An irgendeiner Stelle habe ich mich verzählt, es waren nämlich nur noch 10 Arbeitstage. Das ist gut, denn ich zerbrösele so langsam.
Mit der neuen Assistentin läuft es gut, ich glaube, sie hat Spaß an ihrem Aufgabentortenstück.
Ich hatte heute auch Spaß an einer Aufgabe. Ich hatte sie länger aufgeschoben, da sie Vertiefung erfordert (also außer, man nimmt sich mehrere Tage halbherzig Zeit, das würde auch gehen, das kann ich aber nicht) und für Vertiefung war bisher keine Zeit. Heute aber. Gegen 11:30 begann ich, und als ich das erste Mal aus dem Tunnel wieder auftauchte, weil ich im Prinzip fertig war, war es kurz vor 17 Uhr. Und ich hatte noch gar nichts gegessen. Superdumm.
Am Liebsten hätte ich gleich noch eine weitere Sache angefangen, für die ebenfalls längere Vertiefung notwendig ist. Das wäre um 17 Uhr noch dümmer gewesen. Aber halt auch so schön! Ich war hin- und hergerissen, letztendlich entschied der Computer für mich, der ausgerechnet in diesem Moment ein Update mit Neustart einforderte.
Ich bereitet mir einen großen Capuccino zu und fühlte mich dann ausreichend gestärkt, um per Rad nach Hause zu fahren. Es ist verblüffend. Ich erinnere mich an Jahre – oder an Zeiten – in denen ich den Weg als milde bis etwas anstrengend empfand. Derzeit ist es, als würde ich fliegen, ich bin bei Ankunft kein bisschen erschöpft und gleichzeitig auch nicht so energetisiert wie bei vielen anderen Tätigkeiten, das kippt bei mir ja schnell mal. Ich bin einfach nur entspannt, so als hätte ich eine Weile geschlafen. Wo im vorletzten Jahr nochmal am Abend die Beine steif wurden oder im letzten Jahr beim Fahren die Handgelenke kribbelten, ist jetzt einfach: nix. Bei gleichem Fahrrad. Ob das alles vom Schwimmen kommt?
Auf dem Heimweg gingen mir Gedanken durch den Kopf. Warum es mir zum Beispiel freitags nochmal besonders leicht fällt, auf Mails, die ich – weil sie nerven – länger liegen gelassen habe, zu reagieren. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Ansprüche sinken. Wo ich zum Anfang der Woche noch denke, dass mir im weiteren Verlauf des Lebesns vielleicht eine harmoniefähigere Formulierung einfallen könnte oder eine grundsätzlich andere, konsensfähigere Idee, glaube ich am Ende der Woche daran nicht mehr und möchte den Vorgang nur um Himmels Willen nicht am Montag immer noch bei mir vorfinden. Also weg damit, so, wie es eben gerade aus den Finger kommt. Freitagnachmittagmails von mir sind also in der Regel eher ungeschönt, was sie – das habe ich auch schon beobachtet – nicht unbedingt weniger wirkungsvoll macht. Ich werde zukünftigt auch ab und an mal dienstags oder mittwochs versuchen, meine Freitagnachmittagpersona hervorzulocken.
Auch fragte ich mich auf dem Heimweg, warum ich mich – also in diesem Moment gefühlt – privat seit 2018 eigentlich immer bei so gut wie allen Themen tendenziell sorge, beruflich hingegen so gut wie nie irgendeine Art von innerem Alarm verspüre. Meine erste spontane innere Antwort ist, dass mir eben die privaten Themen wichtiger sind als die beruflichen und ich gleichzeitig stärker auf inneren Druck als auf äußeren reagiere. Was ich daraus mache, weiß ich noch nicht.
Zu Hause wurden Möhren karamellisiert. Ich liebe karamellisierte Möhren.
