aber es sind die Schlauen.

Heute war im Termin auch eine Mitarbeiterin dabei, die mich bei diesen Gesprächen während meines Urlaubs vertreten soll. Mit der Checkliste wird das gut klappen. Sie würde die Gespräche auch gern komplett und für immer übernehmen, das möchte ich aber nicht, denn sie sind meine beste Gelegenheit, einen Anknüpfpunkt zu den Neuen herzustellen, einen ersten Eindruck zu bekommen und einen Türöffner zu haben, damit sie sich später auch zu mir trauen, wenn es irgendwelche Themen gibt, die auf meiner Ebene liegen. Die Mitarbeiterhin hingegen hat zahlreichen Anknüpfpunkte und war mit allen Neuen am Nachmittag schon per „Du“ – ich nicht, ich bleibe beim „Sie“.

Danach ging es mit dem Chef weiter, wir fanden in allen Punkten eine Einigung und in mehreren auch eine gute.

Als ich wieder an meinem Schreibtisch ankam, hatte ich irrsinnigerweise über 50 neue Mails. Man könnte meinen, die Leute mailen sich irgendwann zu Tode, fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass mein Aufgabengebiet im letzten Jahr einfach nochmal deutlich breiter geworden ist und deshalb noch zig weitere Abteilungen und Teams mich bei allem, was sie für wichtig halten, einkopieren. Auch wurde mir wieder klar: je breiter die Aufgaben gefächert sind, desto weniger tief können sie gehen. Das ist mir sehr recht, ich bin ja das personifizierte Pareto-Prinzip. Und genau deshalb muss ich auch diese neuen zwei Personen einstellen, für die ich jetzt ein Budget bekommen habe und die bestimmte Themen mehr in der Tiefe behandeln.

Dann kam noch eine Mitarbeiterin mit erhöhtem Gesprächsbedarf, schwupps war es sehr spät und ich war zu müde, um mit dem Rad nach Hause zu fahren. Wobei ich mit dem Rad hätte fahren können – am Morgen auf dem Hinweg schmerzte der Arm, den ich mir ja gestern erneut verletzt hatte, noch ziemlich, am Abend quasi gar nicht mehr. Dafür war es stockdunkel und irgendwas um -5 Grad und mein Weg geht an einem unbeleuchteten Flussufer entlang. Ich nahm ein Uber.

Zu Hause weitere Komplikationen: die Zutaten der HelloFresh-Box stimmten nicht mit dem Rezept überein. Herr N und ich wurden kreativ, das Essen – ein Curry – zog schön durch, während ich mich noch mit Fragmente und S. online traf. Eigentlich war es ein Buchclubtreffen, doch keine von uns war vom Buch ausreichend angetan, um es bis zum Ende zu lesen. So unterhielten wir uns ein wenig und suchten das nächste Buch aus.

Nun war ich wirklich außerordentlich müde und wollte mich in den Sessel setzen. Dabei kam es zu einem Wärmeflaschenunfall, so dass ich viel dynamischer aus dem Sessel aufstand – ja, aufsprang – als üblich und das natürlich unter abstützender Zuhilfenahme beider Arme. Also auch des kaputten. Das war sehr ungünstig, wobei: Ich habe jetzt beschlossen, das als normale Phase des Heilungsverlaufs zu betrachten. Das kenne ich von Verletzungen so: erst ist alles fürchterlich, ich habe Schonhaltung und verspanne mir alles, dann wird es langsam besser, so dass ich die Verletzung vergesse, also gar kein bisschen mehr vorsichtig bin und mich ein paar Mal erneut ein bisschen verletze, bevor die Heilung das Vergessen irgendwann überholt. Wenn der Schmerz bei der Erstverletzung bei 100% war, war er vorgestern Abend, also 2 Monate später, bei 5%, gestern morgen, nach dem erneuten Unfall dann bei 60 % und heute Nachmittag, nach nur etwa 36 Stunden bei 10 %. Jetzt ist er bei 50 % und sollte sich morgen schön weiter herunterpendeln, ich gehe davon aus, bis zum entgültigen Verschwinden werde ich ihn noch zwei- oder dreimal durch Unbedachtheit wieder hochjagen, aber, wie gesagt: normaler Heilungsverlauf. Es lohnt nicht, sich zu grämen.

Allerdings habe ich, glaube ich, eine Brandblase an der Wade. Das schaue ich mir morgen genauer an, jetzt bin ich müde und gehe schlafen. Noch 8 Arbeitstage bis zum Urlaub!

2026!

2026 schreibt sich gut. Ich rechne damit, mich in den nächsten 362 Tagen selten in der Jahreszahl zu irren. Diese Annahme ist natürlich nicht ohne Hintergrund.

Denn das Jahr 2025 begann – und lief komplett durch! – mit etwas, das eigentlich eine Kleinigkeit sein sollte und dann total eskalierte, wie gesagt noch immer nicht gut ist. Gemeint ist Frau Herzbruchs Operation und ihre Folgen. Die Perspektive von Frau Herzbruch ist bekannt und die relevantere. Für mich ergänzend wichtig ist, dass ich schon durch die vorherigen Jahre – nach fast einem Jahr Krankenhausrealität mit Herrn N und anschließend knapp drei Jahren mit Mama N. – eine ausgeprägte Achillesferse in Bezug auf Krankenhausthemen entwickelt habe, deutlich über ein erwartbares Maß hinaus. Entsprehend dachte ich wirklich: „Die wollen mich doch verarschen!“ Leider nicht.

