5. August 2026 – WmdedgT

(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen.)

Die Nacht war grauenhaft. Um halb 3 nachts wachte ich mit einer beginnenden Migräne auf, ging auf den Balkon in dem naiven Gedanken, mich zu erfrischen, doch dort hatte es – um 2:32 Uhr – noch 30 Grad. Wi-der-lich.

Um 6 Uhr erwachte ich erneut, nun ohne Migräne dafür in einem körperlichen Zustand wie diese winzigen Männchen aus Kinderzeitschriften, die man in Wasser legen kann und dann wachsen sie auf die größe eines echten Menschen heran. Was natürlich gelogen ist, sie werden nur so ca. 10 cm groß, ich bin aber 176 cm groß, umso schlimmer das alles, bleiben Sie einfach bei dem Bild eines derart aufgequollenen Menschen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich es ertrage, weiterin Matratze an meinem Körper zu spüren, also blieb ich wach. Sowieso wollte ich schwimmen gehen, je früher desto besser. Wegen der Hitze konnte ich mich allerdings nur sehr langsam bewegen und zusätzlich nicht denken, eine sehr schlechte Kombination, die dazu führte, dass es knapp zwei Stunden dauerte, bis ich einen Badeanzug unter Shorts und T-Shirt trug und meine – bereits am Vorabend gepackten – zwei Taschen inklusive aller Telefone und Schlüssel aus dem Haus gebracht hatte (ich musste dreimal sehr langsam umkehren)

So war ich erst um kurz nach 8 im Schwimmbad. Und nun geschah es: das Universum gab mir ein Zeichen. Es ist nämlich so, dass ich vor einigen Monaten erfuhr, dass ein Kollege dasselbe Schwimmbad frequentiert wie ich. Dieser Kollege ist niemand, mit dem ich meine Freizeit verbringen möchte und zum Glück hatte ich ihn noch nie im Schwimmbad getroffen. Auch heute nicht, heute traf ich ihn aber vor dem Schwimmbad auf dem Parkplatz, er fuhr weg, ich kam an. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich keinesfalls früher aufstehen sollte als bisher, um schwimmen zu gehen. Ich habe verstanden.

Das Wasser war trotz früher Uhrzeit viel zu warm. Ansonsten war alles gut. Ich kann jetzt tatsächlich so lange Kraulschwimmen, wie ich will, egal ob mit oder ohne Kurzflossen. Wenn ich angestrengt werde, schwimme ich langsamer oder atme häufiger, wenn ich mich erholt habe, wieder etwas schneller, es ist jetzt genau so, wie es beim Brustschwimmen schon immer war. Das macht mich glücklich.

Ankunft im Büro um 9:30 Uhr, es hatten sich erfreulich wenige Mails über Nacht angesammelt und ich konnte sofort mit geplanten Erledigungen beginnen. Um 11 Uhr dann ein geplantes Gespräch mit einer MItarbeiterin, bei der es zum einen um ein Sachthema ging und zum anderen um ein persönliches Thema, nämlich das Verschicken von unangemessen formulierten Mails. Wir hatten darüber schon zweimal zuvor gesprochen, jedoch offensichtlich nicht nachhaltig. Daher stellten wir heute im Gespräch eine Liste auf, an der man erkennen kann, dass eine Mail, die man selbst schreibt, „verdächtig“ ist. Ich teile diese Liste hier gerne, ich denke, sie kann ganz grob auch für Kommentare und Replys in Social Media gelten:

Pro bejahender Antwort ist 1 Punkt zu zählen, außer es ist anders angegeben:

Bin ich verärgert?
Fühle ich mich vollkommen im Recht?
Bin ich überzeugt, dass ich den Sachverhalt zweifellos in allen Einzelheiten überblicke?
Bin ich der empfangenden Person gegenüber (aktuell) nicht wohlwollend gestimmt?
Schreibe ich eine Mail, statt das persönliche Gespräch zu suchen, weil cih am Standpunkt des Gegenübers nicht interessiert bin?
Schreibe ich eine Mail, statt das persönliche Gespräch zu suchen, weil ich befürchte, in einem Gespräch die Fassung zu verlieren?
Steht bei der Mail das Ziel, Dampf abzulassen, im Vordergrund?
Nehme ich Personen ins BCC? (1 Punkt pro Person)
Enthält meine Mail mehr Großbuchstaben als für die korrekte Rechtschreibung notwendig? (1 Punkt pro überflüssigem Großbuchstaben)
Enthält meine Mail ein Ausrufungszeichen außerhalb eines positiv-wertschätzenden Kontextes? (1 Punkt pro Ausrufungszeichen zählen)
Enthält meine Mail mehrmals dasselbe Satzzeichen direkt hintereinander? (pro Vorkommnis pro Satzzeichen einen Punkt zählen)
Kommen Fettdruck, Unterstreichungen oder ähnliche Hervorhebungen vor? (pro Vorkommnis einen Punkt zählen)

Die Anzahl der Punkte sind die Stunden, die ich vergehen lassen sollte, bevor ich die Mail (nach nochmaligem Durchlesen) tatsächlich abschicke. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es aber wirklich nicht aushalte, zu warten, bis diese Zeit vergangen ist, verdoppelt sich der Zeitraum. Ab 12 Punkten ist davon auszugehen, dass diese Mailfassung insgesamt nicht geeignet ist. Sie wird gelöscht und ein anderer Lösungsansatz gesucht.

Ich bin gespannt, ob es mit dieser Checkliste nun besser funktioniert.

Mittagessen mit einer anderen Mitarbeiterin, die ich in ein Restaurant einlud. Es gab bei ihr ein Schicksalsereignis in der Familie, wir besprachen, wie es nun (beruflich) weitergehen kann.

Nun war es schon 15 Uhr, es stand ein längeres Gespräch mit den Steuerexperten zur (immer noch – seit September letzten Jahres!) laufenden Steuerprüfung an, zentral dabei die Frage, inwieweit die aktuellen Anforderungen noch zumutbar sind. Steuern sind ein Gebiet, auf dem ich mich nicht gut auskenne, dafür gibt es eine Fachabteilung und externe Dienstleister. Ich bin lediglich als Schnittstelle dabei und finde das alles sehr interessant, weil ich viel Neues dabei lernen kann.

Den restlichen Arbeitstag verbrachte ich damit, neue Erkenntnisse bzw. Entwicklungen in bestehende Abläufe zu integrieren.

Gegen 19:30 Uhr Ankunft zu Hause, Außentemperatur gleich Innentemperatur (29 Grad), also Lüften. Heute war ich mich Kochen an der Reihe, wir hatten erfreulicherweise noch Reste im Kühlschrank, die ich für Herrn N aufwärmte, ich selbst habe ja mittags schon gegessen. Für mich gibt es gleich noch eine neue Wassermelone und vielleicht ein Eis. Und dabei wollte ich ein Buch lesen, habe aber gerade erfahren, dass Frau Herzbruch später für ein Telefonat zu haben ist. Darauf freue ich mich!

2 Kommentare zu „5. August 2026 – WmdedgT“

  1. Hallo Frau N.,

    ich mag diese Checkliste. Haben Sie die selbst erstellt oder ist die von woanders?
    Ich neige dazu, manchmal direkt und ohne Nachdenken zu antworten.
    12 Punkte wären da also sehr schnell erreicht 🙁

    Danke für diesen Denkanstoß!

    Danke auch für all die bisherigen Blog-Jahre. Ich finde es spannend, über Jahre zu verfolgen, wie sich alles entwickelt. Ist wie ein gutes Buch 😉
    Die meisten Blogs enden leider irgendwann wortlos oder werden uninteressant und belanglos.

    VG

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