Am 9. Arbeitstag vor dem Urlaub dachte ich morgens, achja, es löst sich alles gut auf, ich werde in den nächsten Tagen alle mittleren Themen abschließen und alle großen Themen in die richtige Richtung schubsen und alle kleinen Themen umleiten, alles sehr entspannt. Und ging mit Fragmente zum Lunch.
Als ich zurückkehrte, ging es jemandem nicht gut, die Person wollte sich ein wenig hinlegen und dachte dann – wohl weil es ihr ja nicht gut ging – auch wirklich nicht gut nach, schloss die Tür von innen ab und ließ den Schlüssel stecken. Als die beauftragte Person eine halbe Stunde später die Lage evaluieren wollte, fiel das auf. Auf Anrufe, Rufen und Klopfen (später: gegen die Tür hämmern) keine Reaktion. Also wurde ich involviert und beschloss Dinge, es wurde erst sehr hektisch und dann sehr laut und dann sehr professionell. Dann war alles unter Kontrolle. „So lernt man sich kennen“, sagte die neue Mitarbeiterin, die zum Kreise der unmittelbar Involvierten gehörte. Sie sah nicht abgeschreckt aus.
Viel mehr war dann nicht. Nach so einer Aktion funktioniert mein Gehirn nicht zum Abarbeiten mittlerer und kleiner Themen, das muss ich hinnehmen und habe auch Verständnis dafür. Wir saße also zusammen, tranken Kaffee und freuten uns, als der benachrichtigte Notfallkontakt aus dem Krankenhaus berichtete, dass die Situation stabil ist und nichts dagegen spricht, dass sich alles wieder zum Guten wendet.
So ist es auch hier bei einem kleinen Abenteuer geblieben. Ich schätze das sehr. Wie gesagt, nur kleine Abenteuer dieses Jahr!
Ich fuhr Uber nach Hause, weil ich mir nicht vorstellen konnte, noch mehr Zeit unter vielen Menschen (also in der Bahn) zu verbringen, erwischte allerdings einen Fahrer, der noch bevor ich angeschnallt war „Und, wie geht es dir?“ fragte. Mein Gehirn war überfordert, die Situation einzuordnen, also fragte ich nach ob jetzt einfach eine gesellschaftliche Konvention erwünscht sei oder ein längeres Gespräch, woraufhin der Fahrer anbot, Musik anzumachen. Er schaltete spanischen Rap ein, Morad, das hatte ich neulich schonmal, da hatte ich den Fahrer gefragt, ob er spanisch spricht, worauf er antwortete, er käme aus Afghanistan. Der Fahrer heute kam aus Osnabrück, also frage ich, ob er eventuell Struwen kennt (ok, Osnabrück ist schon Niedersachsen aber ja doch noch recht nah an Münster dran), kannte er aber nicht. Er sei wegen der Arbeit hier, sagte er, man habe ihm das Angebot gemacht und es würde ihm in Frankfurt besser gefallen als in Osnabrück, er würde vermutlich bleiben. Spanisch spricht auch er nicht.
