Allgemein

22. Juni 2026 – 11. Sommertag

Es ist ja nicht genug damit, dass es grotesk heiß ist. So kam es dazu, dass ich heute noch vor dem ersten Kaffee eine Strafanzeige stellte.

Gegenstand des Streits ist erneut ein Paket. Eines mit Vogelfutter im Wert von 47,24 Euro! Nicht zu Bobby geliefert, nicht zu Familie Spot, auch nicht zu mir sondern zu einer Nachbarin I. Dort wollte ich es heute abholen, traf dabei Nachbarin II an, die mir mitteilte, das Paket sei wohl da, doch Nachbarin I habe es geöffnet und den Inhalt an sich genommen. So weit, so crazy, ich wollte mehr erfahren und fragte, ob ich hereinkommen könnte. Nachbarin I war auch anwesend, schloss sich aber in ihrem Zimmer ein und öffnete auf Klopfen hin nicht, auch nicht auf Hämmern hin und – nicht ganz so erstaunlich – auch nicht auf Brüllen hin.

Ich verließ etwas ratlos den Tatort mit dem Plan, erst einmal ins Büro zu fahren und dort einen Kaffee zu trinken, dann kann ich besser denken. Auf dem Weg rief Frau Herzbruch mich an, weil in ihrem Umfeld glaube ich niemand außer mir 2-Faktor-Authentifizierung mit der Kreditkarte machen kann. So half ich ihr mit einer gerade eben zweistelligen Zahlung aus und berichtete von meinem Dilemma. Frau Herzbruch riet mir zunächst ab, die Angelegenheit weiter zu verfolgen, da Nachbarin I offensichtlich verrückt sei und eine Eskalation vielleicht unangenehm würde. Ich wandte ein, dass die Dame sehr klein und zierlich ist und ich schon daher nichts zu befürchten habe. Gut, sie sei verrückt. „Du aber ja auch“, erwiderte Frau Herzbruch. Das ist durchaus richtig, in Momenten akuter Gefahr war ich in Bezug auf Hemmungslosigkeit mit allen Irren, denen ich bisher begegnet bin, durchaus auf Augenhöhe.

Nach dem ersten Kaffee blickte ich aber schon wieder mit mehr Menschenliebe auf die Welt und rief zunächst einmal bei der Organisation an, die die betreffende WG betreut, um zu erfragen, was sie für die beste Vorgehensweise halten. Leider sagten sie, ich sollte bitte tatsächlich Anzeige erstatten, das sei in der gegebenen Situation am sinnvollsten. Also tat ich das. Und informierte dann noch den Versender und öffnete ein Ticket bei DHL mit der Frage, warum das Paket, für das weder Abstellgenehmigung noch irgendeine Vollmacht vorlag, überhaupt bei Nachbarin I abgegeben wurde. Man hat ja auch sonst nichts zu tun.

So ging der Tag schnell dahin, plötzich war es schon 16:30 Uhr und ich war noch nicht dazu gekommen, zu frühstücken und auch nichts vermisst. Die erleichternde Bürotemperatur von 22 Grad hatte zu so viel Wohlfühlen geführt, dass ich sämtliche andere Körperlicheiten nicht mehr wahrgenommen hatte. Sogar das Trinken hatte ich vergessen. Da um 19:30 Uhr eine Verabredung für Feierabenddrinks anstand, holte ich schnell das Frühstück noch nach und befüllte den Körper in der vebleibenden Zeit mit 2 Litern Wasser.

Die Verabredung war dann sehr schön, auch wenn alles klebte und schmierte und glibschte – nein, kein Sex, einfach nur Hitzesudern. Immerhin hatte ich keine Watte im Kopf. Vielleicht gewöhnt man sich die ständig leicht feuchte und überhitzte Haut mit der Zeit? Es ist ja erst Juni, es gibt sicher noch ausreichend Gelegenheit, das weiter zu erforschen.

21. Juni 2026 – 10. Sommertag

Ich habe noch etwas gefunden, was am Sommer gut ist, nämlich: der Tee wird morgens nicht so schnell kalt. Vielleicht habe ich das auch schonmal aufgeführt. Egal.

