27. Mai 2026 – Sommertag 4

Heute fiel mir noch etwas ein, was gestern am Sommer gut war. Mein Blick hat sich offensichtlich über Nacht schon etwas geschärft. Gut war, dass Fragmente mir sagte, ich trüge ein schönes Sommeroutfit. Im Winter hätte sie das vermutlich nicht gesagt.

Heute waren zwei Sachen am Sommer gut. Zum einen hatte das Freibad in Neu-Isenburg geöffnet (ich kann es mir leicht machen und jeden Tag ein anderes Freibad der Region aufsuchen, dies dann lobend erwähnen). Und auf dem Rückweg von diesem Freibad, in dem ich natürlich im Winter nicht gewesen wäre, zeigte ein inoffizielles Geschwindigkeitsmessschild mir „Danke“ an. Ich liebe diese Schilder und möchte immer von ihnen gelobt werden, immer das Danke oder den Daumen hoch oder den lachenden Smiley bekommen. Wenn ich mal – das passiert ganz selten – den traurigen Smiley bekomme, drehe ich um und fahre nochmal dran vorbei. Ich kann das sonst nicht aushalten.

Um die Leserschaft informiert zu halten möchte ich noch erwähnen, dass Person 2 ihr Arbeitsprodukt noch immer nicht hat. Wir sprachen am 15. Mai darüber, damals lief die Angelegenheit schon seit vier Tagen. Vorgestern, also Montag, kam ein ganz kleines bisschen Bewegung in die Sache, als Person 2 nämlich in mein Büro kam und sagte, sie schulde mir eine Mail, also eine Antwort, doch hätte heute keine Zeit. Ich schob mit dem Finger eine Augenbraue hoch. Die Vorstellung, ich hätte in dieser Angelegenheit irgendeine Interessenlage, schien mir einigermaßen avantgardistisch.

Gestern kam die Person wieder in mein Büro, schloss die Tür, rutschte melodramatisch halb daran herunter, vergrub das Gesicht in den Händen und sagte, sie müsse jetzt wirklich diesen Vorgang voranbringen, den Antrag formulieren, doch es sei alles so unglaublich kompliziert und sie habe niemals gewusst, dass sie sich bei Erreichen der lang ersehnten und kürzlich erklommenen Stufe der Karriereleiter mit SO ETWAS befassen müsse. Ich wiederholte noch einmal, dass ich den Antrag formulieren kann, dazu nur ein paar Informationen benötige, die ich jetzt auch gleich im Gespräch erfragen konnte. Also stellte ich meine Fragen. Statt sie knapp und sachlich zu beantworten wurde Person 2 sehr emotional, es sei alles nur so, weil eben immer alles so unangemessen verkompliziert und undurchdringlich sei und sie selbst von unglaublichem Pech verfolgt. Ich sagte „jaja, ich brauche nur die Fakten“, versuchte, sie herauszuhören, formulierte daraus den Antrag, schickte ihn Person 2 zur Durchsicht per Mail und bat sie, wegzugehen, die Mail zu lesen und mit dem geballten Hintergrundwissen, über das eben nur Pereson 2 verfügt, den Feinschliff vorzunehmen.

Das war gestern Mittag. Es geschah dann nichts weiter bis heute um 16:48, als Person 2 anrief und fragte, wie lange ich noch da sei, damit wir uns ihrer Sache noch einmal widmen, sie würde jetzt sehr bald meine Mail lesen. Ich antwortete, das sei noch exakt 12 Minuten lang der Fall, dann würde ich ins Freibad aufbrechen. „Das schaffe ich!“ rief Person 2 enthusiastisch.

Ich habe seither nicht wieder etwas gehört.

12 Kommentare zu „27. Mai 2026 – Sommertag 4“

  1. Person 2 hört sich an wie meine Kollegin – fachlich super, menschlich schwierig und jedes Thema muss von mindestens fünf Seiten betrachtet werden, auch wenn es nur zwei gibt.

  2. ich muss zugeben, dass es in meinen arbeitsleben schon bereiche gab, in denen ich mich auch kompliziert angestellt habe. der kopf blockiert da vollends – es ist ein wenig so, wie manche menschen prüfungsangst beschreiben. ich kann dieses verhalten also einerseits schmerzlich nachempfinden.

    allerdings habe ich es bislang geschafft, die dazugehörende melodramatik mit mir selbst (und nicht der chefinnenebene) durchzuspielen. und – wenn die gleiche art von aufgabe mich wiederholt blockiert und es nicht leichter wird – den aufgabenbereich (und notfalls job) zu wechseln.
    denn grade wenn es sich über tage und wochen zieht, kann ich berichten, dann schlecht zu schlafen und das ist dann doch auch nicht gut. vor allem weil ich weiß, dass es eine ganze reihe an aufgaben und arbeit gibt, die ich mit leichtigkeit machen kann.

  3. Ha, diese lachenden oder wütenden Smiley-Schilder sind genau mein Thema!
    Auch ich bin immer ganz selig, wenn die mich anlächeln.
    Aber andererseits auch abgrundtief beleidigt, dass sie mich missbräuchlich bestrafen mit ihrem wütenden Blick. Und ärgerlicherweise gibt es davon gleich 3 Stück ganz in der Nähe von meinem Zuhause und wenn ich Pech habe, je nachdem, woher ich komme, fange ich mir auf dem Heimweg unberechtigter Weise gleich 3 wütende Smileys ein.
    Denn die messen die Geschwindigkeit schon deutlich früher, als die Geschwindigkeitsbegrenzung beginnt. Ich werde also im Tempo 70 Bereich bereits wütend angesmiled, wenn ich da 70 fahre und erst ganz kurz vor dem Tempo 50 Schild bekomme ich ein Lächeln. Ebenso bei den beiden Übergängen von 50 auf 30.
    Das prangere ich an! Aber sowas von! Und gleich dreimal kurz nacheinander. Unerhört!

  4. Gibt’s die Möglichkeit, dass Person 1 ganz nebenbei gegenüber Person 2 erwähnt, wie einfach und unkompliziert dieser Antrag mit Frau Ns Unterstützung über die Bühne ging?

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