21. April 2026 – 3. Arbeitstag vor Urlaub
Der 3. Arbeitstag vor dem Urlaub fand ganztägig in einer Konferenz außer Haus statt. Gestern dachte ich noch, das ist alles etwas viel und ich werde mit niemandem sprechen können, aber das war eben auch nach nur 4 Stunden Schlaf. Heute war es super. Es gab viele Stehtische und Frühstück, Mittagessen und Kaffeekuchen fanden an diesen Stehtischen statt, so dass man immer den Tisch wechseln und viele Leute kennenlernen konnte.
Was mir auffiel: Viele Frauen machen, wenn sie in einen Vortrag zu spät kommen oder zwischendrin aus irgendeinem Grund hinausgehen, in überzeichneter Form hastige Tippelschritte oder Schleichbewegungen. Männer nie. Einer, der zu spät kam, unterbrach sogar den Vortragenden mit einem Lauten „Hallo zusammen!“ Ich hatte insgesamt viel Freude daran, diese Dynamik (und weitere) zu beobachten. Es machten natürlich nicht alle Frauen Tippelschritte. Aber eben auch kein einziger Mann.
Bei jedem Gang zur Toilette freue ich mich zum einen über die Aussicht (48. Stock) und haderte dann mit meiner Frisur. Ich hatte nämlich für 17 Uhr einen Friseurtermin gehabt, aber ihn am Sonntag abgesagt, denn am Sonntag war ich mit meiner Frisur außerordentlich zufrieden. Schon Montag aber nicht mehr, keinesfalls und heute morgen versuchte ich, irgendwie den Sonntag nochmal zu reproduzieren aber es gelang mir nicht. Die Haare müssen ab. Ich erklickte mir online den nächsten freien Termin (Donnerstag), war am Nachmittag aber so weit, dass ich im Salon anrief und fragte, ob sie eventuell gerade nichts zu tun haben. Das war nicht der Fall, sehr schade.
Statt dessen ging ich zum Augenbrauenzupfen, das hätte auch noch eine oder zwei Wochen Zeit gehabt aber ich sah durch das Fenster meine Lieblingszupferin, die lange nicht da gewesen war. Es ergab sich eine lustige Situation, aus irgendeinem Grund – ich weiß ihn nicht, das Gespräch war erst in einer Sprache, die ich nicht verstehe – ging es darum, ob man rückwärts gehen kann oder nicht und ich wurde dann (auf Deutsch) einbezogen und ja, natürlich kann ich rückwärts gehen! Eine Frau im Salon aber nicht, also meinte sie, und so gingen wir alle auf die Straße (Fußgängerzone) um das Rückwärtsgehen zu zeigen oder auszuprobieren, also fünf Frauen, davon vier mit Henna auf den Augenbrauen und eine mit Wachs auf der Oberlippe. Das war sehr lustig. Die eine Frau konnte wirklich nicht rückwärts gehen, wir hielten sie an den Armen, damit sie ein bisschen üben kann.
Auf dem Heimweg sah ich, dass das Eiscafé wieder geöffnet ist. Also kaufe ich Eis und schwatzte mit der Besitzerin, die dort schon ist, so lange ich mich erinnern kann. Sie erzählte, sie sei froh, zurück zu sein, es sei gar nicht mehr schön in Italien, seit ihr Mann verstorben ist – das war vor drei oder vier Jahren. Nun sei sie dort immer ganz allein. Ich fragte, warum sie denn dann überhaupt im Winterhalbjahr nach Italien fährt und nicht einfach hier bleibt. „Weil ich das schon immer so gemacht habe!“, sagte sie resolut.
Dann unterhielt sie sich mit ihrem Sohn auf Italienisch. Der Preis für die Kugel Eis ist nämlich leicht gesunken, dafür gibt es jetzt „Premium-Sorten“, die mehr kosten – z.B. alles mit Pistazie oder mit Nüssen. Man muss sich also gut merken, was genau gekauft wird und dann rechnen und das fand die Eisverkäuferin „un’idea stupida“ und sagte ihrem Sohn, der dieses Verfahren wohl erfunden hatte, er müsse dann jetzt den ganzen Tag neben ihr stehen und mir ihr abrechnen. Ich freute mich, dass ich das alles verstehen konnte.
Später war ich noch im Supermarkt und kaufte eine Dose Kichererbsten, dabei bezahlte ich mit einem 100-Euro-Schein. Hintergrund ist, dass in der Ankündigungsmail für das kommende Gesangswochenende stand, man „empfehle“ Bargeld für die Nutzung von Getränke- und Snackautomat sowie für die Bar mitzubringen.
Die Wortwahl finde ich komisch. Wenn man auch anders zahlen kann, ist mir uńklar, warum Bargeld empfohlen wird, an Automateń ist die Zahlung mit Scheinen, wie sie nunmal aus Bankautomaten kommen, meist ja nicht so einfach, man müsste also wenn, dann wohl „Münzgeld“ empfehlen, wenn überhaupt eine Empfehlung für ein Zahlungsmittel angemessen ist. Anders ist der Fall natürlich, wenn man nur bar zahlen kann, dann würde ich erwarten, man schreibt „an unseren Automaten und in der Bar ist nur Barzahlung möglich“.
Angesichts dieser Unsicherheit googlete ich sofort, ob ein Supermarkt dort in Laufnähe ist. Das ist nicht der Fall. Somit könnte ich mir aussuchen, ob ich auf Violinista zwecks Fahrt zum Supermarkt angewiesen bin oder ob ich auf Violinista angewiesen bin, um mir mit Bargeld (das sie nämlich immer hat) auszuleihen. Beides schränkt mich ein bisschen in meinen Optionen ein, falls ich mich möglicherweise mit ihr überwerfen und erst kurz vor der Heimfahrt (sie fährt mich nämlich) dramatisch wieder versöhnen will. Nicht, dass ich das allgemein vorhätte, doch warum den Handlungsspielraum unnötig verengen.
Ich zog also einen Geldschein aus dem Bankautomat, an dem ich heute vorbeikam und wollte ihn dann beim Kauf der Dose Kichererbsen (die ich tatsächlich benötige) in passenderes Bargeld für Snackautomaten umwandeln. Dabei wurde ich gemustert wie eine höchst suspekte Person und es wurde noch eine weitere Supermarktperson herbeigerufen, um den Schein einer Prüfung zu unterziehen. Ich „empfehle“ Bargeld zum Einkauf im Supermarkt also jedenfalls nicht.