Nicht gut war meine Kleidungsbestellung, fast alles absolut hässlich. Vermutlich wäre es besser gewesen, wenn die Lieferung gekommen wäre, bevor meine absolut schlechte Laune eingesetzt hat. Ein paar wenige Kleidungsstücke waren hübsch, aber aus grauenhaftem Kunstfasermaterial. Es gibt ja mittlerweile auch Kunstfaser, die angenehm auf der Haut ist – bei dem Preis, der aufgerufen wurde, dachte ich, es handele sich um solche. Das war eine Fehlannahme. Ich habe jetzt genau eine weitere Bluse (Baumwolle) und eine weitere Culotte. Die Bluse ist schwarz-weiß und vermutlich mit dreien meiner Sommerhosen kombinierbar (zusammenspiel mit dem Schnitt muss überprüft werden, evtl. geht sie nur mit schmalen Hosen), die Culotte ist weinrot und somit mit allen meinen Oberteilen kombinierbar außer mit den roten und evtl. wegen der Weite nicht mit der neuen Bluse. So ergeben sich immerhin mit nur zwei Teilen ganz im Sinne meiner Capsule Wardrobe diverse neue Kombinationsmöglichkeiten.

Gestern hatte ich noch einen Moment der Menschenliebe am Ende des Fußballspiels. Es wurde ins Publikum gefilmt und da waren drei völlig normale Menschen mittleren Alters, also nicht überdurchschnittlich schön sondern ganz normal und sie hatten eine Deutschlandfahe und unten in den gelben (goldenen) Bereich mit vermutlich Edding ihren Herkunftsort geschrieben, Erkelenz oder Erpenweiler oder sowas, und sie waren glücklich. Man muss sich das genau vorstellen, da sind drei Leute (oder vielleicht vier oder fünf und die anderen waren nicht im Bild), die sich die Mühe machen, für ein Fußballspiel in USA/Mexiko/Kanada (keine Ahnung wo das gestern war) Karten zu kaufen und dahin zu reisen, Flugticket kaufen, Hotel buchen, Urlaub nehmen sicherlich auch, vermutlich bleibt man nicht nur kurz und muss auch noch wen finden, der den Hund nimmt oder die Katze füttert und die Blumen gießt, es ist ein gewisser Aufwand. Die Fahne beschaffen sie, um richtig jubeln zu können, Amazon oder Temu oder so und dann machen sie sich die Mühe, mit einem Filzschreiber da noch ihren Wohnort draufzuschreiben! Am Küchentisch oder auf dem Fußboden oder wo auch immer man sowas macht, vielleicht auch erst am Flughafen, vielleicht hatte einer die Fahne mit und einer den Filzschreiber und sie haben am Abend verabredet, dass sie das dann am Gate machen, weil man da sowieso immer so lange warten muss und dann haben sie da auf dem leicht schmutzigen Boden gekniet und am Ende noch den Automatenkaffeebecher umgeworfen, gut dass der nicht gegen den Handepäcksrucksack gekippt ist – ich schweife ab. Dass sie nicht geübt waren, sah man. Dass es nicht leicht ist, mit Filzschreiber auf Polyester zu schreiben, auch. Und das Ergebnis halten sie dann in die Kamera und freuen sich so richtig. Spätestens bei der Sache mit dem Filzschreiber wäre ich persönlich ja ausgestiegen. So etwas rührt mich.

20. Juni 2026 – 9. Sommertag

Die Herren spielen Fußball auf internationalem Niveau, da kann ich gut im Sessel sitzen und aufschreiben, wie fürchterlich schlecht alles am Sommer ist. Ich habe gerade zum zweiten Mal heute geduscht und glaube, was mir beim Tippen über die Kopfhaut läuft, ist kein Restwasser sondern Schweiß. Wobei ich gar nicht zum Schwitzen neige, ich glaube, das ist Teil meines Sommerproblems. Schweiß hilft ja dem Körper, abzukühlen und wer immer trocken herumsitzt wird rot und verbrennt irgendwann, innerlich oder äußerlich oder beides. Ich bin kurz vor Beidem. Um das Allerschlimmste zu verhindern, liegt auf meinem Kopf ein Kühlpack.

