10. Mai 2026 – Vorletzter Urlaubstag

„Cola mit Zero?“ fragt der freundliche Kellner die Frau am Nebentisch und ich zuckte. Sofort schreie ich „Liebe Frau nur ein paar Jahre älter als ich oder vielleicht auch nur mehr in der Sonne gewesen, bitte halten Sie einen Moment inne, diese Millisekunde, damit Sie jetzt nicht automatisiert wie ein Sprachmodell antworten, Sie sind allein hier und nicht nebenher am Telefon und lesen auch nicht, Sie müssen keine Sidequests wie Bestellungen automatisiert abwickeln, bitte, bitte nehmen Sie sich diese Millisekunde, die Situation zu verstehen, die sprachliche Ungewöhnlichkeit zu genießen und dann ganz schlicht das zu bestellen, was Sie möchten.“ Vor der Frau auf die Knie sinke ich quasi.

Aber es ist zu spät. Sie kennen das, wenn das Leben sich wie eine Filmszene vor Ihnen ausbreitet und Sie „Cut!“, „Cut!!“, „CUT!!!“ brüllen wollen und wutentbrannt den Regiestuhl durch den Raum werfen, das Set tobend verlassen.

Die Frau hielt nicht inne, sie sagte „ja, nee, äh, meinen Sie…?“ und der Kellner sagte „was? also… – achso…“, Füllworte und Ellipsen umschwirrten meinen Kopf wie Fruchtfliegen und ich war davon genervt. Ich war gelangweilt von der Vorhersehbarkeit, angeekelt vom zähen folgenden Gesprächsverlauf. Und natürlich am allermeisten traurig um die liegengelassene Chance.

Natürlich hatte ich außerdem nur innerlich geschrieen.

Zu den positiven Aspekten des letzten Urlaubstags: ich trank eine Birnen-Salbei-Limonade und konnte plötzlich wieder Birne schmecken. Wie toll ist das denn, das Schmecken ausgerechnet mit Birne wieder zu beginnen? Ich liebe Birne!

Ich fühle mich jetzt auch wieder sicherer. Vorgestern oder so, irgendwann kurz nach Fieber, räumte ich den Kühlschrank auf. Ich konnte weder schmecken noch riechen, es wäre der optimale Zeitpunkt gewesen, mich zu vergiften, entweder für andere oder natürlich auch versehentlich durch mich selbst. Ich betrachtete abgelaufenen Frischkäse, er hatte keine verdächtigen Stellen, ich roch – nichts, ich probierte vorsichtig und es hätte auch Niveacreme oder Deckweiß sein können, keine Ahnung. So hielt ich mich bei allem strikt ans Mindesthaltbarkeitsdatum, das man natürlich auch erst einmal finden und erkennen muss. Und ihm dann noch vertrauen.