25. Juni 2026 – 14. Sommertag

Eigentlich ist die Hitze ganz okay. Also jedenfalls, wenn man alle Vorstellungen, die man je vom eigenen Leben hatte, fahren lassen hat.

Heute kamen wieder um 8 Uhr die Handwerker. Der ganz alte Mann war wieder da, diesmal mit einem anderen jungen Mann. Wieder wurde viel über das gekichert, was in den Wänden vorgefunden wurde. „Hihihi guck mal da!“- „Wieso haben die das nur so gemacht?“ – „Hihihi was für ein Unsinn!“ – „Hihihi da auch!“ Den alten Mann konnte ich mit Maracujalimonade ködern. Die kannte er noch nicht und fand sie gut. Der junge Mann trank alles.

Wie geplant wurden sie gegen Mittag fertig, also mit ihrem Auftrag, das Bad an sich ist nicht fertig. Aber uneingeschränkt nutzbar, genau wie alles andere, was mit Wasser zu tun hat, das ist ja erst einmal die Hauptsache. Und wir haben zwar ein paar fehlende Fliesen, dafür jedoch nun eine Sprech- und Sichtverbindung zu den Nachbarn unten drunter und die sind sehr nett. Wir schreiben uns sonst immer WhatsApp, da können wir jetzt viel einfacher immer von Bad zu Bad rufen. Die Handwerker wollten das so lassen, weil „der Rest ja sicher auch zügig erledigt wird“. Ich glaube im Handwerksbereich nicht an „zügig“ und bat darum, wenigestens dafür zu sorgen, dass die Katze nicht durch das Loch fallen kann. Auch wenn die Nachbarn von unten sie ja im Urlaub immer füttern. Ich könnte nachts nicht ruhig schlafen. Das verstanden die Handwerker und bauten eine Vorrichtung aus Panzerband und Abdeckvlies.

Rasch brach ich dann auf ins Büro, denn ich hatte um 15 Uhr einen Termin und musste vorher noch eine Eislieferung aus der Cafeteria auslösen. Ich stieg ins Auto, dass Herr N mir zuvorkommend – er wusste um meine Eile – im Hof direkt vor dem Haus geparkt hatte statt in der Garage. Es hatte eine Million Grad. Ich stieg ein, mir wurde sehr, sehr heiß, üblicherweise schwitze ich ja nicht, doch diese Hitze bewirkte, dass ich nach kurzer Fahrzeit quasi innerlich aufplatzte, meine Schweißdrüsen oder was auch immer, und binnen weniger Sekunden saß ich in Schweiß. Schwindlig und übel wurde mir auch, an Weiterfahren war nicht zu denken, ich hielt bei der nächsten Gelegenheit an, es war ein Supermarktparkplatz, und ich ging sofort in den Bereich mit den Kühltheken. Schon ging es mir wieder gut. Wo ich nun einmal da war, ging ich zu den Wassermelonen. Ich möchte seit längerem Wassermelone kaufen, weiß aber nie welche, zu viel Auswahl. In diesem Supermarkt wurde das Problem nun für mich gelöst, denn ein Herr – kein Marktpersonal, sondern Kunde oder Ehrenamtler – stand an dem riesigen Karton mit den Wassermelonen, beklopfte sie alle und reicht mir eine mit den Worten „die hier geht“. Woher er das wisse, fragte ich – na durch das Klopfen natürlich. Ich erkundigte mich, wie die Melone denn klingen müsse, damit sie gut sei. „Voll!“, war die antwort. Und er führte mir die verschiedenen Melonenklänge durch wildes Kopfen und Springen vor, ein Melonenschlagorchester, jede klang anders, mir wurde wieder schwindlig. Ich nahm die Melone, die ging, der Melonenmann sagte, die Melonen in dem anderen Riesenkarton seien aber insgesamt noch besser. Allerdings auch viel größer. Ich könne ja jemanden zum Essen einladen!

Kurz vor der Kasse kaufte ich noch eine 1,5-Liter-Flasche Wasser und goss sie über mich, bevor ich wieder ins Auto einstieg. Bei Ankunft im Büro war ich schon getrocknet.

Als ich später nach Hause kam, gegen 20 Uhr, waren es noch immer 38 Grad. Ich traf im Hof den Bruder das Nachbarn S. Familie S kommt aus Italien, mein Nachbar S verbringt das Winterhalbjahr dort, kam vor kurzen mit seinem Bruder zurück, der Bruder wird aber morgen wieder abreisen, 17 Stunden Autofahren und sich dann um seine Olivenbäume kümmern. Er bot an, mir über seinen Bruder Olivenöl zukommen zu lassen, überlegte sich dann, dass ich das Öl vorher probieren muss, wollte eine Probe aus der Wohnung holen, kam aber mit Bruschetta zurück, die wir im Hof auf einer Treppe sitzend verspeisten. Nachbarin I huschte durch das Tor und verschwand schnell im Treppenhaus. „Ah, guck mal, diese Frau hat mein Vogelfutter geklaut“, sagte ich mit mehr Phlegma, als ich je zuvor in meinem Leben zur Verfügung hatte. „Na sowas!“, sagte Bruder S und erzählte weiter von seinen Olivenbäumen.

Die Melone ist hervorragend.

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