31. Mai 2026 – 6. Sommertag

Ja, es war schon wieder ein Sommertag, auch wenn der Wetterbericht anderes versprochen hatte. Aber wie meine Schwester gestern am Telefon schon sagte, als ich ihr vom angekündigten Gewitter mit Temperatursturz berichtete: „Das wird wieder nicht passieren, es passiert nie! Letzte Woche sagten sie 20 Grad, jetzt sagen sie 24 Grad, morgen sagen sie 26 Grad und dann werden es doch wieder 30“. Mit einer Verbitterung in der Stimme, wie andere Menschen über Politik oder über Männer sprechen. Ich war von beidem nie so enttäuscht wie vom Wetter.

Zudem ist ein weiteres Paket bei U. Spot gelandet. Ist das jetzt das neue Normal, dass Hermes-Sendungen bei Familie Spot ankommen und alles andere bei Bobby? Ich habe erst einmal Hermes gemailt, was das soll. Bei allen drei vermeintlichen Paketlieferungen war ich nämlich zu Hause. Ich glaube, da hat jemand keine Lust, die Pakete auszuliefern. Ich hingegen habe keine Lust, sie bei Familie Spot abzuholen. Zumal Familie Spot nur von 9 bis 21 Uhr arbeitet. Das reicht mir in den meisten Fällen nicht aus. Pakete hole ich bevorzugt entweder vor 8 Uhr oder gegen 23 Uhr ab. Und ich antizipiere schon, dass der nächste Smalltalks sich um mein Bestellverhalten drehen wird. In dem aktuellen Paket sind die Converse-Ballerinas in pink.

Ansonsten: ich finde weiterhin keine drei Dinge täglich, die am Sommer gut sind. Einzige Sache heute: der Amselgesang. Den mag ich wirklich sehr gerne.

Ich erinnere mich, erstmals eine Amsel ganz bewusst gehört zu haben, als ich mit einer Freundin abends im Garten spielte. Es war ein langer Sommertag und nun wurde es dämmrig, wir waren allein, die Erwachsenen irgendwo oben in der Wohnung, es waren Ferien, es gab keine Pläne und keine Verpflichtungen.

Der Amselgesang ist bei mir mit einem kindlichen Gefühl von absoluter Sicherheit, Sorgenfreiheit, Geborgenheit und gleichzeitig Freiheit verbunden. Und darin war schon eine leise Ahnung enthalten, dass dieser Zustand nicht für immer bleiben würde.

Heute weiß ich, dass er nicht geblieben ist. Aber wenn ich den Gesang der Amsel heute höre, hallt dieses Gefühl noch immer ein wenig nach.