„Wenn ich aus dem Bad komme, bin ich nackt“, sagte Violinista heute morgen, recht früh, zu mir. „Warum sagst Du mir das? Soll ich dann gucken?“ fragte ich zurück. So begann der Tag.
Ich war zu diesem Zeitpunkt schon geduscht und umgezogen und ein wenig frühstückshungrig – nicht, weil es meine übliche Frühstückszeit war (es war 8:00 Uhr), sondern weil ich Dinge erleben wollte. Es gibt sehr viel zu erleben hier!
Violinista und ich teilen derzeit ein schlichtes Zimmer in einer Bildungsakademie. Wie ich gerade vorhin sah, teilen wir das Zimmer ebenfalls mit einer Stechmücke. Ich richte gerade mein Verhalten so aus, dass wir hoffentlich bald nur noch zu zweit sind.
Seit gestern Nachmittag singen wir hier. Wir kamen – obwohl ich mich ja sehr bemühe, mich wieder in einer pünktlichen Lebensphase zu verankern – fast zu spät und stolperten daher schon in die erste Übungseinheit, ohne unser Gepäck in das schlichte Zimmer gebracht zu haben. Im Workshop sind 10 Teilnehmer*innen, fast alle singen sehr schön und morgen gibt es ein kleines Konzert. Gesungen wird Good Luck Babe (Version von Sabrina Carpenter), Walzer für Dich (Pur), Granada (Augustín Lara), Model Mädchen (Julia Engelmann), Always Remember us this Way (Lady Gaga), Million Reasons (Lady Gaga), Der alte Mantel (Eigenkomposition), The Story (Brandi Carlile), ein Song, der mir gerade nicht einfällt und eben Stone Cold (Demi Lovato).
Bis dahin wird es aber noch mindestens zwei Mahlzeiten und einige Erlebnisse geben, die Violinista und ich in der zum Debriefing gebuchten Anschlussnacht im Airbnb erörtern. Bei zwei Flaschen Champagner, die eigentlich schon getrunken sein sollten, aber man kommt ja zu nix.
Violinista kündigt bereits jetzt zahlreiche Richtigstellungen zu diesem Eintrag in den Kommentaren an. Ähnlich, wie wir heute Nachmittag schon eine Differenz hatten. Nicht persönlicher Natur, nur in der Interessenlage, und zwar, weil ich mich heute nicht zu einer Besprechung der Thematik, ob Violinista sich morgen die Haare wäscht und wenn ja, wann, motivieren konnte. Etwas zu spät fiel mir ein, dass ich nicht mehr „das ist mir egal“ sagen wollte sondern „das würde ich situativ entscheiden“. Violnista ist meine Berichterstattung hier nicht exakt genug. Und ich habe noch nicht einmal den Anspruch, Bericht zu erstatten. Wir können das nicht auflösen, nur aushalten.