Die Wohnung habe ich heute nicht verlassen, denn es bietet sich natürlich an, an einem Tag, der sowieso schon keinen Spaß machen wird, noch andere Dinge zu tun, die keinen Spaß machen. So dass nicht ein weiterer Tag verschwendet wird. Also machte ich die Steuererklärung. Es war heute etwas aufwändiger als in den Vorjahren, weil ich mich das ganze Jahr über nicht befasst hatte und über mein eigenes Treiben erstaunlich unterinformiert war. Aber jetzt ist alles erledigt und wie jedes Jahr winkt ein wirklich beachtlicher Stundenlohn. Natürlich könnte ich irgendwas vorab eintragen lassen, so dass ich diese Steuern gar nicht erst zahle. Die Steuererklärung müsste ich dann aber erst recht machen und das, ohne dann ein tolles Endergebnis zu haben. Vermutlich würde ich sie dann immer verspätet abgeben und müsste Strafe zahlen. Deshalb ändere ich nichts.

Morgen mache ich auch wieder nichts. Bzw. ich muss zwei Ladungen Wäsche wasche und im Backofen (=Balkon) trocknen. Und Frühstücken, Mittagessen, Abendessen, mindestens 1x duschen. Das wird in dieser bleiernen Hitze wohl tagfüllend sein. Vielleicht stehe ich einfach gar nicht auf, ist ja auch egal

19. Juni 2026 – 8. Sommertag

Mein Büro hat noch eine angenehme Temperatur von gut 23 Grad. Das liegt daran, dass ich dauerhaft die Jalousien geschlossen halte. Immer mal wieder kommen Personen bei mir vorbei, auch morgens, die sich schon antizipativ beklagen, dass ihr Raum bald sehr warm sein wird. „Ich könnte das ja nicht, den ganzen Tag im Dunkeln sitzen!“ sagen sie dann. Anfangs sagte ich noch, dass sie sich halt entscheiden müssen, ob sie im Dunkeln und mäßig Warmen oder im Hellen und sehr unangenehm Warmen sitzen. Mittlerweile sage ich nur noch „Echt? Ich liebe das! Am liebsten hätte ich es zusätzlich auch noch brüllend heiß hier im Raum, aber das klappt dann irgendwie nicht!“

Später stand ein Mitarbeiter in meinem Raum, um sich zu beschweren, dass er nicht in ein Projekt eingebunden ist, das gerade gemütlich anläuft, nächstes Jahr Fahrt aufnimmt und ab Q3 quasi allumfassend wird. Ich antwortete wahrheitsgemäß, der Grund sei, dass er mich vor wenigen Wochen um ein Zwischenzeugnis gebeten hatte in Verbindung mit der Mitteilung, ich solle im zweiten Halbjahr nicht mehr mit ihm rechnen. Was ist denn los mit den Leuten? Wenn man die Jalousie im Sommer oben lässt wird es warm und wenn man sagt man kündigt kriegt man keine langfristigen Projekte, das ist doch nur logisch.

Was gut war heute: nach der Arbeit fand ich mein Fahrrad wieder. Ich wollte eigentlich morgens damit fahren, doch es stand nicht im Hof. Scharfes Nachdenken ergab zunächst einmal: nichts. Im Büro konsultierte ich meinen Kalender. Am Montag wollte ich Schwimmen, war daher mit dem Auto unterwegs. Am Dienstag fuhr ich mit dem Rad zur Arbeit und wieder zurück. Am Mittwoch ist der Hinweg ungeklärt, auf dem Rückweg nahm mich Fragmente mit. Am Donnerstag hatte ich morgens einen Termin mit Herrn N, danach setzte er mich am Büro ab. Somit schien es naheliegend, dass ich Mittwochmorgen mit dem Rad aufgebrochen war. Nur wohin genau, also an welche S-Bahn-Station und an welchen Ausgang davon? Ich hatte Glück und gleich der erste Versuch (Innenstadt, Ausgang Rathaus) war richtig!

