4. November 2026 – Frieren

Wie bereits erwähnt, friere ich seit dem 1. September 2026. Und habe vorher meiner Erinnerung nach so gut wie nie in meinem Leben gefroren, außer einmal, als ich mit Violinista bei 14 Grad Wassertemperatur länger, als wir beide vorher vereinbart hatten, in der Nordsee schwimmen ging und einmal, als ich Ende November mit dem Zug nach Kassel fuhr und – weil Wohnung und Unterkunft direkt am Bahnhof lagen und das Seminar zwischendrin in 5 Minuten fußläufig war – keine Jacke mitnahm und der Zug dann gegen 23 Uhr bei Schnee in Bad Soden-Salmünster verreckte und es kein Bahnhofsgebäude und keine offene Gastronomie gab. Vielleicht gab es noch ein paar weitere Gelegenheiten, nichts alltägliches jedenfalls.

Seit dem 1. September 2026 friere ich durchgehend. Ich selbst betrachte mich als eine neue Evolutionsstufe des Menschen, die sich an den Klimawandel anpasst. Alle, denen ich davon berichte, lachen und sagen etwas wie ja, schon Evolutionsstufe aber halt der eigenen Person Richtung Alter. Was immer es ist: es kommt vermutlich zu einem günstigen Zeitpunkt.

Ich bin mittlerweile stolze Besitzerin von 10 Unterhemden. Und komme mir damit vor, wie ein Kindergartenkind, auch wenn sie natürlich nicht aus geblümter Baumwolle sind. Sicher kann man Unterhemden auch cool tragen, wie zum Beispiel Mek bei Rocky die Lesung. Vermutlich braucht man dazu Tattoos, die habe ich nicht und man würde sie ja auch nicht sehen, weil ich noch mindestens zwei weitere Kleidungsschichten über das Unterhemd ziehe.

Meine Schlafmützen sind auch heute angekommen und werden morgen früh durch die Waschmaschine laufen, morgen Abend hoffentlich einsatzbereit sein.

Und ich habe mir von meiner Schwester Socken, die über den Knöchel gehen, zu Weihnachten gewünscht! Endlich ein sinnvoller Geschenkwunsch. Socken kaufen ist höchst uninteressant und komplex, wie ich gleich erläutern werde, und die Preise für das, was mir vorschwebt gefallen mir nicht. Zur Komplexiät: Ich imaginiere eine Socke vor, die den Fuß eng umschmiegt, aber am Bündchen oben nicht einschneidet und die aus feinem, angenehmen Material ist, so dass sie auch in Business-Schuhe passt. Die Socke soll hochwertig aussehen und sich hochwertig anfühlen. Die Farbe ist uni, nicht aus dem gelb-braun-beige-Spektrum und nicht dunkelblau, weil ich dunkelblau im morgendlichen Dämmerlicht häufig mit schwarz verwechsele, und es möchte wirklich niemand dunkelblaue Socken zu schwarzen Hosen tragen. Und das Material ist keinesfalls Wolle, weil ich sie dann garantiert sofort kaputtwasche.

Das alles teilte ich meiner Schwester mit, in einer länglichen Nachricht, und dass ich vermutlich insgesamt 10 Paare benötige für einen guten Start, diese 10 Paare aber nicht alle zu Weihnachten erwarte, denn die sind ja teuer. Ich habe auch noch Geburtstag und dann ist schon Ostern, es wird Gelegenheiten geben. Und wenn ich meine 10 Paare beisammen habe, befinde ich mich vermutlich schon weiter auf der Leiter der Evolution und muss sofort zu Kniestrümpfen übergehen, irgendwann kommen Strumpfhosen oder lange Unterhosen und noch ein Jahr weiter kann sie mir Stulpen stricken oder einen Poncho oder sowas.

Alles ganz hervorragend. Ich friere gern.