29. Mai 2026 – 5. Sommertag

Der Tag gestern zählte nicht als Sommertag, es wurden (dort, wo ich war) nicht über 25 Grad. Ich bin sehr großzügig. Unter 26 Grad wird nicht gehasst.

Heute aber wieder. Und zudem fand heute eine weitere meiner Maßnahmen, den Sommer für mich erträglich zu gestalten, ihre Umsetzung.

Eins meiner Beschwernisse im Sommer ist ja Schuhwerk. Ich laufe gern und viel, ich trage daher gerne Sneakers und, es ist einfach so, ich glaube, die Entwickler der Chucks hatten meinen Fuß im Kopf, als sie den Schuh entworfen haben. Sitzt bei mir immer, keine Größenvariabilität, sitzt morgens, mittags, abends und ich kann darin laufen, so lange ich Lust habe. Ich trage auch noch ein paar andere Schuhsorten (genau gesagt: zwei) sehr gerne, die sind aber empfindlicher und deutlich teurer, ich laufe sie im Alltag in zwei Monaten durch, das tut hier aber alles auch gar nichts zur Sache. Die Frage ist eigentlich: worin kann ich denn im Sommer gut laufen? Also mal angenommen, ich gehe überhaupt raus. Am liebsten halte ich es mit Rio Reiser, aber eben nur in Bezug auf den Fuß, in Bezug auf das Drumherum bin ich viel angepasster. Und während ich als Teenager noch im Sommer Doc Martens (die hohen) trug, habe ich in den letzten Jahren herausgefunden, dass Ballerinas für mich ganz schlau sind, denn die kann man unter jeglichem Tisch sofort abstreifen. Nur halt nicht so wirklich gut darin lange Strecken gehen, dann sind sie auch sofort kaputt. Und da habe ich jetzt die Lösung gefunden, nämlich – Converse-Ballerinas. Heute kamen sie an, natürlich passen sie perfekt, natürlich kann ich hervorragend darin laufen. Ich habe gleich vier Farben bestellt. Sie waren deutlich reduziert, vermutlich sieht außer mir niemand das Potenzial. Ein weiteres Sommerproblem gelöst. Das war gut.

Der Weg dorthin erstaunlich erschwert, übrigens, denn das Paket wurde nicht in Bobbys Kiosk geliefert, sondern in den „U-Spot“. Wer nennt sich denn so? Herr U. Spot?? Bei Bobbys weiß man, woran man ist, da gehört der Kiosk Bobby. Was ist mit den Leuten?

Das Abholerlebnis bei U-Spot war sehr mittelmäßig. Laden mit Neonröhren und schlechter Lüftung, darin drei junge Männer, sie ähnelten sich (evtl. Familie Spot), der eine las meinen Vornamen vom Ausweis, sah mir in die Augen, nannte meinen Namen, stellte sich dann vor, es dauerte alles unnötig lang. Wobei er immerhin nicht schwindelte, als er sagte, der Name sei ihm schon aufgefallen, denn er wusste, dass zwei Pakete für mich da sind statt des einen, von dem ich wusste. Unnötigerweise wollte der dann mit mir Smalltalk machen zu den Paketen, die er noch zur Abholung vorhält, zählte mir die Anbieter auf, von denen sie kommen, es war höchst uninteressant, ich schreibe es hier auf, damit es aus meinem Kopf verschwindet: ungefähr gleich viel (nämlich sehr viel) Zalando und Otto, wenig Amazon, weil die ihren eigenen Lieferdienst haben. Ich fragte nach Zooplus, weil ich ja irgendwie nie anders kann als in Gespräche einzusteigen. Kannte er nicht. Ts.

Dann geschah etwas sehr lustiges. Und zwar hatte sich hinter mir (wenig verwunderlich) eine Schlange gebildet, und sie bestand aus lauter religiösen Menschen, das sah man deutlich – jedoch ganz unterschiedlicher Religionen. So, als sei in der Stadt heute interreligiöser Paketabholtag. Direkt hinter mir waren zwei junge Frauen mit Kopftuch, dahinter ein junger Mann in Kasaya, dahinter eine Frau und zwei Männer, die ganz sicher zu diesen Dingens der Letzten Tage gehörten.

Mir sieht man ja keine Religion an, wobei ich ja keine habe, auch das sieht man mir, behaupte ich, nicht an. Ich bin generell eher inkognito unterwegs. Man sieht mir auch nicht an, was für Musik ich höre, glaube ich, und auch nicht, was ich beruflich mache oder was meine Hobbys sind. Vielleicht bin ich die komische Person, irgendwie etwas paranoid, dass ich in der Öffentlichkeit so quasi getarnt bin.

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