Zum Chor schaffte ich es nicht, zu warm. Ich sah mich nicht in der Lage, den Raum mit ca. 30 weiteren 37-Grad-warmen Körpern zu teilen. Aus demselben Grund hatte ich auch am Mittag schon ein Meeting geschwänzt. Es gibt Grenzen dessen, was mir möglich ist. Dafür telefonierte ich auf dem Heimweg gleich zweimal mit Herzbruchs, Herrn und Frau, ganz unabhängig voneinander. Herr Herzbruch hatte mich angerufen und verpasst, als ich zurückrief, antwortete er nicht. Bevor ich mich nun sorgte, dass etwas mit Frau Herzbruch sei, rief ich einfach gleich sie an, um das zu erfragen. Es ging ihr gut, sie hatte ein schönes Thema zu besprechen, wegen desselben Themas rief auch Herr Herzbruch später nochmal an und wir besprachen einfach alles nochmal, warum sollte man über Schönes nicht zweimal reden. Anschließend grüßten sie einander von mir.

Was heute gut war am Sommer: ich musste bei meinen Telefonaten nicht in der anderen Hand einen Regenschirm balancieren und es gab keinen Wind, der mir das Telefon aus der Hand riss. (Sie sehen: ich bemühe mich!)

18. Juni 2026 – 7. Sommertag

Ich weiß ja nicht. Draußen gleißende, blendende Sonne, man schützt sich mit Sonnenbrille und am Ende noch einen Sonnenhut. Drinnen bunkert man sich ein, alle Fenster geschlossen oder bei Kachelmann-Fans auch nicht, jedenfalls aber die Jalousien und was man sonst so hat unten, man sitzt also im Dunkeln und vermeidet alles, was die Luftfeuchtigkeit oder -temperatur nach oben bringt. Die einen sagen dann auch noch, man solle die Sonnenbrille absetzen, wenn man irgendwo rein geht, also ich muss doch echt sagen, es sind der Zumutungen schon genug im Sommer, auch ohne 30x am Tag die Brille zu wechseln. Sowieso, warum soll man jetzt seine Augen zeigen, anderes aber wieder nicht, niemand soll sich die Hose ausziehen beim Betreten einer Kaffeebar, irgendwo verläuft da eine Grenze und ich weiß, Konventionen, aber was ich nur sagen will: das ist nicht naturgegeben, das ist erfunden und ich werde mich nicht wegen einer erfundenen Konvention noch mehr quälen als sowieso schon. Zum Glück trage ich gerne Hosen.

Jedenfalls, in der Häuslichkeit, pardon, im Bunker – also wir haben extra Fenster erfunden mit Glas drin und keine Wachlumpen mehr vor den Lüftungsöffnungen in den Häusern, es wäre echt schön, wenn man die nutzen könnte zum Rausschauen. Dieses Dämmerlich ist unangenehm unentschlossen. Violinista merkte es auf unserer letzten Reise schon an, ich bevorzuge lichtdurchflutete Wohnverhältnisse, gerne auch nachts und es ist absolut kein Widerspruch, dann eine Schlafmaske zu tragen. Jeder logisch denkenden Person erschließt sich das sofort. Schlafmaske abnehmen ist wie erweitertes Augenöffnen, aufstehen und Jalousie hochziehen ist wie ein anderes Leben.

Ich bin sehr unzufrieden. Für so weit mir der Wetterbericht angezeigt wird (Kachelmann natürlich) ist da nichts unter 30 Grad. Ich besitze derzeit nur drei Sommeroutfits, weitere befinden sich in einem Paket, das ich mir vorsorglich vor wenigen Tagen liefern ließ. Allerding wurde es weder zu Bobby geliefert noch zu USpot und schon gar nicht zu mir, sondern an „Hoffmann“, wohnhaft angeblich im selben Haus wie ich, mir (und dem Klingelschild) jedoch nicht bekannt.

Ich bin sehr schlecht gelaunt.