Daneben war mein persönliches 2025 sehr voll, übervoll.

Beruflich läuft es. Ich habe ein bisschen gebraucht, um zu verstehen, dass es einen riesigen Leerraum, eine Art Machtvakuum, gibt, in dem ich einfach tun kann, was ich für richtig halte (oder natürlich gleichermaßen, was ich für falsch halte, should I be so inclined!). Dennoch war ich damit im Vergleich früh dran, außer mir hat es entweder überhaupt noch niemand bemerkt oder zwar bemerkt doch nicht darauf reagiert. Ich habe ein sehr großes Spielfeld zur Zeit. Manchmal ist es ein wenig einsam.

Ich war unfassbar viel unterwegs. Ich habe eine zweijährige Weiterbildung abgeschlossen. Ich habe das Kraulschwimmen geknackt. Insgesamt habe ich sehr viel gemacht, also eben im wirklich Wortsinn selbst gemacht und so gut wie nichts unternommen, bei dem ich passiv unterhalten werde. Ich war nicht im Kino. Ich war immerhin bei einer Comedy-Veranstaltung und auf einem Konzert – im Gegensatz dazu habe ich aber drei Konzerte selbst gesungen, im Chor natürlich, dennoch finde ich das Verhältnis ungewöhnlich. Vielleicht möchte ich 2026 zu meiner Unterhaltung auch öfter mal andere etwas machen lassen. Während ich dass schreibe, werde ich schon leicht innerlich nervös, denn was, wenn die das nicht so machen, dass ich gut unterhalten bin? Vielleicht unterhalte ich mich doch besser selbst?

Gesundheitlich war das Jahr für mich kein Selbstläufer. Da waren zum einen die unendliche Zahngeschichte, die vermutlich im Februar 2026 nach 10 Monaten und über 20 Terminen endlich ihren Abschluss finden wird. Dazu ein eskalierter Mückenstick, besser gesagt Kriebelmückenbiss, der Antibiotikum erforderte und zum Jahresende noch eine gezerrte Schulter, von der ich noch immer etwas habe. Dafür keine relevante Infektionkrankheit – ein Wochenende lang hatte ich mal eine laufende Nase, aber es gab nichts, das mich aufs Sofa gezwungen hätte. Das finde ich auch bemerkenswert, denn ich war rund 30.000 km in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und habe dabei viel Husten und Niesen gehört.

Im Herbst habe ich bemerkt, dass ich mich ingsgesamt übernommen habe. Genau zu diesem Zeitpunkt, als alles zu viel wurde, hätte ich beinahe noch eine Lebensrettung unterbringen müssen, denn es gab einen Treffer in der DKMS-Datenbank. Doch dann traten zwei Glücksfälle ein: zum einen wurde eine noch besser geeignete Spendeperson gefunden und ich durfte das Erlebnis „Stammzellenspende“ vorüberziehen lassen, zum anderen wurde bei meinen Voruntersuchungen ein wirklich eklatanter Vitamin-D-Mangel festgestellt. Der Mangel ist noch nicht der Glücksfall, die darauf folgende Behandlung desselben hingegen schon, denn nach ein paar Wochen merkte ich einen deutlichen Energieschub, der noch immer anhält.

Angesichts der Viel-zu-viel-Situation versuchte ich, abzubremsen, doch nun ergab sich eine berufliche Konstellation, in der kein Abbremsen möglich war und bis jetzt nicht ist. Wir werden das gründlich aufräumen, die Vereinbarungen dazu sind getroffen, die Wege benannt und die Mittel bereitgestellt, bis zur Umsetzung wird es aber natürlich noch ein wenig dauern. Und so versuche ich aktuell, bis zu meinem Urlaub in der 2. Januarhälfte (den um Weihnachten herum musste ich absagen) ohne Crash durchzukommen. Momentan sieht es gut aus. Doch um diesem Chaos noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, hat es nun Papa N. ins Krankenhaus verschlagen. Auch da sieht es aber glücklicherweise nach etwas mehr Stabilität aus als zunächst angenommen – sowohl bei Papa N als auch bei meiner Krankenhausthematik, die mittlerweile therapeutisch begleitet wird.

In den letzten sechs Jahren saß ich an vier Silvestern an Krankenhausbetten. Ich möchte das nicht mehr, es reicht. Und gleichzeitig habe ich die letzten sechs Silvesters auch morgens auf der Feier mit Schanuf verbracht und abends auf der Feier mit Herzbruchs. So gerahmt lässt sich sehr vieles aushalten.

Den Urlaub – noch 13 Tage, 9 Arbeitstage bis dahin – möchte ich nutzen, um mich gut für alles, was 2026 bringt, gut aufzustellen. Äußerlich durch Ordnung und Vorbereitung – Unterlagen, Steuern, Reparaturen. Innerlich durch Schlaf und Gutgehenlassen.