(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)
Um 6 Uhr klingelte der Wecker, 15 Stunden von Haus verlassen bis Rückkehr, dazwischen haben wir Papa N. besucht und mit ihm Ostereier gefärbt, ein Fahrrad aus einem verwinkelten Keller ohne Licht und mit diversen Baustellen darin getragen und an der frischen Luft aufgepumpt, diverses Werkzeug und Geschirr Treppen hinuntergetragen und im Auto verladen, einen Sessel und einen kleinen Tisch ebenfalls.
Dann ging es zurück zu Papa N ins Pflegeheim, er schlief mittlerweile tief und fest und wachte kein bisschen davon auf, dass wir Stuhl und Tisch aus dem Zimmer trugen und durch die mitgebrachten ersetzten, zwei Bilder aufhängten (einmal mit Hämmern), einen Blumenkasten vor dem Fenster anbrachten, einen Krug mit Frühlingszweigen auf den Tisch stellten und einen Keramikhasen auf den Boden fallen ließen. Es gibt doch so Sendungen (oder Serien?), wo Leute kurz von zu Hause weggehen und wenn sie zurückkommen, ist alles generalüberholt. So kam ich mir vor. Also wie die Einheit, die das umsetzt.
Auf den Tischen im Speisesaal, ein paar Regalen im Allgemeinbereich und hier und da sonst verteilten wir auch noch guerillahaft Osterdekoration aus der Haushaltsauflösung von Papa N. Von uns möchte das niemand haben, also jedenfalls nicht alles, nur ausgewählte Teile. Die Personen, die es bemerkten (bei weitem nicht alle Anwesenden, es ist eben ein Pflegeheim) freuten sich, ein Herr fragte, ob er etwas für sein Zimmer haben dürfe und nahme ich ein ca. 30 cm hohes geringeltes Ei mit.
Anschließend speisten wir zum Osterfest sehr umfangreich an einem Asia-Buffet. Das kam uns allen sehr entgegen, denn sowohl vegane wie vegetarische Wünsche als auch Verlangen nach Fleisch und Fisch konnten gut abgebildet werden. Und es gab viel zu sehen. Ich sah eine Person, die Götterspeisewürfel als Topping für Sushi verwendete. Ich war irritiert und zugleich neugierig, hätte das auch probiert – das ist ja das Schöne an Buffets, dass man absolute Miniportionen nehmen kann zum Probieren! – doch war leider schon satt.
Wenn alles gut geht, wird die Haushaltsauflösung am kommenden Samstag beendet. Dann fahre ich eine Woche später nochmal zur Schlüsselübergabe und nach 22 Fahrten zu Papa N seit Weihnachten wird es dann hoffentlich ruhiger. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das überhaupt hinbekommen habe.
Im Auto hörten wir – unter anderem einen Podcast, in dem Giovanni di Lorenzo sagt, dass natürlich jeder Mensch gebraucht werden will. Ich widerspreche dem ganz klar und denke hier wird „gebraucht werden“ fälschlicherweise gleichgesetzt mit sozialer Eingebundenheit. Dabei kann man natürlich auch ohne asymmetrische Abhängigkeit, die ein „gebraucht werden“ nun einmal mit sich bringt, in Resonanz gehen oder wirksam sein. Mir ist Resonanz wichtig, mir ist gleichzeitig zu jedem Zeitpunkt Selbstbestimmung wichtig und „gebraucht werden“ komplett unwichtig. Ich musste die Fahrt kurz unterbrechen und auf einen Parkplatz fahren, um Herrn N und M dies in einem mehrminutigen Monolog mit viel Gestik zu erläutern.