1. Juni 2026

Wie gesagt, ein weiteres Paket wurde bei Familie Spot hinterlegt. Heute war ich da. Es waren zwei ältere Herren im Laden, auch sie sahen sich ähnlich und sie waren genauso langsam, wie die jungen Leute neulich. Familie Spot ist fruchtbar. Ich sollte genau beschreiben, was für ein Paket ich erhalten habe. Schwer zu sagen, da es mir ja nicht zugestellt wurde, eigentlich müssten Herr Spot & Herr Spot mir sagen können, wie mein Paket aussieht. „Es steht mein Name drauf“, antwortete ich daher knapp. Herr Spot fand das den Witz des Jahrhunderts, er musste sich vor Lachen an der Theke festhalten. Ich hoffe sehr, dass er im Laufe seiner Geschäftsstätigkeit noch einen ganz bunten und unterhaltsamen Strauß an Kundschaft bekommt, so dass er noch bessere Witze hört.

Als Herr Spot sich gefangen hatte, verschwand er im Hinterzimmer. Ich musterte in dieser Zeit das Sortiment des Ladens. Es ist trostlos. Das übliche Tankstellen-Schokoriegelsortiment, das man gegenüber im Penny für ein Drittel des Preises kaufen kann und, das ist ja mein eigentliches Thema mit den Spots, zu denselben Uhrzeiten. Weil sie eben nicht, wie Bobby, immer geöffnet haben. Neben Schokoriegeln wurde minderwertige Kleinelektronik angeboten und Fertiggerichte in bereits verblichenen Packungen, obwohl es den Laden ja noch gar nicht lange gibt. Ich denke nicht, dass sich dieser Laden durch Verkäufe trägt. Ich höre Fragmente schon „Geldwäsche“ sagen. Eine schöne Abwechslung, Fragmentes Stimme im Ohr zu haben, Fragmente war heute ohnehin omnipräsent: geschlagene vierzig Minuten berichtete mir unsere gemeinsame Fußpflegefrau, wie gestresst und überlastet Fragmente derzeit sei. Es interessierte mich sehr mäßig.

Zurück zu den Spots. Der eine Herr Spot kam aus dem Hinterzimmer und behauptete, er habe mein Paket sofort als erstes in der Hand gehabt. Da er sich ja in dieser unfassbaren Langsamkeit durchs Leben schiebt, ist das durchaus möglich, denn er war „nur“ etwa fünf Minuten weg. Nachdem ich schon dreimal meine Hand ausgestreckt und wieder zurückgezogen hatte, bekam ich dann auch meinen Ausweis wieder überreicht, beidhändig mit einer leichten Verbeugung. Mir war schon fast, als würde Herr Spot mir die deutsche Staatsangehörigkeit verleihen. Ich hätte im Reflex beinahe die Nationalhymne angestimmt.

Nunja. Immerhin war kein Sommertag heute.

31. Mai 2026 – 6. Sommertag

Ja, es war schon wieder ein Sommertag, auch wenn der Wetterbericht anderes versprochen hatte. Aber wie meine Schwester gestern am Telefon schon sagte, als ich ihr vom angekündigten Gewitter mit Temperatursturz berichtete: „Das wird wieder nicht passieren, es passiert nie! Letzte Woche sagten sie 20 Grad, jetzt sagen sie 24 Grad, morgen sagen sie 26 Grad und dann werden es doch wieder 30“. Mit einer Verbitterung in der Stimme, wie andere Menschen über Politik oder über Männer sprechen. Ich war von beidem nie so enttäuscht wie vom Wetter.

Zudem ist ein weiteres Paket bei U. Spot gelandet. Ist das jetzt das neue Normal, dass Hermes-Sendungen bei Familie Spot ankommen und alles andere bei Bobby? Ich habe erst einmal Hermes gemailt, was das soll. Bei allen drei vermeintlichen Paketlieferungen war ich nämlich zu Hause. Ich glaube, da hat jemand keine Lust, die Pakete auszuliefern. Ich hingegen habe keine Lust, sie bei Familie Spot abzuholen. Zumal Familie Spot nur von 9 bis 21 Uhr arbeitet. Das reicht mir in den meisten Fällen nicht aus. Pakete hole ich bevorzugt entweder vor 8 Uhr oder gegen 23 Uhr ab. Und ich antizipiere schon, dass der nächste Smalltalks sich um mein Bestellverhalten drehen wird. In dem aktuellen Paket sind die Converse-Ballerinas in pink.

Ansonsten: ich finde weiterhin keine drei Dinge täglich, die am Sommer gut sind. Einzige Sache heute: der Amselgesang. Den mag ich wirklich sehr gerne.

Ich erinnere mich, erstmals eine Amsel ganz bewusst gehört zu haben, als ich mit einer Freundin abends im Garten spielte. Es war ein langer Sommertag und nun wurde es dämmrig, wir waren allein, die Erwachsenen irgendwo oben in der Wohnung, es waren Ferien, es gab keine Pläne und keine Verpflichtungen.

Der Amselgesang ist bei mir mit einem kindlichen Gefühl von absoluter Sicherheit, Sorgenfreiheit, Geborgenheit und gleichzeitig Freiheit verbunden. Und darin war schon eine leise Ahnung enthalten, dass dieser Zustand nicht für immer bleiben würde.

Heute weiß ich, dass er nicht geblieben ist. Aber wenn ich den Gesang der Amsel heute höre, hallt dieses Gefühl noch immer ein wenig nach.

29. Mai 2026 – 5. Sommertag

Der Tag gestern zählte nicht als Sommertag, es wurden (dort, wo ich war) nicht über 25 Grad. Ich bin sehr großzügig. Unter 26 Grad wird nicht gehasst.

Heute aber wieder. Und zudem fand heute eine weitere meiner Maßnahmen, den Sommer für mich erträglich zu gestalten, ihre Umsetzung.

Eins meiner Beschwernisse im Sommer ist ja Schuhwerk. Ich laufe gern und viel, ich trage daher gerne Sneakers und, es ist einfach so, ich glaube, die Entwickler der Chucks hatten meinen Fuß im Kopf, als sie den Schuh entworfen haben. Sitzt bei mir immer, keine Größenvariabilität, sitzt morgens, mittags, abends und ich kann darin laufen, so lange ich Lust habe. Ich trage auch noch ein paar andere Schuhsorten (genau gesagt: zwei) sehr gerne, die sind aber empfindlicher und deutlich teurer, ich laufe sie im Alltag in zwei Monaten durch, das tut hier aber alles auch gar nichts zur Sache. Die Frage ist eigentlich: worin kann ich denn im Sommer gut laufen? Also mal angenommen, ich gehe überhaupt raus. Am liebsten halte ich es mit Rio Reiser, aber eben nur in Bezug auf den Fuß, in Bezug auf das Drumherum bin ich viel angepasster. Und während ich als Teenager noch im Sommer Doc Martens (die hohen) trug, habe ich in den letzten Jahren herausgefunden, dass Ballerinas für mich ganz schlau sind, denn die kann man unter jeglichem Tisch sofort abstreifen. Nur halt nicht so wirklich gut darin lange Strecken gehen, dann sind sie auch sofort kaputt. Und da habe ich jetzt die Lösung gefunden, nämlich – Converse-Ballerinas. Heute kamen sie an, natürlich passen sie perfekt, natürlich kann ich hervorragend darin laufen. Ich habe gleich vier Farben bestellt. Sie waren deutlich reduziert, vermutlich sieht außer mir niemand das Potenzial. Ein weiteres Sommerproblem gelöst. Das war gut.

Der Weg dorthin erstaunlich erschwert, übrigens, denn das Paket wurde nicht in Bobbys Kiosk geliefert, sondern in den „U-Spot“. Wer nennt sich denn so? Herr U. Spot?? Bei Bobbys weiß man, woran man ist, da gehört der Kiosk Bobby. Was ist mit den Leuten?

Das Abholerlebnis bei U-Spot war sehr mittelmäßig. Laden mit Neonröhren und schlechter Lüftung, darin drei junge Männer, sie ähnelten sich (evtl. Familie Spot), der eine las meinen Vornamen vom Ausweis, sah mir in die Augen, nannte meinen Namen, stellte sich dann vor, es dauerte alles unnötig lang. Wobei er immerhin nicht schwindelte, als er sagte, der Name sei ihm schon aufgefallen, denn er wusste, dass zwei Pakete für mich da sind statt des einen, von dem ich wusste. Unnötigerweise wollte der dann mit mir Smalltalk machen zu den Paketen, die er noch zur Abholung vorhält, zählte mir die Anbieter auf, von denen sie kommen, es war höchst uninteressant, ich schreibe es hier auf, damit es aus meinem Kopf verschwindet: ungefähr gleich viel (nämlich sehr viel) Zalando und Otto, wenig Amazon, weil die ihren eigenen Lieferdienst haben. Ich fragte nach Zooplus, weil ich ja irgendwie nie anders kann als in Gespräche einzusteigen. Kannte er nicht. Ts.

Dann geschah etwas sehr lustiges. Und zwar hatte sich hinter mir (wenig verwunderlich) eine Schlange gebildet, und sie bestand aus lauter religiösen Menschen, das sah man deutlich – jedoch ganz unterschiedlicher Religionen. So, als sei in der Stadt heute interreligiöser Paketabholtag. Direkt hinter mir waren zwei junge Frauen mit Kopftuch, dahinter ein junger Mann in Kasaya, dahinter eine Frau und zwei Männer, die ganz sicher zu diesen Dingens der Letzten Tage gehörten.

Mir sieht man ja keine Religion an, wobei ich ja keine habe, auch das sieht man mir, behaupte ich, nicht an. Ich bin generell eher inkognito unterwegs. Man sieht mir auch nicht an, was für Musik ich höre, glaube ich, und auch nicht, was ich beruflich mache oder was meine Hobbys sind. Vielleicht bin ich die komische Person, irgendwie etwas paranoid, dass ich in der Öffentlichkeit so quasi getarnt bin.

27. Mai 2026 – Sommertag 4

Heute fiel mir noch etwas ein, was gestern am Sommer gut war. Mein Blick hat sich offensichtlich über Nacht schon etwas geschärft. Gut war, dass Fragmente mir sagte, ich trüge ein schönes Sommeroutfit. Im Winter hätte sie das vermutlich nicht gesagt.

Heute waren zwei Sachen am Sommer gut. Zum einen hatte das Freibad in Neu-Isenburg geöffnet (ich kann es mir leicht machen und jeden Tag ein anderes Freibad der Region aufsuchen, dies dann lobend erwähnen). Und auf dem Rückweg von diesem Freibad, in dem ich natürlich im Winter nicht gewesen wäre, zeigte ein inoffizielles Geschwindigkeitsmessschild mir „Danke“ an. Ich liebe diese Schilder und möchte immer von ihnen gelobt werden, immer das Danke oder den Daumen hoch oder den lachenden Smiley bekommen. Wenn ich mal – das passiert ganz selten – den traurigen Smiley bekomme, drehe ich um und fahre nochmal dran vorbei. Ich kann das sonst nicht aushalten.

Um die Leserschaft informiert zu halten möchte ich noch erwähnen, dass Person 2 ihr Arbeitsprodukt noch immer nicht hat. Wir sprachen am 15. Mai darüber, damals lief die Angelegenheit schon seit vier Tagen. Vorgestern, also Montag, kam ein ganz kleines bisschen Bewegung in die Sache, als Person 2 nämlich in mein Büro kam und sagte, sie schulde mir eine Mail, also eine Antwort, doch hätte heute keine Zeit. Ich schob mit dem Finger eine Augenbraue hoch. Die Vorstellung, ich hätte in dieser Angelegenheit irgendeine Interessenlage, schien mir einigermaßen avantgardistisch.

Gestern kam die Person wieder in mein Büro, schloss die Tür, rutschte melodramatisch halb daran herunter, vergrub das Gesicht in den Händen und sagte, sie müsse jetzt wirklich diesen Vorgang voranbringen, den Antrag formulieren, doch es sei alles so unglaublich kompliziert und sie habe niemals gewusst, dass sie sich bei Erreichen der lang ersehnten und kürzlich erklommenen Stufe der Karriereleiter mit SO ETWAS befassen müsse. Ich wiederholte noch einmal, dass ich den Antrag formulieren kann, dazu nur ein paar Informationen benötige, die ich jetzt auch gleich im Gespräch erfragen konnte. Also stellte ich meine Fragen. Statt sie knapp und sachlich zu beantworten wurde Person 2 sehr emotional, es sei alles nur so, weil eben immer alles so unangemessen verkompliziert und undurchdringlich sei und sie selbst von unglaublichem Pech verfolgt. Ich sagte „jaja, ich brauche nur die Fakten“, versuchte, sie herauszuhören, formulierte daraus den Antrag, schickte ihn Person 2 zur Durchsicht per Mail und bat sie, wegzugehen, die Mail zu lesen und mit dem geballten Hintergrundwissen, über das eben nur Pereson 2 verfügt, den Feinschliff vorzunehmen.

Das war gestern Mittag. Es geschah dann nichts weiter bis heute um 16:48, als Person 2 anrief und fragte, wie lange ich noch da sei, damit wir uns ihrer Sache noch einmal widmen, sie würde jetzt sehr bald meine Mail lesen. Ich antwortete, das sei noch exakt 12 Minuten lang der Fall, dann würde ich ins Freibad aufbrechen. „Das schaffe ich!“ rief Person 2 enthusiastisch.

Ich habe seither nicht wieder etwas gehört.

Sommertag 3

Es ist schon der dritte Sommertag in diesem Jahr. Ich hatte mir am ersten Sommertag – er kam recht überraschend, schnell überlegen müssen, wie ich mich in diesem Jahr zum Sommer verhalten. Schnell wurde klar, dass auch dieses Jahr wieder schlechte Laune angezeigt sein wird. Zusätzlich wollte ich aber an jedem Tag drei gute Sommerdinge festhalten, damit ich nichts übersehe, wer weiß, vielleicht wird Sommer doch noch was für mich, man darf sich verändern.

Das hat bisher nicht geklappt. Also der Teil mit der schlechten Laune schon, der mit den drei guten Sommerdingen am Tag aber nicht. Es ist Tag 3 und ich bin erst bei zwei guten Dingen insgesamt, nämlich 1. Der Badesee ist geöffnet und 2. Auf den Schwimmbadpommes war so viel Salz, dass ich mir an diesem Tag über Salzmangel keine Gedanken machen musste.

Mehr konnte ich beim besten Willen noch nicht finden, ich werde meinen Blick noch schärfen müssen. Das schreibe ich bewusst hier, um Druck aufzubauen, denn Druck beflügelt mich.

Das Wasser im Badesee hatte angenehme 18 Grad, ich schwamm eine Stunde darin herum, dabei kam der Wunsch in mir auf, in einem großen See zu schwimmen oder durch einen großen See zu schwimmen. Daher informierte ich mich abends über Schwimmevents. Es gibt im August eine Atterseequerung, die ich spannnend finde, das ist aber ziemlich weit weg und die Startplätze wohl immer innerhalb weniger Minuten vergeben. Die übrigen Events, die ich fand, schienen mir sehr kompetitiv, ich möchte mich nicht hetzen sondern einfach in Ruhe durch einen großen See schwimmen. Das kann man am Bodensee machen, indem man sich alles mögliche an Personal selbst anmietet, das ist dann sehr exklusiv in jeder Hinsicht.

Ein möglicherweise passendes Event gibt es in Düsseldorf, nicht im Rhein (wäre mir auch zu dreckig) sondern im Unterbacher See. Sogar passende Streckenlängen, noch freie Plätze und ein (halbwegs) passender Termin. Es wird aber erst ein paar Tage vorher anhand der Wassertemperatur entschieden, ob es eine Neoprenpflicht gibt und, wirklich, ich halte es für ausgeschlossen, dass ich mich in Neopren hülle, alles daran stößt mich ab, lieber schwimme ich nicht. So kann man sich, falls diese Pflicht verhängt wird, dann natürlich auch entscheiden, kurzfristig, das Startgeld ist dann aber weg. Ich werde diese Events noch eine Weile beobachten, um eine bessere Einschätzung zu haben. Übrigens: bisher ist nur ein einziges Team, und zwar männlich, für die Staffel angemeldet. Sollte sich ein weibliches Team finden, das mit mir dort die Staffel schwimmen will, hätten wir (Stand heute) hervorragende Chancen auf die Goldmedaille! Auch, wenn wir ganz gemütlich schwimmen.